US-Präsident Donald Trump Die ganze Unterschrift schreit förmlich: "Ich zuerst! Alles zu mir!"

Die Unterschriften von Barack Obama, George Bush, Donald Trump und Bill Clinton (von oben links im Uhrzeigersinn)

(Foto: SZ.de)

Donald Trumps Signatur sieht aus wie "die Frequenzausschläge kreischender Dämonen". Witzelt das Internet. Höchste Zeit also, sie einer Graphologin vorzulegen. Und die seiner Vorgänger gleich dazu.

Interview von Jakob Biazza

Vor ein paar Tagen hat das Internet die Unterschrift von Donald Trump entdeckt. Seither wird sie unter anderem verglichen mit: dem Ergebnis eines Lügendetektortests, dem Schattenriss von Mordor, den EKG-Aufzeichnungen von Kammerflimmern - oder den "Frequenzausschlägen kreischender Dämonen". Dringend Zeit also, Klarheit in die Diskussion zu bringen.

Katarina Rehm ist geprüfte Graphologin und Vorstandsmitglied des Centrums für Graphologie. Sie wird unter anderem zu Rate gezogen, wenn Unternehmen wichtige Stellen besetzen müssen, und dafür eine Persönlichkeitsanalyse der Bewerber auf Grundlage von deren Handschrift brauchen. Sie hat sich die Signaturen von Donald Trump, Barack Obama, George W. Bush und Bill Clinton angesehen. Ein Gespräch über dicht gedrängte Buchstaben, manischen Durchsetzungswillen und die Frage, warum Obama "seltsam zweigeteilt" ist.

SZ.de: Frau Rehm, mit Blick auf die Unterschriften der drei letzten und des amtierende US-Präsidenten: Wem würden Sie am ehesten einen Führungsjob geben?

Katarina Rehm: Von der Schrift her würde ich Bill Clinton bevorzugen. Der erscheint mir in Summe am berechenbarsten. Bei den anderen kann es eher Überraschungen geben.

Woran sehen Sie denn, dass Bill Clinton berechenbar ist?

Seine Unterschrift ist wie aus einem Guss. Und die "Ls" in "Bill" und die "Ns" von "Clinton", der Fachmann spricht da von Girlanden, lassen vermuten, dass er in seiner Kommunikation offen und verbindlich ist. Es geht bei ihm weitgehend sachlich zu. Diese Berechenbarkeit erscheint mir für eine Führungsposition sehr sinnvoll.

Die Unterschrift von Clinton, aber auch die des neuen Präsidenten Donald Trump verlaufen sehr plan auf einer Linie.

Da haben Sie recht. Das spricht tendenziell dafür, dass ein Mensch seine Pläne sehr konsequent verfolgt. Dass er seinen Weg geht.

Aber es sagt noch nichts darüber aus, wie er das tut, oder?

Das lässt noch alle Möglichkeiten offen - von großer Lockerheit bis zu heftigem Nachdruck. Wobei ich betonen möchte, dass es natürlich gewagt ist, nur von einer Unterschrift auf das ganze Leben zu schließen. Wir sprechen da ausdrücklich von einer Tendenz. Es ist in etwa so, wie wenn ein Mensch niest: Vermutlich ist so ein Mensch erkältet. Er könnte aber auch allergisch sein. Und wenn eine Unterschrift gerade ist, sind die Menschen in der Tendenz realistisch und gehen ihren Weg.

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Das Internet vergleicht Trumps Unterschrift gerade wahlweise mit den EKG-Aufzeichnungen von Kammerflimmern, dem Schattenriss von Mordor oder den Frequenzausschlägen kreischender Dämonen.

(lacht) Das passt schon zu seinem Wesen. Die Unterschrift sieht, vor allem im oberen Bereich, ja tatsächlich ein bisschen aus wie ein Zaun - oder wie ein Stacheldraht.

Was lesen Sie also aus dieser Schrift?

Zunächst vor allem, dass sich die Buchstaben sehr eng drängen. Die Unterschrift hat extreme Winkel, Spitzen und deutliche Senkrechten - sie neigt sich also nicht nach links oder rechts, sondern geht deutlich von oben nach unten. Die positive Emotionalität ist bei solchen Menschen häufig nicht vorhanden oder zumindest in sehr geringem Maße ausgeprägt.

Das klingt, mit Verlaub, nach einer recht simplen Übersetzung.

Sie müssen sich Graphologie als eine Form der Körpersprache vorstellen - absolut vergleichbar mit der Gestik. Redet jemand viel mit den Händen? Unterstützt er seine Argumente mit zackigen Armbewegungen? Trumps Hoch und Runter in der Schrift entspricht sehr seinen Bewegungen beim Reden. Und ein Mensch, der mit vielen Spitzen schreibt, ist oft sehr beharrlich. Er gibt nicht gleich auf, holt sich keine Hilfe. Der macht's.

Das sehen Sie, weil jeder Buchstabe wie ein Ausrufezeichen gesetzt ist?

Ja, und zwar mit Gewalt! Trump schreibt mit einer enormen Energie.

Und die eng gesetzten Buchstaben?

Eine eng gedrängte Schrift spricht dafür, dass ein Mensch vorwiegend nur sich vertraut, dass er sich sehr sicher ist, bei dem, was er denkt und tut. Wer offener schreibt, der lässt Platz für den Einfluss und die Ideen seiner Umgebung. Trump hingegen glaubt zu wissen, was gut und richtig ist. Er braucht niemanden. Schlimmer noch: Wahrscheinlich nimmt er Einflüsse von außen in vielen Fällen überhaupt nicht wahr. Wenn ich mich noch etwas weiter aus dem Fenster lehne, würde ich sogar sagen: Seine Unterschrift weist auf einen fast manischen Durchsetzungswillen hin.

Sehen wir uns seinen Vorgänger Barack Obama an. Das ist selbst in einzelnen Buchstaben noch Raum und Luft.

Absolut. Die Unterschriften von Obama und Trump scheinen wie das absolute Gegenteil voneinander. Wobei Obama seltsam zweigeteilt ist.

Bitte?

Machen Sie mal den Test: Halten Sie mit der Hand das Wort "Obama" zu, damit Sie nur das "Barack" sehen.

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Okay.

Das ist sehr schwungvoll und mit seinen Winkeln und der Offenheit sehr, sehr ansprechend. Das enthält alles, was zumindest wir Europäer an ihm schätzen: Lockerheit, Schwung, Dynamik, Durchsetzungsvermögen - aber ohne Härte. Wenn Sie jetzt aber das "Barack" abdecken, sieht das ganz anders aus. Der Nachname Obama wirkt für sich suchend, vielleicht sogar unsicher. Das ist jetzt etwas weit hergeholt, aber: Es wirkt fast, als habe sich dieses Obama, dieser Teil seiner Persönlichkeit, erst später in seinem Leben geformt.