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Ende einer Ära:Die Obamas sind weg - aber nicht für lange

Barack Obama, Michelle Obama

Barack und Michelle Obama winken zum Abschied, bevor sie nach der Vereidigung von Donald Trump Washington verlassen.

(Foto: AP)

Die Amtszeit des ersten schwarzen US-Präsidenten ist Geschichte. Dass Obama bis zuletzt staatsmännisch bleibt, das honoriert auch Trump. Doch seine nächsten Schritte sind kontrovers.

Auch in den letzten Stunden im Amt hat sich Barack Obama stets im Griff. Am Freitag, gegen 9:15 Uhr, betritt er ein letztes Mal sein Büro und hinterlässt gemäß der Tradition einen Brief an seinen Nachfolger im Oval Office. Etwa 20 Minuten später empfängt er mit First Lady Michelle seinen Nachfolger Donald Trump und dessen Ehefrau Melania im Weißen Haus.

Was anschließend beim privaten Treffen hinter verschlossenen Türen geredet wird, wird wohl lange Zeit geheim bleiben, aber das Verhältnis zwischen dem 44. und 45. US-Präsidenten ist dem Anschein nach gut. Der Demokrat selbst hat es in seiner letzten Pressekonferenz als "herzlich" beschrieben - und in seiner ansonsten sehr düsteren Antrittsrede dankt Trump Barack und Michelle Obama für ihre "gütige Hilfe" und nennt sie "prächtig".

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Gemeinsam sind die Ehepaare zuvor vom Weißen Haus zum Kapitol gefahren und Barack Obama wirkt sehr locker und entspannt auf jener Bühne, auf der er selbst zwei Mal - und vor deutlich mehr Menschen - vereidigt worden ist. Nach seiner Rede begleitet Trump mit Melania seinen Vorgänger zu einem Helikopter, mit dem dieser die Hauptstadt verlässt. Beim Warten scherzt Obama mit Trump, während die frühere First Lady Michelle eher frustriert wirkt.

Obama will das Rampenlicht nicht verlassen

Die Tradition will es, dass der scheidende Präsident Washington verlässt und seinem Nachfolger alle Verantwortung und Aufmerksamkeit hinterlässt. Doch genau hier bricht der mit 55 Jahren ungewöhnlich junge Polit-Rentner Obama mit der Routine. Bevor er auf der Militärbasis in Maryland ins Flugzeug steigt, das ihn zum Urlaub nach Kalifornien bringen wird, stellt er sich am frühen Nachmittag mit der nun strahlenden Gattin Michelle nochmals vor ein Mikrofon.

"Michelle und ich, wir kosten diese Abschiedsnummer ganz schön aus", ruft der Ex-Präsident unter lauten "Yes we can, yes we did"-Rufen. Die Rede wird von allen Sendern zumindest im Split-Screen übertragen und sie macht ein weiteres Mal deutlich, dass sich der erste schwarze US-Präsident anders als viele Vorgänger nicht aus dem Politgeschäft zurückziehen wird. Und er widerspricht der Zustandsbeschreibung seines Landes, die Trump eben präsentierte: Amerika habe allen Grund optimistisch zu sein, so Obama.

Er hatte schon in der letzten Pressekonferenz angedeutet, dass er sich einmischen werde, wenn in den USA "unsere wichtigsten Werte" gefährdet seien. Und es spricht viel dafür, dass die Rechte von Einwanderern, Homosexuellen, Latinos und Schwarzen nun eher beschnitten werden, da die Republikaner für mindestens zwei Jahre alles kontrollieren werden (mehr hier).

Es scheint illusorisch, dass die Konservativen Obamas Klage "Wir sind das einzige Land, das es den Bürgern erschwert, ihre Stimme abzugeben" ernst nehmen und jene Gesetze zurücknehmen, die vor allem Arme, Schwarze und Latinos von den Wahlurnen fernhalten. Doch Obamas Lust, sich weiter einzumischen und dafür zu sorgen, dass mehr Demokraten in Ämter gewählt werden, ist während der letzten Tage im Amt stets zu spüren.

Obamas Vorstellungen widersprechen Trumps Ankündigungen

Und der erste Social-Media-Präsident weiß, wie man möglichst viele Menschen erreicht. Kurz bevor aus @POTUS sein neuer Account @POTUS44 wird, hat er ein kurzes Video gepostet, um seine neue Stiftung zu bewerben. Darin bitten er und Michelle um Anregungen für das neue Obama-Zentrum, das an der South Side in Chicago entsteht - und Bürgerbeteiligung in dieser Stadt, den USA und der ganzen Welt fördern soll. "Nach einem langen Urlaub, viel Schlaf und etwas Stille werden wir wieder mit euch da draußen sein - als Privatpersonen und einfache Bürger", heißt es.

Und auch bevor der Twitter-Account des Weißen Hauses an Trumps Team übergeben wird, verschicken Obamas Leute ein anderes, äußerst symbolträchtiges Bild. Es zeigt Michelle und Barack Obama nicht nur mit ihren Töchtern, sondern auch Hand in Hand mit John Lewis, jenem Held der Bürgerrechtsbewegung, den Trump zuletzt auf Twitter als Schwätzer attackierte.

Genau wie seine Frau Michelle ist Barack Obama jemand, der solche Bilder nicht ohne Hintergedanken veröffentlichen lässt und seine Aussagen genau bedenkt. Anders als Trump neigt der 44. US-Präsident nicht zu impulsiven Aktionen, insofern ist die Botschaft an seinen Nachfolger eindeutig: "Ich stehe mit Rat zur Verfügung, aber du musst dir das Vertrauen und den Respekt verdienen."

Wer weiß, wie lange diese beiden Männer nette Worte übereinander sagen. Wie man sich attackiert und beschimpft, das haben beide ausführlich im Wahlkampf geübt.

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