AfD in Bayern Gegen CSU, Islam und Flüchtlinge

Martin Sichert ist Bundestagsabgeordneter aus Nürnberg. Und Landeschef der AfD.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Am Wochenende trifft sich der bayerische AfD-Landesverband zum Wahlparteitag in Nürnberg. Sein Chef Martin Sichert schlägt stark nationalistische Töne an.

Von Johann Osel, Nürnberg

Eine Attacke auf die CSU und die Angst vor einer angeblichen Islamisierung in einem Thema vereint - das wollte sich Bayerns AfD-Chef Martin Sichert, Bundestagsabgeordneter aus Nürnberg, nicht entgehen lassen. "Wendehorst in Aktion", schrieb er neulich auf Facebook über Horst Seehofer. Der Bundesinnenminister habe ja erst gesagt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, nun wünsche er Muslimen einen gesegneten Ramadan; zu Ostern für Christen habe es derlei nicht gegeben.

Die AfD-Netz-Gemeinde johlt bei solchen Beiträgen - "Windbeutel", "Stiefellecker", "Merkels Arschkriecher". Daran, was sich für einen Innenminister gehört, denkt in diesem Kosmos der Wut keiner. Und dass es von Seehofer sehr wohl auch Ostergrüße gab ("gesegnete" sogar), hat Sichert entweder nicht recherchiert. Oder er verschweigt es mit Absicht.

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Vergangenes Jahr stand im Freistaat auf Plakaten zur Bundestagswahl: "Bunt statt Burka" und "Franz Josef Strauß würde AfD wählen". Das bleibt die Taktik im neuen Wahljahr. Feindbild Flüchtlinge und Islam, Feindbild CSU. Am Wochenende ist in Nürnberg Landesparteitag, das Programm soll verabschiedet und ein Spitzenkandidat gefunden werden. Sichert selbst bleibt Abgeordneter in Berlin. Fände sich kein "zentrales Gesicht" für die Kampagne, würde er wohl als Landeschef häufiger in Talkshows sitzen. Unabhängig davon wird Sichert, der die AfD jetzt seit gut einem halben Jahr führt, eine wichtige Rolle spielen im Wahlkampf, er wird moderieren, auch den Zungenschlag vorgeben.

Ein Gespräch mit Martin Sichert, im Abgeordnetenbüro in Nürnberg, Bahnhofsnähe. Es öffnet sein Referent, der es bei der Vereidigung der Kanzlerin zu einiger Berühmtheit brachte. Er entrollte auf der Tribüne ein "Merkel muss weg"-Transparent und wurde wegen des Verstoßes gegen die Hausordnung des Bundestags hinausgeworfen.

Die K-Frage

Björn Höcke, der AfD-Rechtsaußen aus Thüringen, trat neulich in Lappersdorf bei Regensburg auf und gab den Wahlkämpfern einen Rat. Dem "Maximal-Opportunisten" Markus Söder müssten sie ein starkes "Gesicht" entgegensetzen, womöglich zwei. Also: einen Spitzenkandidaten oder ein Duo. Am Wochenende auf dem Landesparteitag wird die K-Frage geklärt. Oder nicht. "Einer, zwei oder keiner - alle Optionen offen", sagt ein Parteistratege. Denkbar wäre, dass man sieben Gesichter hat: die Listenführer aller Bezirke. Einzelne mit Machtfülle sind vielen an der Basis ein Graus; es ist ein Mitgliederparteitag, der Ausgang gilt daher als unberechenbar.

In Frage kommen eben die Erstplatzierten der Listen. In Lappersdorf sprach auch Katrin Ebner-Steiner, die Höckes Flügel angehört, das aber auf Nachfrage nicht als Ausweis fehlender Bürgerlichkeit und Liberalität verstanden wissen will. Sie führt die Niederbayern-Liste und hat im Wahlkreis Deggendorf bei der Bundestagswahl fast 20 Prozent geholt. Dass sie damals kämpfte, obwohl sie keinen Listenplatz hatte, rechnen ihr viele hoch an. Andererseits wird sie als Frau teils belächelt, anderen missfällt ihr rustikaler Gestus. "Wie die Magd im Komödienstadl", sagt ein Parteifreund. Auf Platz eins in Oberbayern ist der Wirt, Rauchverbotsgegner und Ex-CSU-Lokalpolitiker Franz Bergmüller. Er ist - nach Streit um eine anfängliche Doppelmitgliedschaft bei AfD und Freien Wählern - nicht offiziell AfD-Mitglied. Ein Malus. Ihn stützt aber seine "Leberkäs-Connection", die Clique der Oberbayern-Kreischefs. Zudem je Platz eins: Roland Magerl (Oberpfalz), Martin Böhm (Oberfranken), Raimund Swoboda (Mittelfranken), Christian Klingen (Unterfranken), Markus Bayerbach (Schwaben). ojo

Sichert, 37 Jahre alt, Diplom-Kaufmann, an die zwei Meter groß, sagt mit Blick auf den Wahlkampf: "Wir erleben täglich Rassismus in Bayern." Und legt nach: "Und zwar gegen die eigene Bevölkerung." Im Bundestag sitzt er im Sozialausschuss, und dieses Feld versucht er mit Migration zu kombinieren. Es würden "Massen von Illegalen üppig alimentiert, ohne jemals etwas geleistet zu haben", sie bekämen Leistungen ohne Vermögensprüfung. Der deutsche Bürger müsse sich dagegen "bei jedem Antrag auf Pflege in der Familie vollkommen nackt machen vor den Behörden", die Obdachlosigkeit steige. Eine Zeitung hat ihn mal "eine Art Robin Hood der AfD" genannt. "Messerangriffe, Vergewaltigungen, Parallelgesellschaften, Scharia" - Sichert reizt die ganze Klaviatur aus.