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Apollo 11:Das Milliarden-Geschäft mit der Mondlandung

´Apollo 11" Mondlandefähre

Buzz Aldrin nach seinem Ausstieg aus der Mondfähre.

(Foto: dpa)
  • Am Apollo-Saturn-Programm in den 1960ern waren Schätzungen zufolge etwa 400 000 Menschen beteiligt, 20 000 Zulieferer profitierten von Aufträgen.
  • Alleine die Mondrakete Saturn V kostete die Nasa 6,5 Milliarden Dollar - Hauptauftragnehmer waren US-Firmen wie Boeing.
  • Auch deutsche Firmen waren an der Mondlandung beteiligt: Zeiss lieferte die Kameraobjektive, Heraeus einen Reflektor, der noch immer auf dem Mond steht.

Die Dragon-Raumschiffe der kalifornischen Firma SpaceX von Elon Musk beliefern die Internationale Raumstation ISS seit 2012 regelmäßig mit Ausrüstung, Lebensmitteln und wissenschaftlichem Gerät. Auch die Firma Orbital, die mittlerweile zum US-Konzern Northrop Grumman gehört, hat seit 2014 bereits einige Frachtflüge absolviert. Noch in diesem Jahr will SpaceX das erste Mal mit seiner Crew Dragon Astronauten zur Raumstation befördern, der Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing möchte mit seinem Starliner demnächst ebenfalls eine Astronautenkapsel zur ISS schicken. Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa will damit erstmals seit dem Ende der Spaceshuttles 2011 wieder Astronauten zur Raumstation schicken, ohne von den Russen abhängig zu sein. In den vergangenen Jahren musste sie Plätze an Bord der russischen Sojus-Kapsel buchen - zum Preis von etwa 80 Millionen Dollar pro Astronaut.

Doch nicht erst mit SpaceX hat die Nasa die Privatindustrie entdeckt. Am Apollo-Saturn-Programm in den Sechzigerjahren waren Schätzungen zufolge etwa 400 000 Menschen bei der Nasa und rund 20 000 Zulieferern aus ganz Amerika beteiligt. Das Programm zur Mondlandung kostete nach Nasa-Angaben knapp 19,5 Milliarden Dollar.

Selbst die International Latex Corporation - bekannt für Unterwäsche und Dessous von Playtex - leistete ihren Beitrag zur Mondlandung: Das Unternehmen stellte die Raumanzüge für die Mondspaziergänge her. Ein Anzug kostete damals inklusive Lebenserhaltungssystem etwa 100 000 Dollar - pro Apollo-Mission orderte die Nasa 15 maßgeschneiderte Raumanzüge: Für die drei Astronauten je drei, für die Ersatzcrew je zwei.

Die Nasa ließ die V2-Rakete des NS-Regimes weiterentwickeln

Schon die Mercury-Kapsel, mit der Alan Shepard 1961 als erster Amerikaner für einige Minuten im Weltraum war, stammte aus der Privatwirtschaft - aus der Fabrik des Herstellers McDonnell Aircraft, später McDonnell-Douglas, der seit 1997 zu Boeing gehört. Zwölf Firmen hatten 1959 um den Produktionsauftrag gebuhlt. Die Raumfahrtbehörde benötigte insgesamt 20 Kapseln. McDonnell Aircraft erhielt später auch den Zuschlag für den Bau von zwölf Gemini-Kapseln.

Bei den Apollo-Vorläuferprogrammen Mercury und Gemini haben allerdings vor allem Nasa-Ingenieure die Raumschiffe entwickelt und Unterstützung aus der Industrie hinzugezogen, später war es eher umgekehrt. Auch das heutige Raumschiff Dragon wird von SpaceX-Ingenieuren selbst entwickelt - wenngleich sie Millionen Dollar von der Nasa bekommen haben und die strengen Nasa-Anforderungen einhalten müssen.

Ähnlich ist es bei den Trägerraketen: Während die Falcon 9 von SpaceX entwickelt und gebaut wird, handelte es sich bei der Redstone des Mercury-Programms um eine bei der Nasa weiter entwickelte V2-Rakete, die das NS-Regime im Zweiten Weltkrieg tausendfach von Zwangsarbeitern fertigen ließ und unter anderem auf London abfeuerte. Ausgerechnet V2-Erfinder Wernher von Braun durfte die Redstone in Amerika mit einem Ingenieursteam entwickeln - gebaut wurde sie dann von der Chrysler Corporation.

Dasselbe Konzept wandte die Nasa bei den Saturn-Trägerraketen des Apollo-Programms an, das schließlich zum Mond führte: Ein Nasa-Team, wieder unter Wernher von Braun, entwickelte in den Sechzigerjahren verschiedene Saturn-Varianten. Alleine die Mondrakete Saturn V kostete die Nasa 6,5 Milliarden Dollar - Hauptauftragnehmer waren Boeing und McDonnell-Douglas sowie North American Rockwell, der Hersteller ist 1996 auch von Boeing übernommen worden.