bedeckt München 29°

Erneuerbare Energien:Anteil fossiler Energie stagniert seit zehn Jahren

Windräder im Morgennebel

Die Kapazitäten für erneuerbare Energien werden immer größer.

(Foto: Arnulf Stoffel/picture alliance/dpa)

Die Ökoenergien eilen von Rekord zu Rekord. Doch nun zeigt ein Report: Nach wie vor tragen sie nur rund 20 Prozent zum Gesamtverbrauch bei. Denn der Energiehunger wuchs mit.

Von Michael Bauchmüller

Ließe sich Erfolg in Erfolgsmeldungen messen, dann müssten sich die erneuerbaren Energien keine Sorgen machen. Die Wirkungsgrade von Solarzellen steigen, Windräder werden immer größer. Was die Einspeisung von Ökostrom angeht, ist jedes Jahr ein Rekordjahr, und Experten wie Politik sehen darin den Schlüssel zur Klimaneutralität. Es könnte alles so einfach sein.

Am Dienstag hat das globale Ökostrom-Netzwerk REN21 seinen neuesten Statusbericht vorgelegt, auf den ersten Blick nur eine weitere Erfolgsmeldung. So wurden 2019 allein 200 Gigawatt neue Ökostromleistung in Betrieb genommen, das meiste davon solar. Zum Vergleich: Alle Solarzellen in Deutschland zusammengenommen kommen auf etwas mehr als 50 Gigawatt. Es handele sich, so heißt es im Report, um den bisher größten Zuwachs in einem Jahr. Obendrein würden erneuerbare Energien zunehmend wettbewerbsfähig, in einigen Regionen der Welt sogar mit alten, abgeschriebenen Kohlekraftwerken. War es das also? Steht die Welt endgültig vor der Ablösung der fossilen Energie? Mitnichten, wie auch der Statusbericht zeigt.

Danach haben zwar die erneuerbaren Energien in den vergangenen zehn Jahren massiv zugelegt. Aber gleichzeitig wuchs auch der Energiebedarf insgesamt. Die Folge: Der Anteil fossiler Energieträger schrumpft nicht, er stagniert. So kommt der Report für das Jahr 2009 auf einen Anteil fossiler Energie von 80,3 Prozent - und zehn Jahre später, 2019, auf 80,2 Prozent. "Wir müssen der bitteren Erkenntnis ins Auge sehen", sagt Rana Adib, Exekutivdirektorin von REN21. "Die Klimaschutz-Versprechungen der letzten zehn Jahre waren überwiegend nichts als leere Worte." Paradoxerweise hat die Stagnation auch mit einem Fortschritt an anderer Stelle zu tun: Die Rolle der "traditionellen Biomasse" schrumpft. In Entwicklungsländern wird weniger mit Holz oder Dung gekocht und geheizt, was allein gesundheitlich ein Wert an sich ist. Doch an die Stelle dieser Biomasse, so legt der Report dar, treten nicht Solarzellen auf Hüttendächern, sondern häufig fossile Energien - und sei es Strom aus dem Kohlekraftwerk.

So eilen die Erneuerbaren von Erfolg zu Erfolg, doch der Anteil moderner Erneuerbarer wie Wind- und Solarenergie am globalen Endenergieverbrauch stieg binnen zehn Jahren nur um 2,5 Prozentpunkte, von 8,7 auf 11,2 Prozent. "Das Beste, was wir tun können, ist, aus den fossilen Energien auszusteigen und erneuerbare zur neuen Norm zu machen", sagt Adib. Auch davon allerdings fehlt vielerorts jede Spur. Von den 20 großen Industrie- und Schwellenländern der G-20-Gruppe etwa haben sich nur fünf überhaupt Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien gesetzt. Nur drei, so rechnet der Report vor, erreichten sie. Deutschland, immerhin, ist mit dabei.

© SZ
Zur SZ-Startseite
Heustadel und Hütten auf nebligen Wiesen, hinten Langkofel und Plattkofel, Seiser Alm, Südtirol, Italien, Europa *** Hay

Umweltschutz
:Zusammen gegen die Katastrophe

Erstmals haben der Klimarat IPCC und der Biodiversitätsrat IPBES gemeinsame Vorschläge gemacht, wie man Natur und Klima zugleich schützen kann. Doch die Zeit dafür läuft ab.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB