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Zuwanderung und Wirtschaft:Einfach so wie die Nationalmannschaft

Jetzt ist die Wirtschaft dran: Unternehmen müssen das Thema Integration entschlossener anpacken als bisher - schnell. Und das nicht nur mit Blick auf die Gewinne.

Vor dem Hintergrund des spürbaren Fachkräftemangels fehlt es nicht an Mahnungen der Wirtschaft, die Zuwanderung flexibler zu gestalten. Doch dieselben Wirtschaftsverbände und Unternehmen, die ganz zu Recht eine Erleichterung der Arbeitsmigration fordern, tun sich auffallend schwer damit, die eigene Rolle bei der Integration von Zuwanderern in Arbeitsmarkt und Gesellschaft zu definieren.

Einbürgerungstest

Um die erfolgreiche Integration von Zuwanderern voranzutreiben, ist auch das Engagement der Wirtschaft gefragt.

(Foto: dpa)

Dabei hängt es auch vom Engagement der Unternehmen vor Ort ab, ob die Eingliederung der von ihnen gesuchten Fachkräfte und ihrer Familien letztlich gelingt. Dass der neue Bundespräsident Christian Wulff offenbar gewillt ist, die Integration von Zuwanderern zu einem Leitthema seiner Amtszeit zu machen, bietet Gelegenheit, die Aufgabenverteilung zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu hinterfragen. Soll die Zuwanderung künftig stärker an Arbeitsmarktbelangen orientiert werden, kommt den Unternehmen unweigerlich eine noch größere Bedeutung bei der Integrationsleistung zu.

Es fehlt an allen Ecken

Klar ist: Der Engpass an qualifizierten Arbeitskräften droht nicht erst in der Zukunft, er ist bereits seit einiger Zeit deutlich spürbar. Dabei geht es keineswegs nur um Ingenieure oder Ärzte, sondern auch um den Mangel an Facharbeitern in Industrie und Handwerk und um die Personalknappheit in wichtigen Dienstleistungsbereichen wie etwa den Pflegeberufen. Dort wird es den bequemen Weg, die Lücken durch Zivildienstleistende zu stopfen, künftig kaum noch geben, während der Bedarf in einer alternden Gesellschaft stetig wächst. Und dass in Seniorenhaushalten Zehntausende Ausländer illegal als Pflegehilfen eingesetzt werden, ist ein unhaltbarer Zustand.

Höchste Zeit also für eine Politik, die mit gezielten Öffnungs- und Auswahlstrategien den Versuch unternimmt, qualifizierte Zuwanderer für Deutschland zu gewinnen. Die geschickte Selektion von Studenten und Doktoranden ist dabei eine Sache. Hier bildet und integriert sich das Arbeitsangebot der Zukunft gewissermaßen von selbst. Die andere sichere Strategie ist die Zuwanderung oder das Bleiben von Hochschulabsolventen, sobald und solange sie vom Arbeitsmarkt gebraucht werden. Entscheidend sind transparente und nachhaltig kommunizierte Regeln.