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Zalando:"Derartige Methoden gehören verboten"

Online Shopping Order Handling at a Zalando SE Logistics Center

Zalando-Mitarbeiter laden Auslieferungspakete in einen Laster.

(Foto: Alex Kraus/Bloomberg)
  • Das Unternehmen soll die Leistung von Beschäftigten durch den Einsatz einer Software überwacht haben.
  • Politiker verschiedener Parteien kritisieren dies einhellig. Zalando greift die Forscher der Studie an.

Zahlreiche Politiker fordern nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung über Vorwürfe gegen den Online-Modehändler Zalando Konsequenzen. Forscher der Berliner Humboldt-Uni und Mitarbeiter hatten über Überwachung, Leistungsdruck und Stress durch den Einsatz der Software Zonar geklagt, was Zalando zurückweist. "So macht Digitalisierung, die enorme Chancen für bessere Arbeit bietet, den Menschen Angst", kritisiert Norbert Walter-Borjans, Kandidat für den SPD-Parteivorsitz. Zonar sei ein Beispiel dafür, wie Technik dafür genutzt werde, die Menschen zu instrumentalisieren.

"Wir empören uns darüber, dass in China das Wohlverhalten der Bürger erfasst und bewertet werden soll und merken nicht, dass das System von Beobachtung, Kontrolle und Bewertung Einzug in die heimische Arbeitswelt hält." Wenn jeder falsche oder als falsch empfundene Ton zu einer Notiz führen könne, die über Aufstiegschancen und Gehalt entscheide, öffne das auch Mobbing Tür und Tor - und das im Mantel objektiver Messwerte.

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Bei dem Online-Modehändler beurteilen Mitarbeiter gegenseitig ihr Verhalten. Zalando hält das für einen Fortschritt - Angestellte sprechen von Leistungsdruck und Stress.   Von Alexander Hagelüken und Michael Kläsgen

"Derartige Methoden der Überwachung und gegenseitigen Kontrolle gehören verboten", erklärte Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken im Bundestag. "Gläserne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die permanent bewertet werden und sich gegenseitig werten, dürfen auch in Zeiten des Onlinehandels und der Digitalisierung kein Zustand sein. Das hat mit Fortschritt nichts zu tun, sondern weckt Orwellsche Erinnerungen. Ein Geschäftsmodell, das auf Misstrauen und Kontrolle fußt, wird kein Erfolgsmodell sein."

Man halte den gesetzlichen Datenschutz ein und zahle faire Löhne

Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sieht eine neue Qualität digitaler Leistungskontrollen sowie permanenter Vergleiche von Beschäftigten untereinander. Dies sei skandalös und stelle die gesamte Arbeitswelt vor große Herausforderungen. "Die Beschäftigten könnten dabei nur verlieren: Es geht hier nicht um Transparenz und ein gutes Arbeitsklima. Beschäftigte geraten mit solcher Software massiv unter Druck und auch emotionalen Stress, sie werden teils misstrauisch gegeneinander in Stellung gebracht." Das sei pure Willkür des Arbeitgebers und kein Modell für die Zukunft, so Nutzenberger.

Zalando dagegen hatte die Vorwürfe von Mitarbeitern und einer Studie für die gewerkschaftsnahe Böckler-Stiftung bereits zuvor zurückgewiesen: "Bei Zalando ist Transparenz und eine offene Feedbackkultur seit jeher gelebte Realität." Die zitierten Stimmen der Mitarbeiter, die unter anderem von "Überwachung" und "Stasi-Methoden" sprechen, seien nicht repräsentativ. Das Unternehmen habe sich gegen eine Kooperation mit den Forschern entschieden, weil deren mangelnde Neutralität bereits zu Studienbeginn erkennbar gewesen sei. Zalando entlohne seine Mitarbeiter fair und halte den gesetzlichen Datenschutz ein.

Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe erklärte, ein gut gedachtes Feedbackinstrument dürfe nicht für Lohndumping verwandt werden. Mit der Kopplung an die Entgelt-und Karriereentwicklung werde ein Instrument missbraucht. Beate Müller-Gemmeke aus der Grünen-Fraktion im Bundestag fordert ein eigenes Gesetz zum Beschäftigtendatenschutz und für Betriebsräte eine starke Mitbestimmung beim Datenschutz: "Software soll das Leben der Menschen verbessern. Beschäftigte rund um die Uhr zu überwachen, ist das Gegenteil von Fortschritt."

Politische Antworten verlangt auch SPD-Mann Walter-Borjans. "Solange sich Beschäftigte auseinanderdividieren lassen, lässt sich mit 'Teile und herrsche!' viel Profit für wenige erwirtschaften, den immer mehr Beschäftigte mit wachsendem Leistungsdruck und Entmenschlichung der Arbeitswelt bezahlen." Dieser Trend werde zunehmen. Darauf müsse die Politik reagieren.

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