Wirtschaftswachstum in China Fast schon die Nummer zwei

Die chinesische Wirtschaft wächst 2010 etwas langsamer, aber immer noch mit enormem Tempo. Sie könnte in diesem Jahr zur weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft werden.

Die globale Wachstumslokomotive China hat im zweiten Quartal 2010 trotz vergleichsweise hoher Zuwachsraten an Fahrt verloren. Auf Jahressicht legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 10,3 Prozent zu, wie das nationale Statistikamt NBS mitteilte. Im ersten Quartal hatte das Plus noch 11,9 Prozent betragen.

Dämpfer für die chinesische Wirtschaft: Das Wachstum in der Volksrepublik lässt leicht nach.

(Foto: rtr)

Die chinesische Wirtschaft wuchs im gesamten ersten Halbjahr um 11,1 Prozent auf ein BIP von umgerechnet 2,55 Billionen Dollar (Halbjahreswert). Das Wachstum lag damit deutlich über dem vorsichtig angelegten Regierungsziel von acht Prozent für 2010, entsprach aber laut Regierungsaussagen den Bestrebungen, eine Überhitzung zu vermeiden. Die Weltbank geht von 9,5 Prozent aus. Mit einem Jahresbruttoinlandsprodukt von voraussichtlich mehr als fünf Billionen Dollar dürfte China in diesem Jahr Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ablösen. Die Gesamtleistung liegt indes noch deutlich hinter der der Vereinigten Staaten, die auf ein Bruttoinlandsprodukt von gut 14 Billionen Dollar kommen. Zum Vergleich: Deutschland hat ein Bruttoinlandsprodukt von gut 3,3 Billionen Dollar, die EU ingesamt eines von 16,5 Billionen Dollar.

Zum Jahreswechsel hatte es Befürchtungen gegeben, die chinesische Wirtschaft und nicht zuletzt der heimische Immobilienmarkt könnten überhitzen. Deshalb hatte die Regierung in Peking etwa den Kreditfluss eingeschränkt. Als Folge sind vor allem die öffentlichen Investitionen der Bezirksregierungen im zweiten Quartal deutlich schwächer als zu Jahresbeginn gewachsen. Das Statistikamt in Peking warnte, die gute Wirtschaftsentwicklung dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Auswirkungen der Finanzkrise noch nicht ausgestanden seien. Auch das internationale Umfeld bleibe schwierig.

Gefahr für deutsche Exportindustrie

So verläuft auch die US-Erholung unerwartet träge. Konjunktureller Gegenwind und die Folgen der Schuldenkrise in Europa veranlasste die US-Notenbank ihre Wachstumsprognose leicht auf etwa drei bis 3,5 Prozent zu senken, nachdem vor drei Monaten noch ein Zuwachs von 3,2 bis 3,7 Prozent veranschlagt worden war. Eine Reihe von Faktoren seien verantwortlich, so die Verunsicherung von Verbrauchern und Geschäftsleuten, anhaltende Schwäche auf dem Immobilienmarkt, eine nur langsame Verbesserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt, die schwindende Unterstützung durch Konjunkturprogramme und eine nur allmählichen Verbesserung der Kreditbedingungen.

Die Großbank Unicredit sieht in China als weltweite Wachstumslokomotive Segen und Fluch zugleich. "Hing die Weltwirtschaft früher sehr stark an der Entwicklung in den USA, ist es nun China." Allein ein Viertel des gesamten Weltwirtschaftswachstums, das von internationalen Institutionen bei 4,5 Prozent gesehen wird, dürfte in diesem Jahr aus China kommen.

Zum Vergleich: Die Eurozone dürfte 2010 gerade einmal 0,1 Prozentpunkte dazu beisteuern. "Sollte die Konjunktur im Reich der Mitte spürbar an Fahrt verlieren, wird dies unweigerlich auf Nachbarstaaten und Industrieländer ausstrahlen." Hiervon wäre auch die wichtige deutsche Exportindustrie betroffen, die in den letzten Jahren immer mehr Güter nach China lieferte.