Wirtschaft kompakt Hoffnung für Ricke und Zumwinkel

Die Verfahren gegen die Beschuldigten im Telekom-Datenskandal werden angeblich eingestellt. Außerdem: British Airways sagt mehr als 1000 Flüge ab.

Im Telekom-Datenskandal wird die Staatsanwaltschaft Bonn einem Medienbericht zufolge die Verfahren gegen Ex-Konzernchef Kai-Uwe Ricke und den früheren Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel nun doch einstellen. Wie das Nachrichtenmagazin Focus am Samstag berichtete, habe dies Oberstaatsanwalt Fred Apostel auf Anfrage bestätigt.

Trotz einiger Indizien, wonach die Telekom-Spitze Gewerkschafter und Journalisten bespitzeln ließ, um undichte Stellen zu enttarnen, "konnten wir ihre Einlassungen letztendlich nicht widerlegen", zitiert das Magazin den Behördensprecher.

Die Bonner Ermittler werden laut Focus vier Verdächtigen aus der zweiten Reihe den Prozess wegen Untreue und illegaler Auswertung von Telefonverbindungsdaten machen. Die Staatsanwaltschaft Bonn war am Samstag für eine Bestätigung zunächst nicht zu erreichen. In der Affäre geht es um die Bespitzelung von Aufsichtsratsmitgliedern, Betriebsräten und Journalisten.

British Airways sagt mehr als 1000 Flüge ab

Wegen eines dreitägigen Streiks der Flugbegleiter hat British Airways mehr als 1000 Flüge abgesagt. Mit dem Ausstand seit Samstag um Mitternacht wollen sie ihre Forderungen nach mehr Geld und gegen höhere Arbeitsbelastungen durchsetzen.

Zuvor war am Freitag ein letzter Versuch gescheitert, den Streik der rund 12.000 Flugbegleiter doch noch abzuwenden. BA-Chef Willie Walsh entschuldigte sich über YouTube bei Tausenden betroffenen Reisenden und sprach von einem "schrecklichen Tag für BA". Es ist der erste Streik bei der Gesellschaft seit fast 15 Jahren.

Das Kabinenpersonal wehrt sich gegen einen geplanten Stopp von Lohnerhöhungen in diesem Jahr, die Einführung von Teilzeitarbeit für 3000 Beschäftigte und eine Reduzierung der Flugteams von 15 auf 14 Personen bei Langstreckenflügen. Die Geschäftsleitung hat die Maßnahmen als überlebenswichtig bezeichnet.

Um die Auswirkungen des Streiks möglichst gering zu halten, hat British Airways Maschinen von Konkurrenten gechartert, in anderen Abteilungen Freiwillige als Ersatz für das Kabinenpersonal organisiert und Reisende auf andere Flüge umgebucht.

Am Samstag und Sonntag sollten jeweils 49.000 Passagiere abgefertigt werden. An einem durchschnittlichen März-Wochenende sind es pro Tag 75.000. Am Londoner Flughafen Heathrow sollten mehr als 60 Prozent der BA-Langstreckenflüge wie geplant stattfinden, bei den Kurzstrecken allerdings nur rund 30 Prozent.

Der Ausstand soll nach den Plänen der Gewerkschaft bis einschließlich Montag dauern, Auswirkungen dürfte er aber auch noch in den Folgetagen haben.

Am 27. März soll ein viertägiger Streik folgen, der erhebliche Auswirkungen auf den Osterreiseverkehr haben würde. Beide Streiks zusammen könnten BA Schätzungen zufolge mehr als die 63 Millionen Pfund (70 Millionen Euro) kosten, die das Unternehmen mit den geplanten umstrittenen Maßnahmen einsparen will.

Buhlen um Bond

Der Bieterwettkampf um die legendären US-Filmstudios Metro-Goldwyn-Mayer kommt in Schwung. Nachdem ein russischer Investor bereits die Hand gehoben hatte, berichteten amerikanische Medien, dass auch Time Warner Interesse habe. Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg erwägt der Medienkonzern, 1,2 bis 1,5 Milliarden Dollar auf den Tisch zu legen.

MGM steht wegen seiner drückenden Schuldenlast zum Verkauf. Bis zum Freitag sammeln die Kreditgeber die Angebote ein. Es ist die zweite Runde im Ringen um das Filmstudio. Time Warner gehörte zu den Unternehmen, an die im Vorfeld die Verkaufsunterlagen gegangen waren.

Am Montag hatte der russische Investor Len Blavatnik angedeutet, er würde "zum richtigen Preis" zuschlagen. Im Raume stehen momentan um die 1,5 Milliarden Dollar. Eigentlich hatten die MGM-Gläubiger einen höheren Preis erzielen wollen. Seit einiger Zeit schrumpfen aber die DVD-Verkäufe.

Das trifft MGM besonders hart, besitzt das Studio doch die größte Filmsammlung von Hollywood mit mehr als 4000 Titeln, darunter Klassiker wie "Rocky" oder "Manche mögen's heiß". Auch die Rechte an "James Bond" liegen bei MGM.

Murdoch schraubt an Sky-Aufsichtsrat

Medien-Tycoon Rupert Murdoch will beim Bezahlsender Sky Deutschland offenbar einen neuen Aufsichtsratschef installieren. Die Financial Times berichtete unter Berufung auf Unternehmenskreise, Murdochs rechte Hand Chase Carey solle die Führung im Kontrollgremium übernehmen, wenn der bisherige Aufsichtsratchef Markus Tellenbach sich zurückziehen sollte.

Carey ist bislang Vize-Chairman des Medienkonzerns News Corp, der rund 45 Prozent an Sky Deutschland besitzt.

Der Bericht dürfte den Spekulationen um eine Komplettübernahme des Bezahlsenders durch Murdoch Nahrung geben. Der Australier war 2008 beim Sky-Vorgänger Premiere eingestiegen. Er hatte das Management mit eigenen Leuten besetzt und zur Rettung des Senders mehrere Kapitalspritzen organisiert.

Toyota drohen Milliardenklagen

Die Pannenserie beim japanischen Autobauer Toyota könnte in den USA Schadensersatzklagen in Milliardenhöhe nach sich ziehen. Sollten sich die Kläger durchsetzen, würden womöglich Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe entstehen, berichtet die Financial Times Deutschland.

Diese Summe errechnete Anwalt und Rechtsprofessor an der Northeastern University in Boston, Tim Howard. Er koordiniere den juristischen Kampf gegen Toyota in Amerika, schreibt das Blatt. Aus anderen Quellen werden die Folgeschäden auf 24 Milliarden Dollar beziffert. Toyota selbst hat die Kosten für die Rückrufaktion bislang auf umgerechnet 1,4 Milliarden Euro kalkuliert.

Die Kläger unterstellen dem Autobauer, technische Probleme nicht rechtzeitig gelöst und Risiken verschwiegen zu haben. Auf ungewolltes Beschleunigen oder Bremsversagen werden aus Sicht der Betroffenen mehr als 30 Todesfälle zurückgeführt, hinzu kommen 100 Verletzte nach Unfällen. Daneben klagen Toyota-Besitzer über den Wertverlust ihrer Gebrauchtwagen und die betroffenen Händler und Autovermieter über Geschäftseinbußen. Aktienbesitzer führen den Verfall der Toyota-Papieren ins Feld.

Eine neue Horrormeldung über streikende Bremsen scheint sich hingegen als unwahr herauszustellen. Erste Untersuchungsergebnisse zum Unfall eines Prius in einem New Yorker Vorort deuteten auf einen Fahrfehler hin, schrieb das Wall Street Journal. Das Hybridauto war unlängst vor einer Mauer geendet. Die 56-jährige Fahrerin hatte damals zur Polizei gesagt, der Wagen habe ohne ihr Zutun plötzlich beschleunigt. Bremsen habe nichts genützt.

Nach Angaben der Zeitung hat die Auswertung des Bordcomputers nun ergeben, dass die Frau gar nicht gebremst hatte. Das Wall Street Journal beruft sich dabei auf zwei Personen, die mit dem Fall vertraut seien. Techniker von Toyota und der US-Behörde für Verkehrssicherheit hatten den Wagen am Mittwoch unter die Lupe genommen. Der örtliche Polizeichef lehnte einen Kommentar ab, da die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien. Dies könne noch eine Woche dauern, sagte er.