Cybersicherheit:Hackerangriff auf Batteriehersteller Varta

Cybersicherheit: Varta-Batterien mit dem gelben Dreieck kann man in jedem Supermarkt kaufen. Nun steht die Produktion still, weil Hacker den Konzern angegriffen haben.

Varta-Batterien mit dem gelben Dreieck kann man in jedem Supermarkt kaufen. Nun steht die Produktion still, weil Hacker den Konzern angegriffen haben.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Die Produktion des Konzerns aus Baden-Württemberg steht an allen fünf Standorten still. Für die ohnehin kriselnde Firma kommt das zur Unzeit.

Von Tobias Bug

Die Firma Varta ist am Mittwoch schwer zu erreichen. E-Mails bleiben unbeantwortet, ruft man an, geht keiner ran, man hört nur ein schnelles Tuten. Hacker haben den Batteriehersteller aus dem baden-württembergischen Ellwangen weitgehend lahmgelegt. In den drei deutschen Werken, am Stammsitz, in Dischingen und Nördlingen, wo Varta die Zellen seiner Batterien fertigt, steht die Produktion still, und auch an den Standorten in Rumänien und Indonesien, wo die Batteriepacks zusammengebaut werden.

Als Vartas IT-Abteilung den Angriff in der Nacht auf Dienstag entdeckte, schaltete sie sofort die Systeme ab, um einen größeren Schaden zu vermeiden. Wie groß der Schaden tatsächlich ist, das versuchen sie nun in einer zügig einberufenen Task Force gemeinsam mit externen IT-Sicherheitsspezialisten in Ellwangen herauszufinden. Wer ist ins Netz eingedrungen und warum? Und vor allem: Wie lange dauert es, bis Varta seine Batterien wieder wie gewohnt herstellen kann? Fragen, die das Krisenteam, dem auch IT-Forensiker angehören, nun beantworten muss.

In der Zwischenzeit ist an normales Geschäft bei der Firma, deren Batterien mit dem gelben Dreieck man in jedem Supermarkt kaufen kann, nicht zu denken. Ein Sprecher, den man schließlich übers Mobiltelefon erreicht, sagt, gerade werde geprüft, ob Varta fertige Aufträge, die die Maschinen in den Produktionswerken schon erhalten haben, ohne Softwareverbindung abarbeiten kann. Wer in der Verwaltung tätig ist, arbeitet gehandicapt von zu Hause aus. Viele können intern zwar kommunizieren, aber nicht über das systemgebundene Festnetz telefonieren, eingehende Mails werden nicht zugestellt, selbst versandte, etwa an Kunden, kommen aber an. Nicht jeder Mitarbeiter ist gleichermaßen betroffen.

Varta war schon vorher in Schwierigkeiten

Eins ist sicher: Der Cyberangriff wird den traditionsreichen Batteriekonzern viel Geld kosten, vor allem wegen liegenbleibender Aufträge. Und das in einer Zeit, in der die Ellwanger sowieso arg zu kämpfen haben. Vorbei sind die goldenen Zeiten, als vor allem wegen des Exklusivvertrags für Mikrobatterien in Apple-Airpods die Umsätze stiegen und stiegen. Vor rund zwei Jahren holte Apple andere Batteriehersteller für seine Bluetooth-Kopfhörer dazu - und sofort rutschte Varta in die roten Zahlen. Zur gesunkenen Nachfrage kamen unstete Lieferketten für Rohstoffe wie Lithium, die außerdem teurer wurden, genauso wie die Energie. 2022 stoppte Varta Pläne für eine Riesenfabrik für Autobatterien - zu teuer. Die Geschäftsführung restrukturierte, optimierte die Supply Chain und strich im vergangenen Jahr 800 von weltweit 5000 Stellen.

Im dritten Quartal 2023 stieg dann der Umsatz. Für die Ganzjahresbilanz, die Ende März erwartet wird, erhoffen sich die Aktionäre des SDax-Unternehmens bessere Nachrichten als die von Dienstag, als Varta ad hoc vermeldete: Hackern haben uns angegriffen.

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