Ernährung Nestlé will Lebensmittel besser kennzeichnen - Klöckner zögert

Will statt der klassischen Lebensmittel-Ampel ein eigenes Modell für Deutschland entwickeln: Ernährungsministerin Julia Klöckner.

(Foto: Lisa Ducret/dpa)
  • Nestlé möchte den Gehalt von Zucker, Salz und Fett besser auf seinen Produkten sichtbar machen.
  • Der Konzern würde dafür gern die Nutri-Score-Skala nutzen, die bereits in Frankreich, Belgien oder der Schweiz etabliert ist.
  • Ernährungsministerin Klöckner lehnt diese jedoch strikt ab - und das Verfahren für eine bessere Kennzeichnung zieht sich hin.
Von Silvia Liebrich

Groß war das Unverständnis, als Ernährungsministerin Julia Klöckner vor Kurzem die Nähe zum Lebensmittelkonzern Nestlé suchte. Ein Video mit Deutschland-Chef Mark-Aurel Boersch zum Thema Zucker trug ihr den Vorwurf der Schleichwerbung ein. Kritik kommt nun auch von Nestlé selbst. Der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt wirft der CDU-Politikerin vor, sie blockiere eine verbraucherfreundliche Kennzeichnung von Lebensmitteln in Deutschland mit der Nutri-Score-Skala. Das Unternehmen hatte zuvor angekündigt, dass es die Nährwert-Ampel künftig auf seine Produkte in Europa drucken will. "Dieser Schritt spiegelt den Wunsch von Nestlé wider, gesündere und fundiertere Verbraucherentscheidungen zu fördern", heißt es.

Doch was in Ländern wie Frankreich, Belgien oder der Schweiz kein Problem ist, weil die dortigen Behörden Nutri-Score unterstützen, scheitert in Deutschland derzeit an Gesetzen und Politik. Im Frühjahr erst hatte eine Gericht der Tiefkühlkostfirma Iglo untersagt, das Logo für seine Produkte zu nutzen. Die Kennzeichnung sei wettbewerbsrechtlich nicht zulässig, so die Begründung. Der BLL, Branchenverband der deutschen Lebensmittelindustrie, lehnt das Zeichen ab, Ernährungsministerin Klöckner ebenfalls. Sie will in den nächsten Monaten ein eigenes Modell für Deutschland entwickeln, auf Basis einer Verbraucherumfrage, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt werden soll.

Nestlé drängt dagegen auf ein möglichst schnelle Freigabe von Nutri-Score hierzulande. In diesem Fall werde Nestlé Deutschland ebenfalls unverzüglich mit der Umsetzung beginnen. "Die Europäer sind immer interessierter daran, was in den Lebensmitteln und Getränken enthalten ist, die sie konsumieren", sagte Marco Settembri, Chef von Nestlé für Europa, den Mittleren Osten und Nordafrika.

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Verbraucher klagen immer wieder über unverständliche Angaben auf Verpackungen und wünschen sich mehr Transparenz. Doch der Streit um leicht verständliche Inhaltsangaben auf Verpackungen zieht sich seit Jahren hin. Nachdem die verbindliche, EU-weite Einführung einer Lebensmittel-Ampel vor ein paar Jahren am Widerstand der Herstellerverbände scheiterte, wurde in Frankreich von Wissenschaftlern das Nutri-Score-System auf freiwilliger Basis entwickelt. Auch Verbraucherschützer und Gesundheitsexperten unterstützen die Kennzeichnung, die neben dem Gehalt von Zucker, Salz und Fett auch Ballaststoffe und Proteine besonders hervorhebt. Konzerne wie Danone und andere drucken das Logo in einigen EU-Ländern schon länger auf ihre Verpackungen. Nun zieht Nestlé nach, und das dürfte auch in Deutschland Signalwirkung für die Branche haben.

Foodwatch unterstützt die Initiative von Nestlé. Aus Sicht der Verbraucherorganisation geht das Verfahren für eine bessere Kennzeichnung in Deutschland zu langsam. Nutri-Score sei wissenschaftlich abgesichert und praxiserprobt, trotzdem werde es abgelehnt. "Frau Klöckner betreibt Verbraucherschutz-Verhinderungspolitik", so Foodwatch-Expertin Luise Molling. Das Ernährungsministerium selbst äußerte sich am Mittwoch nicht direkt zu der Forderung von Nestlé. Es sei jedoch richtig und wichtig, "dass sich Unternehmen jetzt immer mehr bei der Kennzeichnungsfrage bewegen", hieß es dort. Ob sich in Deutschland nun Nutri-Score oder ein anderes System durchsetzen wird, soll nach dem Wunsch der Verbraucherminister der Länder bis spätestens Ende des Jahres feststehen.

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