Siegel-Überblick:Besser zertifiziert

Frische Zitronen: Unbehandelt heißt nicht unbedingt unbehandelt

Doch es gibt immer mehr Öko-Siegel. Für Verbraucher ist es schwer, den Überblick zu behalten.

(Foto: Daniel Karmann/dpa-tmn)

Es gibt immer mehr Nachhaltigkeits- und Biosiegel, die für mehr Transparenz sorgen sollen. Doch die Standards unterscheiden sich stark. Ein Überblick.

Von Marcel Grzanna

Zertifikate und Siegel sollen Vertrauen in Konsumgüter, vor allem Lebensmittel, schaffen. Ihre Zahl hat in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. Sie sollen Produkte unabhängig bewerten. Je nach Ausrichtung stehen dabei der Grad des ökologischen Anbaus, der faire Handel, der nachhaltige Fischfang oder die Art der Tierhaltung im Fokus. Nicht alle Siegel legen dabei die gleichen Standards an. Zwar ist ein Siegel, das gewisse Kriterien belegt, besser als gar keines. Aber als Verbraucher kann man schnell den Überblick verlieren.

Für jene Produzenten, die höchste Standards erfüllen, kann das zudem ein teures Ärgernis sein, weil ihre Erzeugnisse auf dem Markt mit Angeboten im Wettbewerb stehen, die ihren Ansprüchen nicht genügen. Der Bier- und Erfrischungsgetränkehersteller Lammsbräu zum Beispiel war juristisch gegen den Lebensmittelriesen Danone vorgegangen, weil der eines seiner Mineralwasser mit dem Begriff "Bio" geschmückt hatte. Das verantwortliche Institut würde die Zertifizierung an seine Kunden anpassen, lautete der Vorwurf von Lammsbräu.

In erster Instanz verloren die Oberpfälzer, aber das Oberlandesgericht Frankfurt prüfte das Urteil und kam im April dieses Jahres zum gegenteiligen Schluss. Unter anderem darf Danone sein Mineralwasser nicht mehr als Mineralwasser in Bio-Qualität oder gar "Premiummineralwasser in Bio-Qualität" bezeichnen.

Besonders für mittelständische Unternehmen wird eine nachhaltige Lebensmittelproduktion immer attraktiver, weil Banken zunehmend bessere Finanzierungsmöglichkeiten bieten. Die Banken stehen einerseits unter genauerer Beobachtung von Investoren, denen Nachhaltigkeit wichtig ist. Andererseits müssen sie fürchten, dass künftige staatliche Regulierungen die Lukrativität von weniger nachhaltigen Geschäftsmodellen schmälern. Dementsprechend balancieren sie ihre Kreditvergabe aus und entwickeln größere Bereitschaft, nachhaltige Unternehmen stärker zu fördern.

Eier in einem Bio-Supermarkt in Gröbenzell, 2013

Eier aus dem Bio-Supermarkt. Zertifizierte Produkte sind bei Verbrauchern beliebt.

(Foto: Johannes Simon)

Nicht immer sind Siegel ein Garant für nachhaltige Produkte, auch bei gelabelten Produkten sollten Verbraucher kritisch bleiben. Ein Blick auf die Zutatenliste oder die Herkunftsangaben ist in jedem Fall ratsam. Siegel und Logos können jedoch eine Orientierung geben und Verbrauchern bei der Auswahl der Produkte helfen.

Das deutsche Bio-Siegel

Das sechseckige deutsche Bio-Siegel mit hellgrünem Rand besagt, dass Lebensmittel aus mindestens 95 Prozent ökologisch produzierten Rohstoffen bestehen und keine künstlichen Aromen, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker enthalten. Schlachtvieh erhält ausschließlich ökologisches Futter und muss möglichst artgerecht gehalten werden. Antibiotika sind bei der Aufzucht nur in geringem Maße erlaubt. Das EU-Biosiegel erfüllt weitgehend die gleichen Standards.

Bioland, Naturland, Ecovin, Bio Kreis

Noch strengere Maßgaben legen die deutschen Bioverbände bei der Vergabe ihrer Zertifikate an. Dazu zählen unter anderem Bioland, Naturland, Ecovin oder Bio Kreis. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Bund, empfiehlt den Kauf dieser Produkte. Biosiegel von Discountern wie Lidl (Bioness), Real (Real-Bio), Aldi Nord (PrimaBio) oder Rewe (ReweBio) erfüllen geringere Standards.

Haltungsform

Viel Vertrauen bei Konsumenten genießt inzwischen das noch junge Zertifikat Haltungsform, das Anfang 2019 eingeführt wurde. Es ist in vier Stufen unterteilt, wobei Stufe vier die bestmögliche für das Tierwohl darstellt. In einer Forsa-Umfrage hatten 92 Prozent der Konsumenten das Siegel als gut oder sehr gut bezeichnet.

MSC, ASC, Friend of the Sea

Beim Fischfang sollen die Zertifikate MSC, ASC oder Friend of the Sea Klarheit schaffen. Der Naturschutzbund Deutschland gibt allen Siegeln die Note gut, fordert aber Nachbesserungen. Die ASC-Gründung war einst geprägt vom Einfluss vieler Interessengruppen. Heute allerdings ist sie eine unabhängige Organisation. MSC lebt im Wesentlichen von Zertifizierungsgebühren, kritisiert unter anderem die Umweltorganisation Greenpeace. Dennoch gelten die Siegel als Schritte in die richtige Richtung. Noch größere Transparenz beim Fischkauf schafft dagegen die Naturland-Zertifizierung.

Naturland Fair, Rapunzel Naturkost, Demeter, Bioland

Höchste Ansprüche erfüllt auch das Siegel Naturland Fair, das Nachhaltigkeit und fairen Handel vereint. Das gleiche gilt für das Hand-in-Hand-Siegel der Organisation Rapunzel Naturkost, die Hunderte sozialer Projekte und Initiativen unterstützt. Auch Demeter zählt seit Jahren zu den strengsten Zertifizierern einer nachhaltigen Landwirtschaft. Sehr gute Kritiken mit wenigen Abstrichen bekommt auch Bioland.

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