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Corona-Pandemie:IWF rechnet mit dramatischen Folgen für Weltkonjunktur

IWF erwartet wegen Coronavirus eine globale Rezession

Hafen ohne Schiffe: Hochgeklappte Containerbrückenkränen in Hamburg

(Foto: Axel Heimken/dpa)

Im kommenden Jahr werden laut IWF-Prognose neun Billionen Dollar an Wirtschaftsleistung fehlen - eine rasche Erholung ist nicht in Sicht.

Von Claus Hulverscheidt

Die Corona-Pandemie wird die Weltwirtschaft noch tiefer in die Rezession stürzen als ohnehin befürchtet. Davon zumindest geht der Internationale Währungsfonds (IWF) aus, der am Mittwoch in Washington eine aktualisierte Konjunkturprognose vorlegte. Dem Bericht zufolge dürfte die globale Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 4,9 Prozent schrumpfen, bevor sie 2021 - von dann niedrigerem Niveau - wieder um 5,4 Prozent wächst. Die Welt erlebe "eine Krise, wie es sie noch nicht gegeben hat", erklärten die Ökonomen. Auch die anschließende konjunkturelle Erholung dürfte langsamer vonstattengehen als erhofft.

Dass die Aussichten nicht noch schlechter sind, ist aus IWF-Sicht allein den strengen Beschränkungen des öffentlichen Lebens geschuldet, mit denen viele Länder die Pandemie vorerst eingedämmt haben. Für Deutschland sagen die Experten einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 7,8 Prozent voraus - das wäre der stärkste Einbruch seit Kriegsende und noch einmal deutlich weniger, als etwa die sogenannten Wirtschaftsweisen erwarten. 2021 könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wieder um 5,4 Prozent zulegen. Damit stünde die Bundesrepublik trotz des Absturzes immer noch besser da als etwa die USA, Frankreich, Italien und Spanien. Das einzige große Land, das auch 2020 leicht wachsen dürfte, ist China. Grund ist, dass sich das Virus dort früher verbreitet hatte und viele Restriktionen bereits im April wieder aufgehoben werden konnten.

Weltweit dürfte der BIP-Zuwachs 2021 um gut sechs Prozentpunkte geringer ausfallen als unmittelbar vor Ausbruch der Corona-Krise erwartet. Das klingt nach einer gar nicht so hohen Zahl, bedeutet aber, dass im kommenden Jahr im Vergleich zur Januar-Schätzung des IWF neun Billionen Dollar an Wirtschaftsleistung fehlen werden. Das hat gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die Steuereinnahmen und die Unternehmensbilanzen. Besonders betroffen sind dabei Geringverdiener, Frauen und Menschen in Entwicklungsländern. "Die beträchtlichen Fortschritte, die es seit den 90er-Jahren bei der Bekämpfung extremer Armut gegeben hat, sind in Gefahr", so der IWF.

Um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zumindest zu begrenzen, ist aus Sicht der Ökonomen eine enge internationale Zusammenarbeit notwendig - also gewissermaßen das Gegenteil dessen, was derzeit etwa zwischen den USA und China oder zwischen Washington und Brüssel stattfindet. Wichtig sei vor allem, die notwendige Konjunkturerholung nicht durch Handels- oder Technologiestreitereien zusätzlich zu gefährden. Darüber hinaus müssten die Industriestaaten Entwicklungsländer finanziell unterstützen, die nicht in der Lage seien, ihre Bürger bestmöglich gegen die Pandemie zu schützen.

Lob verteilten die Experten an die großen Notenbanken und viele Regierungen, die mit ihren Hilfspaketen einen noch stärkeren Konjunktureinbruch verhindert hätten. Erwähnt werden auch Kurzarbeiterprogramme wie in Deutschland, die Millionen Menschen vor der Arbeitslosigkeit bewahrt hätten.

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© SZ vom 25.06.2020
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