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Euro-Zone nach dem Referendum:Ein Schuldenerlass - aber erst am Ende

Gleichzeitig muss die EU Tausende Finanzbeamte, Steuerfahnder, Betriebsprüfer und Verwaltungsfachleute nach Griechenland entsenden, die gemeinsam mit ihren dortigen Kollegen eine funktionierende Steuerverwaltung, ein Katasterwesen und andere wichtige Behörden aufbauen.

Parallel dazu sollte die Europäische Zentralbank (EZB) die direkte Aufsicht über die griechischen Kreditinstitute übernehmen und die Branche durch Schließungen und Fusionen auf gesunde Füße stellen. Nur dann ist eine weitere Finanzierung der Geldhäuser juristisch tragbar.

Unabhängig vom konkreten Fall müssen zudem Verhandlungen über ein Insolvenzsystem für Staaten beginnen. Ziel ist, die erratische Hauruckpolitik heutiger Prägung im nächsten Krisenfall durch ein geordnetes Verfahren zu ersetzen.

Griechenlands Tatenliste

Das sind die Dinge, die die Kreditgeber angehen müssen. Doch auch auf die griechische Regierung, die jegliches Vertrauen in Europa zerstört hat, kommen neue Aufgaben zu.

Sie muss sich schriftlich dazu verpflichten, keine kostenträchtigen neuen Gesetze zu beschließen, eine sofortige Steuerreform mit Erhöhung des Spitzensteuersatzes anzugehen und einen umfassenden Bürokratieabbau einzuleiten. Dabei sollte künftig gelten: Alle kleineren Vorhaben, über die nicht binnen vier Wochen entschieden ist, gelten automatisch als genehmigt.

Sollte die Regierung alle notwendigen Strukturreformen umsetzen, ohne die das Land ob mit oder ohne Euro keine Zukunft hat, steht ganz am Ende des Programms ein Teilschuldenerlass.

Am Ende wohlgemerkt, nicht am Anfang, denn das Anrecht auf Vorschusslorbeeren haben die Griechen ein für allemal verwirkt. Das Versprechen, dass die Schuldenquote ganz zum Schluss auf ein handhabbares Niveau gesenkt wird, böte ihnen hingegen einen starken Anreiz, mit der Sanierung der Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen endlich ernst zu machen.

Merkel und Tsipras wird einiges abverlangt

Ein solcher Kurswechsel würde vor allem Angela Merkel und Alexis Tsipras viel abverlangen. Merkel müsste eingestehen, dass ihre andernorts erfolgreiche Krisenstrategie diesmal versagt hat und ihre Behauptung, die Euro-Rettung werde die Deutschen nichts kosten, von Beginn an mindestens verwegen war.

Tsipras wiederum müsste endlich kapieren, dass ihn die Griechen zu ihrem Ministerpräsidenten gewählt haben - und nicht zum Messias, der ganz Europa bekehren soll.

In beiden Fällen darf man bezweifeln, dass die Beteiligten zu so viel Einsicht in der Lage sind.

© Süddeutsche.de/joku/dd
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