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Condor:Der Staat muss helfen

Flugzeuge der Lufthansa und Condor geparkt auf dem Flughafen Düsseldorf.

(Foto: AFP)

Die Corona-Krise könnte für den Ferienflieger Condor etwas Gutes haben. Nachdem dem gescheiterten Verkauf an die polnische Staatsholding PGL, verhandelt Condor über Staatshilfen, die sie langfristig retten können

Von Jens Flottau

Laut Plan A hätte die polnische Staatsholding PGL vor einigen Tagen die Ferienfluggesellschaft Condor übernehmen sollen, sie hatte dazu im Januar einen bindenden Vertrag unterschrieben. Und Condor hätte mit Hilfe von PGL in dieser Woche einen Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro zurückzahlen sollen, der das Unternehmen seit der Pleite ihres Eigentümers Thomas Cook in der Luft gehalten hat. Dann kam Covid-19. PGL ist am Montag offiziell abgesprungen und Condor muss auf andere Weise 380 Millionen Euro auftreiben, die sie natürlich nicht hat.

Absurderweise könnte die Corona-Krise für Condor, wenn alles gut läuft, am Ende sogar etwas Gutes gehabt haben, obwohl kaum eine Branche gerade so sehr leidet wie die Luftfahrt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz versprach, als sich das ganze Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens abzuzeichnen begann, die Bazooka herauszuholen und breitflächig zu helfen.

Unternehmen, die durch Corona existenziell bedroht seien, sollte geholfen werden. Zumal es staatliche Restriktionen bei Reisen sind, die den Kollaps der Luftfahrt verursacht haben. Und Staatshilfe ist Kern von Condors Plan B.

Denn nach den Maßstäben, die die Regierung in dieser Krise und in früheren Fällen angelegt hat, muss sie Condor helfen. Der große Reisekonzern Tui, zu dem Condor-Konkurrent Tuifly gehört, hat schon Zusagen für Kreditbürgschaften in Höhe von 1,8 Milliarden Euro erhalten. Lufthansa wird auch Staatshilfen bekommen, auch wenn der Konzern und Berlin noch die Bedingungen verhandeln. Wahrscheinlich wird es für Lufthansa sogar eine Staatsbeteiligung geben, zusätzlich Bürgschaften für Kredite in Höhe von vielen Milliarden Euro. Es ist sehr schwierig, in dieser Gemengelage eine Begründung dafür zu finden, Condor nicht zu helfen.

Problematisch ist, dass es kein klares Exit-Szenario gibt

Es geht bei den Hilfen laut Bundesregierung explizit nicht darum, zu bewerten, ob die Unternehmen schon vor der Krise in selbst verschuldeten Schwierigkeiten steckten und damit Unterstützung vielleicht weniger verdient hätten. Aber selbst wenn dies das Kriterium wäre, dann hätte der Staat die Frage schon eindeutig beantwortet: Den Überbrückungskredit vom Herbst 2019 hat Condor nur bekommen, weil sie als profitables Unternehmen unverschuldet (durch die Thomas-Cook-Pleite) in Not geraten ist. Und dürfte man sonst der seit Langem defizitären Lufthansa-Tochter Eurowings helfen? Wenn man noch ein wenig weiter zurückgeht, dann hat sogar die schlecht gemanagte Air Berlin im Jahr 2017 einen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro bekommen, obwohl sie nun alles andere als eine positive Fortführungsprognose hatte, sondern bereits insolvent war.

Natürlich hat auch Condor in der aktuellen Lage keine glänzenden Perspektiven. Das liegt an zwei Faktoren - Luftverkehr zu betreiben ist im Moment angesichts staatlicher Reisebeschränkungen praktisch nicht möglich. Zudem hat auch Condor strukturelle Themen zu lösen - vor allem muss sie die veraltete Langstreckenflotte erneuern.

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Die Aussichten der Condor sind also wie folgt: die Bundesregierung löst den alten Kredit mit einem neuen, größeren ab, der den Fortbestand der Firma bis auf Weiteres sichert. Die Airline kann dann das Schutzschirmverfahren beenden und wird entweder zeitweise weiter bei einem Treuhänder geparkt oder verstaatlicht. Irgendwann in den nächsten Monaten läuft der Flugbetrieb wieder an und kehrt im Laufe des Jahres 2021 wieder einigermaßen zur Normalität zurück. Auch die Condor wird dann kleiner sein als 2019.

Problematisch ist aus Sicht des Bundes, dass es kein klares Exit-Szenario gibt. Denn niemand kann wissen, ob es nächstes Jahr wieder Kaufinteressenten für die Airline gibt und zu welchen Bedingungen diese einsteigen würden. Wenn die Bundesregierung Industriepolitik betreiben wollte, könnte sie Condor bei Lufthansa einbringen und dort zum Spezialisten für touristische Fernstrecken machen. In dem Segment ist Lufthansa selbst bislang mit ihrer Tochter Eurowings gescheitert. Und der Konzern wird auch nächstes Jahr noch viel zu viele Langstreckenflugzeuge haben - Condor könnte einige von ihnen gut gebrauchen. Vielleicht aber wird ja tatsächlich das wahr, was viele selbst in der größten Krise prognostizieren: Dass das Geschäftsreisesegment länger leidet, weil Firmen Reisebudgets kürzen und Videokonferenzen auch ganz gut funktionieren, dass aber nach Corona das Bedürfnis, in den Urlaub zu fliegen, so stark sein wird wie zuvor. Dann könnten auch noch andere Investoren Interesse haben. Aber erst: Plan B.

© SZ vom 15.04.2020/mxh
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