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BP: Kosten für Ölkatastrophe:Notgroschen Tankstelle

Die Kassen sind klamm: BP muss vielleicht die Tochter Aral verkaufen, um die Kosten der Ölpest zu decken. Das Kartellamt könnte allerdings Ärger machen.

Investoren aus dem Ausland haben längst ein Auge auf den deutschen Mineralölmarkt geworfen. Die Schwierigkeiten des britischen Ölkonzerns BP dürften da dem ein oder anderen gerade recht kommen, um endlich Fuß zu fassen auf diesem hart umkämpften Markt. Denn je länger die Krise im Golf von Mexiko dauert, umso mehr gerät BP unter Druck, Teile seines Geschäfts zu verkaufen, um mit dem Geld für die Kosten der Ölkatastrophe aufzukommen.

Firmenzentrale BP/Aral

Wenn die Kosten für die Ölpest am Golf von Mexiko weiter steigen, muss sich BP vielleicht bald von seiner Tankstellen-Tochter Aral trennen.

(Foto: ag.dpa)

Zwar ist der Konzern in Deutschland nicht an der Ausbeutung von Ölfeldern, etwa vor der Nordseeküste beteiligt. Doch mit gut 2400 Aral-Stationen sind die Briten Marktführer auf dem nationalen Tankstellenmarkt. Auch im Raffineriegeschäft gilt das Unternehmen als einer der großen Anbieter. Beide Sparten gelten in der Krise als mögliche Verkaufsobjekte.

Experten halten einen Verkauf der Aral-Sparte durchaus für möglich. "Das wäre ein intelligenter Schachzug", sagte ein Vermögensverwalter, der nicht genannt werden wollte. Er bezeichnete einen Verkauf des Tankstellennetzes zu diesem Zeitpunkt als elegante Lösung für BP, um sich aus einem ohnehin schrumpfenden Markt zurückzuziehen.

Tatsächlich geht der Absatz von Benzin und Diesel in Deutschland seit mehr als zehn Jahren zurück. Doch BP meldete erst vor wenigen Tagen im Deutschlandgeschäft einen Gewinnanstieg für 2009, während der Umsatz zurückging.

Interesse aus Russland und China

Ein Käufer dürfte jedoch nicht so einfach zu finden sein, denn das Bundeskartellamt hat hohe Zutrittsbarrieren errichtet. Die BP-Konkurrenten Esso, Shell, Total oder ConocoPhillips kämen deshalb wohl nicht zum Zug, weil den fünf führenden Tankstellenbetreibern eine marktbeherrschende Stellung im Sinne eines Oligopols unterstellt wird, wie ein Sprecher der Wettbewerbsbehörde betonte. In Frage kämen jedoch Interessenten aus Russland oder China oder auch kleinere internationale Mineralölkonzerne.

Auch das Raffineriegeschäft von BP könnte abgespalten werden. So wird etwa dem russischen Ölkonzern Rosneft schon seit längerem ein großes Interesse an deutschen Ölverarbeitungsanlagen nachgesagt. Insgesamt sind die Briten mit etwa 30 Prozent an fünf großen Raffinerien beteiligt, neben anderen wie Shell, OMV, Conoco Philips, ENI und der venezulanischen PDVSA.

Im Frühjahr hieß es, dass Rosneft Venezuela seinen Anteil an vier großen Anlagen in Deutschland abkaufen wolle. Russland könnte so neben dem Export von Erdgas auch die Ausfuhr von russischem Erdöl nach Mitteleuropa forcieren. Das Geschäft war offenbar auch Thema eines Gesprächs des russischen Präsidenten Wladimir Putin Anfang April mit Venezuelas Staatsoberhaupt Hugo Chavez, das bislang allerdings nicht zu einem Ergebnis führte.

Jetzt wird darüber spekuliert, das Rosneft möglicherweise schneller bei BP zum Zuge kommen könnte. Offiziell hält man sich in Moskau bedeckt, ein Rosneft-Sprecher wiegelte eine entsprechende Anfrage ab.