Asundexian:Bayer-Aktienkurs bricht nach Medikament-Flop ein

Asundexian: So tief wie am Montag notierte die Bayer-Aktie zuletzt zur Zeit der Finanzkrise.

So tief wie am Montag notierte die Bayer-Aktie zuletzt zur Zeit der Finanzkrise.

(Foto: Wolfgang Rattay/Reuters)

Der Pharma- und Chemiekonzern muss überraschend die Entwicklung eines wichtigen Blockbusters abbrechen. Die Aktie rauscht in die Tiefe wie noch nie.

Von Elisabeth Dostert

Die Hoffnung bei Bayer war groß, nun ist es die Enttäuschung umso mehr. Der Flop eines wichtigen neuen Medikaments in der Entwicklung hat zu Wochenbeginn die Aktie des Pharma- und Chemiekonzerns schwer belastet. Am Montag brach der Kurs um fast ein Fünftel ein, am Abend schloss die Aktie bei 34,01 Euro - so niedrig wie zuletzt in der Finanzkrise Anfang 2009. Es ist der größte Einbruch, den Bayer je binnen eines Tages verzeichnete, schlimmer sogar als im Debakel um den Unkrautvernichter Glyphosat. In der Spitze verlor Bayer am Montag etwa 8,5 Milliarden Euro seines Börsenwertes.

Der Grund dafür hat einen Namen: Asundexian. Der Wirkstoff ist ein Gerinnungshemmer und sollte bei Patienten mit Vorhofflimmern und Schlaganfallrisiko eingesetzt werden. Vorab war er als Nachfolger des Medikaments Xarelto gehandelt worden - und sollte wie dieses ein Blockbuster werden. Langfristig erhoffte sich Bayer früheren Angaben zufolge einen Jahresumsatz von in der Spitze mehr als fünf Milliarden Euro. Am Sonntagabend aber hatte Bayer überraschend mitgeteilt, dass eine Phase-III-Studie zur Untersuchung von Asundexian vorzeitig beendet wird. Im Vergleich zur Standardbehandlung zeige sich eine unterlegene Wirksamkeit von Asundexian, hieß es. Nach früheren Angaben sollte Asundexian eigentlich ab 2026 einsatzbereit sein und führte nach ersten Daten zu signifikant niedrigeren Blutungsraten als der Gerinnungshemmer Eliquis der Konkurrenten Bristol-Myers Squibb und Pfizer.

"Das ist ein heftiger Rückschlag für Bayer", kommentierte Markus Manns von der Fondsgesellschaft Union Investment den Flop. Asundexian sei die Perle in Bayers Pharma-Pipeline gewesen, ohne den Wirkstoff stehe die Sparte ohne nachhaltiges Wachstum da. Für Manns ist der Umgang mit Asundexian ist ein weiteres Beispiel für das Versagen des Risikomanagements bei Bayer. "Das Medikament hätte mit einem großen Pharmaunternehmen verpartnert werden müssen", so Manns. Dann hätte ihm zufolge Bayer bedeutende Vorauszahlungen erhalten und sich die Entwicklungskosten teilen können. Ähnlich wie bei der Monsanto-Akquisition habe sich Bayer aber für die "deutlich riskantere Strategie" entschieden. Für Konzernchef Bill Anderson werde der Neuanfang zur "Herkulesaufgabe." Anderson hatte erst Anfang Juni Werner Baumann als Vorstandschef abgelöst.

US-Gericht verhängt hohe Strafen in Glyphosat-Prozess

In den Rechtsstreitigkeiten um den Unkrautvernichter Glyphosat musste Bayer schon am Freitag eine weitere Niederlage einstecken. Ein Geschworenengericht in Jefferson City im US-Bundesstaat Missouri sprach Klägern mehr als 1,5 Milliarden Dollar zu. Valorie Gunther, Jimmy Draeger und Daniel Anderson, die dem Einsatz von Glyphosat ihre Krebserkrankungen zuschreiben, sprachen die Geschworenen insgesamt rund 61 Millionen Dollar Schadenersatz und jeweils eine halbe Milliarde Dollar Strafschadenersatz zu.

Es die vierte Niederlage in Folge, zuvor hatte Bayer neun Verfahren für sich entschieden. Der Konzern will auch gegen dieses Urteil Rechtsmittel einlegen. "Das Urteil wird so keinen Bestand haben", sagte ein Sprecher. Schon allein die Höhe des Strafschadenersatzes verstoße gegen die amerikanische Verfassung. Mit 25:1 sei das Verhältnis von Strafschadenersatz zu Schadenersatz "völlig absurd". Auch in früheren Verfahren war der Strafschadenersatz später deutlich gekürzt worden.

"Im Unterschied zu früheren Verfahren haben die Gerichte in den jüngsten Fällen den Klägern unzulässigerweise erlaubt, die regulatorischen und wissenschaftlichen Fakten falsch darzustellen", so der Bayer-Sprecher. So konnten ihm zufolge die Kläger behaupten, dass es beim Prozess der Wiederzulassung in der EU und der Bewertung durch die amerikanische Umweltbehörde EPA Sicherheitsbedenken gegeben hätte. Erst in der vergangenen Woche hatte die EU-Kommission Glyphosat für weitere zehn Jahre zugelassen.

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