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WM-Affäre:Verfahrenskenner staunen, dass die Fifa einflussreichen Status erhielt

Dass Beckenbauer außen vor bleiben solle, empört die Mitbeschuldigten. Sie verweisen auf jüngere öffentliche Auftritte, die dem Bild widersprächen, dass er verfahrensunfähig sei. In Schweizer Medien kursiert ein Video, wie Beckenbauer Mitte Juli an einer Kanone den Startschuss zum 32. Kaiser-Golfcup in Bayern auslöst. Einige Beschuldigte legten beim Bundesstrafgericht Beschwerde ein gegen die Verfahrensabtrennung. In diesem Kontext gab auch die Fifa ihre Stellungnahme ab. Sie hat sich, wie der DFB, dem Verfahren als Privatkläger angeschlossen; das ermöglicht Einblick in die Ermittlungsakten und die Sicherung eventueller finanzieller Ansprüche. Wobei Verfahrenskenner staunen, dass die Fifa diesen einflussreichen Status erhielt. Das ist nur eine von vielen Fragen zum Verhältnis zwischen BA und Fifa, die bis zu den drei geheim gehaltenen und nicht protokollierten Treffen des BA-Chefs Michael Lauber mit Fifa-Boss Gianni Infantino führen.

Statt darauf zu drängen, dass Beckenbauer Teil des Verfahrens bleibt, schlägt sich die Fifa auf die Seite der BA und begrüßt die Abtrennung wortreich. Nach SZ-Informationen hält sie den anderen Beschuldigten vor, diese würden mit ihren Einsprüchen gegen die Abtrennung versuchen, das Verfahren insgesamt zu verzögern. Und zur Frage von Beckenbauers Vernehmungsfähigkeit führen die Fifa-Anwälte aus, dass es große Unterschiede gebe zwischen Auftritten innerhalb eines Strafprozesses und öffentlichen Auftritten, die Beckenbauer Zeit seines Lebens gewohnt gewesen sei. Schweizer Rechtsexperten verwundert auch die Emotionalität der Stellungnahme. Sogar erkennbare Höflichkeitsformeln eines der anderen Beklagten werden dort inhaltlich gedeutet. Dessen Genesungswünsche an Beckenbauer könnten nur auf Erkenntnissen aus den Attesten beruhen, unterstellen die Fifa-Anwälte, weshalb es widersinnig sei, die dort bescheinigte gesundheitliche Verfassung Beckenbauers anzuzweifeln. Frei nach dem Motto: Wenn ihm schon die anderen Beschuldigten gute Besserung wünschen, dann muss es ihm ja sehr schlecht gehen.

Aus dem Kreis der anderen Beschuldigten - also Niersbach, Zwanziger, Schmidt und Linsi - hingegen kommt die Forderung, dass der Gesundheitszustand Franz Beckenbauers wenigstens von unabhängiger Stelle überprüft werden müsse. Also nicht nur auf der Grundlage von Parteigutachten.

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Die Fifa bestätigt das trübe Bild, dass sie in der Affäre abgibt

Die Fifa antwortete der SZ auf Fragen nach dem Grund ihrer Positionierung nur sehr allgemein: Dass die BA eine Vielzahl von Ermittlungen zum Geschehen um die Fifa unter der alten Spitze führe, dass sie als geschädigte Partei und/oder Kläger interessiert an den Ermittlungsergebnissen sei und sich wünsche, "dass die Personen, die die Organisation und den Fußball beschädigt haben, ordnungsgemäß zur Rechenschaft gezogen werden".

Da ist nur die Frage, wie der seriöse Vortrag zum konkreten Verhalten im Sommermärchen-Komplex passt. Es bestätigt eher das trübe Bild, das die Fifa in der Affäre abgibt. Die damalige Führung unter dem Langzeit-Patron Sepp Blatter war eng dran am Geld-Karussell rund um die deutsche Fußball-WM. Für Blatter und Co. war im Sommer 2002, als Dreyfus' Kredit an Beckenbauer floss, die zentrale Frage, wo und bei wem die Fernsehrechte landen würden. Auch an der Kreditrückzahlung 2005 war die Fifa stark beteiligt: Sie empfing das Geld aus Deutschland und leitete es am selben Tag an Louis-Dreyfus weiter.

Und die neue Führung unter dem seit Februar 2016 amtierenden Gianni Infantino? Die irritiert immerzu. Auch, weil sie nichts tat, um Mohamed bin Hammam, an den die zehn Millionen damals geflossen waren, zum Reden zu bewegen. Katar gibt pikanterweise keine Rechtshilfe - dabei hätte die Fifa ein enormes Druckmittel: Katar ist Gastgeber der nächsten WM 2022.

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