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1:1 des FC Bayern in Nürnberg:Das Pech der Kleinen ist das Glück der Großen

Bundesliga - 1. FC Nurnberg v Bayern Munich

Tim Leibold im Moment seines Elfmeters: Sein Pech verhalf den Bayern zu einem Punkt in Nürnberg.

(Foto: REUTERS)
  • Der 1. FC Nürnberg erlebt beim 1:1 gegen die Bayern die ganze Härte des Fußballs.
  • Obwohl die Franken ein großes Spiel abliefern, fließen zum Schluss Tränen.
  • Beim FC Bayern herrscht Ärger über die eigene Leistung.

Von Sebastian Fischer, Nürnberg

Als die Protagonisten des Abends besungen wurden, waren die Spieler des FC Bayern schon verschwunden. "Eff-zeh-enn! Liebe, Glaube, Leidenschaft", sangen die Anhänger des 1. FC Nürnberg, es ist ein kitschiges Fan-Lied der schöneren Sorte, es hallte laut durchs Stadion. All die berühmten Münchner Fußballer, die am Sonntagabend in Nürnberg den wohl vorentscheidenden Sieg zur Meisterschaft hätten einfahren können - sie hatten nur 1:1 beim Tabellenvorletzten gespielt, sie saßen schon in der Kabine. Stattdessen waren die Nürnberger noch da, alle.

Der mit den Tränen kämpfende Tim Leibold, der aus der Nase blutende Patrick Erras, der müde gedribbelte Matheus Pereira, der tapfere Torwart Christian Mathenia, der doch eigentlich nicht schon wieder absteigen will. Minutenlang standen sie da und hörten zu.

Der FC Bayern, das sind die Fakten, dürfte nach dem 31. Bundesliga-Spieltag immer noch zum siebten Mal nacheinander deutscher Meister werden, das ist nun noch wahrscheinlicher geworden. Nach der Niederlage des einzigen Verfolgers Borussia Dortmund gegen Schalke 04 haben die Münchner mit dem Remis einen Punkt Vorsprung gewonnen. "Wir müssen sieben Punkte holen, um Meister werden", sagte Mats Hummels nach dem Spiel, und tatsächlich reicht nun bei zwei Punkten Vorsprung und dem klar besseren Torverhältnis auch ein Unentschieden bei der schwierigen Partie in Leipzig in zwei Wochen.

Doch jenseits der Fakten wird man sich vielleicht auch noch an die Bilder erinnern, an von kämpfenden Nürnbergern beinahe geschlagene Bayern, sollten sie in drei Wochen die Schale überreicht bekommen. Die letzten Zweifel, dass der Rekordmeister in diesem Jahr die beste deutsche Fußballmannschaft stellt, hat der Sonntagabend nicht beseitigen können. Er hat eher ein paar gesät. Und er hat ein paar tragische Helden hervorgebracht.

Die Geschichte eines dramatischen Spiels, das vor allem vom Kampf der Nürnberger um den Verbleib in der Liga lebte, erreichte ihren Höhepunkt kurz vor Schluss, in der ersten Minute der Nachspielzeit. Da stand der Nürnberger Verteidiger Leibold am Elfmeterpunkt, und er hätte das wohl überraschendste Ergebnis dieser Saison perfekt machen können. Leibold, 25, spielt seine erste Bundesligasaison, er war mit 20 noch Oberligaspieler. Nun konnte er den großen FC Bayern besiegen und den Rückstand auf den Relegationsplatz 16 auf drei Punkte verkürzen. Doch Leibold schoss den Ball an den Innenpfosten. Es war bereits der vierte vergebene Strafstoß seiner Mannschaft in dieser Saison. Das Pech der Kleinen war das Glück der Großen.

Bayern-Trainer Niko Kovac kam nach der Partie mit schlechter Laune zur Pressekonferenz, in der er das schwache Spiel seiner Mannschaft erklären musste. Er sprach vom "Abhaken", äußerte seine Unzufriedenheit mit der Leistung der Mannschaft, doch führte auch eine Reihe vermeintlicher Erklärungen an. "In erster Linie lag's an Nürnberg", sagte er. Vor dem Gegner, der seit dem Wechsel zu Interimstrainer Boris Schommers wieder ein unangenehmer ist, hatte Kovac gewarnt. Das mühsam gewonnene DFB-Pokalhalbfinale gegen Bremen am Mittwoch habe die Mannschaft ermüdet. Und außerdem könne es in der Schlussphase einer Saison halt mal passieren, dass Ergebnisse eintreffen, mit denen man nicht rechnet.

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