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Duelle Nürnberg vs FC Bayern:Allmächd, ein Phantomtor!

Club gegen FCB - an diesem Sonntag ist Bayern gespalten. Das Derby brachte stets Verwunderliches hervor: einen Fünf-Tore-Mann, blutige Treffer und einen Moment, der alles in Frage stellte.

Von Jonas Beckenkamp

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1. FC Nuernberg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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1. FC Nürnberg - FC Bayern 1:1 (28. April 2019)

Welch eine Dramatik wieder einmal: Der 1. FC Nürnberg zeigte gegen die Bayern einmal mehr, was er für ein Verein ist. Nunja, die Nürnberger mögen es eben gerne aufregend und so war auch das 1:1 gegen die Bayern ein ziemliches Spektakel. Der Club spielte stark, ging durch Matheus Pereira in Führung, die Bayern wankten, doch dann traf Serge Gnabry zum Ausgleich per Kullerball. In der Nachspielzeit dann Handelfmeter für den Club - doch Tim Leibold schoss ihn an den Pfosten. Und Kingsley Coman vergab im Gegenzug das 2:1 für die Bayern. Es war wie immer in Nürnberg: Ein Wahnsinn.

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Quelle: imago sportfotodienst

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1. FC Nürnberg - FC Bayern München 7:3 (2. Dezember 1967)

Die Geschichte bayerisch-fränkischer Duelle reicht weit zurück - und zwar so lange zurück, dass die Kräfteverhältnisse noch völlig anders waren. Es gibt sogar Zeugnisse aus Zeiten, als der 1. FC Nürnberg noch eindeutig besser war als der südliche Rivale vom FC Bayern. Es waren jene Tage, als Franz Brungs, Trainer Max Merkel und Georg Volkert (von links) den bis heute letzten Meister-Titel des Clubs feierten. Das war 1968.

Die Saison lief für den FCN überragend - ein 7:3 vor 65.000 Zuschauern im Frankenstadion gegen den FC Bayern stach besonders heraus. Brungs schaffte das Kunststück, an diesem legendären Tag fünf Treffer zu erzielen, drei davon zwischen der 50. und 62. Spielminute. 0:6 stand es gar aus Bayern-Sicht, bevor sie durch Gerd Müller und zweimal Dieter Brenninger zumindest noch auf 3:7 heran kamen. Es sollte für einige Zeit die letzte große Demütigung der Münchner sein.

Hoeneß Turban, Nürnberg gegen Bayern

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FC Bayern München - 1. FC Nürnberg 4:2 (1. Mai 1982)

Frankfurter Waldstadion, DFB-Pokalfinale 1982. Zur Halbzeit führte der FCN gegen Bayern mit 2:0, am Ende gewannen die Münchner dieses dramatische Endspiel mit 4:2. Was von dieser Partie am nachhaltigsten in Erinnerung blieb, war jedoch nicht das Ergebnis. Es waren auch nicht Karl-Heinz Rummenigge, Wolfgang Kraus und Paul Breitner, die das Spiel drehten.

Zu historischer Bedeutung gelangten an diesem Tag ein "Turban" und dessen Träger, Dieter Hoeneß: Der Bayern-Stürmer erlitt in der ersten Hälfte nach einem Crash mit dem Nürnberger Alois Reinhardt eine Platzwunde am Kopf, spielte aber noch fast eine Stunde weiter - mit einem hollywoodreifen Verband, der an große Kampfeslust erinnerte. Als Hoeneß in der 89. Minute mit seinem "Turban-Kopf" dann auch noch den 4:2-Endstand erzielte, staunte nicht nur "Club"-Torhüter Rudi Kargus. "Für diesen Einsatz hat sich Dieter das Eiserne Kreuz verdient", sagte der von Hoeneß' Einsatzfreude begeisterte Bayern-Präsident Willi O. Hoffmann nach dem Spiel.

Bayern Nürnberg

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1. FC Nürnberg - FC Bayern München 2:0 (6. November 1993)

Die Geschichte dieses Spiels hatte natürlich mit Club-Trainer Willi Entenmann zu tun. Die Partie hatte nicht einmal angefangen, da deutete sich Unheil für den damaligen Nürnberger Coach an. "Um 15.10 Uhr kam ein Journalist auf mich zu und sagte, der Präsident hätte oben im Vip-Raum verkündet, dass ich nach dem Spiel entlassen werde", erinnerte sich Entenmann später: "Mein Gedanke war: wenn ich jemals noch ein Spiel gewinnen sollte, dann bitte heute."

Seine Spieler taten ihm den Gefallen: André Golke traf in der ersten Halbzeit, Hans-Jörg Criens nach 50 Minuten sogar mit der Hacke. Ganz Nürnberg taumelte vor Freude. Der Club, dieser ewige Depp, gewann gegen die übermächtigen Bayern, Entenmann sprang mit Klamotten unter die Dusche - und FCN-Präsident Gerhard Voack hielt Wort: Zwei Tage später musste Entenmann gehen. Nach einem Sieg gegen Bayern. Allmächd!

Bayern Nürnberg

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FC Bayern München - 1. FC Nürnberg 2:1 (23. April 1994)

Diesen Makel wird Thomas Helmer wohl nie wieder los: Den Ruf der Unehrlichkeit. Er hat nichts gesagt, obwohl ein Wort seinerseits eine der kuriosesten Geschichten der Bundesliga hätte auflösen können. Es lief die 26. Minute im Olympiastadion, als der Bayern-Verteidiger knapp vor der Nürnberger Torauslinie nach dem Ball trat, ihn jedoch nur leicht touchierte und mit ansehen musste, wie er links am Tor vorbei ins Aus rollte. Chance vertan - dachten alle. Als Einziger im Stadion hatte Linienrichter Jablonski ein Tor gesehen und signalisierte dies dem Referee Osmers. Weit vor den Zeiten des Video-Refereeing galt noch die Tatsachenentscheidung.

Manfred Schwabl, damals im Trikot der Nürnberger, erinnert sich: "Ich trabte zur Torauslinie, um mich für den Abstoß vorzubereiten. Doch plötzlich brach auf den Rängen Jubel aus. Der Schiedsrichter rannte zur Mittelinie. Helmer ließ sich von seinen Mitspielern feiern. Perplex schaute ich meine Teamkollegen an. Wir konnten das alle gar nicht glauben, rannten zum Schiedsrichter. Doch Osmers vertraute ganz und gar seinem Linienrichter, der von draußen Tor gewunken hatte. Wie er als einziger im Stadion darauf gekommen war, bleibt mir schleierhaft."

Bayern Nürnberg

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Die Tragik ging für die Nürnberger weiter. Sie brauchten im Abstiegskampf unbedingt Punkte, ein Remis im Olympiastadion hätte ihnen durchaus geholfen. Und dann, tatsächlich: Helmer foulte kurz vor Schluss Christian Wück im Strafraum, es stand 1:2, der FCN bekam Elfmeter. Schwabl erzählte später: "Der ganzen Mannschaft war schon während des Spiels klar, wir würden Protest einlegen, so etwas Unglaubliches hatten wir noch nie erlebt. Es musste einfach ein Wiederholungsspiel geben. Das wäre jedoch gar nicht nötig gewesen, hätte ich kurz vor Schluss einen Elfer rein gemacht."

Doch Schwabl vergab gegen FCB-Keeper Aumann (im Bild), der "Club" verlor, legte Protest ein, bekam Recht: Die Partie wurde erneut angesetzt, Nürnberg verlor das Wiederholungsspiel 0:5, stieg am Ende wegen des schlechteren Torverhältnisses ab.

Bayern Nürnberg

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FC Bayern München - 1. FC Nürnberg 8:7 n.E. (28.10.2003)

Auch das gab es bei Spielen zwischen Bayern und Nürnberg: Ein zünftiges Elferdrama. Dienstagabend, zweite Runde des DFB-Pokals, Münchner Olympiastadion: Nur 24.000 Zuschauer fanden sich diesmal zum Derby ein. Immerhin: Sie sahen ein torreiches Finale einer Partie mit Spannung. Die Nürnberger Führung durch Robert Vittek (11. Minute) glich Roy Maakay (36.) aus, dann passierte lange Zeit nichts mehr.

Es kam zum Elfmeterschießen, das Bayern-Torwart Oliver Kahn (im Bild) so mitnahm, dass er anschließend geschafft den Rasen verließ. 18 Spieler mussten vom Punkt antreten, fünf von ihnen verschossen: auf Seite der Bayern Jens Jeremies und Michael Ballack, für Nürnberg Lars Müller, Andreas Wolf und Marek Nikl. Bayerns Robert Kovac wurde schließlich die Ehre zuteil, den entscheidenden Elfer zu schießen. Kovac verwandelte - die Bayern scheiterten dennoch im Viertelfinale an Alemannia Aachen.

Roy Maakay

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FC Bayern München - 1. FC Nürnberg 6:3 (14. Mai 2005)

Viele Treffer gab es dann gleich noch einmal - im Mittelpunkt diesmal: Der Niederländer Roy Maakay (links im Bild). Bayerns Stürmer hat in seinen Jahren in München viele große Spiele hingelegt. Nicht umsonst katapultierte er sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der besten und beliebtesten ausländischen Stürmer, die je beim FC Bayern kickten.

Eine seiner besten Partien gelang ihm an einem hinstorischen Tag: dem letzten Spiel der Bayern im alten Olympiastadion. Die ersten beiden Münchner Tore legte Maakay für Claudio Pizarro und Ballack auf, die beiden folgenden Treffer gelangen ihm selbst. Zur Pause führten die Bayern bereits 5:0, am Ende stand es 6:3 (zwei Nürnberger Tore schoss ein gewisser Samuel Slovak). Irgendwie passend, dass die Bayern an diesem Tag auch ihre 19. Meisterschaft perfekt machten.

1. FC Nürnberg - FC Bayern München

Quelle: dpa

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1. FC Nürnberg - FC Bayern München 3:0 (2. Februar 2007)

13 Jahre nach dem Phantomtor erlebte diesmal die Nürnberger Arena ein Spiel für generationenübergreifende Erzählungen. Es war ein fränkischer Feiertag, während die Münchner es kaum fassen konnten: 0:3. Null. Zu. drei. Beim Club! Für den FC Bayern fügte sich die Klatsche ins Bild einer enttäuschenden Saison: Sie beendeten die Spielzeit unter Trainer Ottmar Hitzfeld auf Platz vier, daran konnte auch der zwischenzeitliche Trainerwechsel von Felix Magath zum ewigen General im Trenchcoat nichts ändern.

Nürnberg hingegen spielte sich in einen Rausch - und einzig Bayern-Keeper Kahn schien tatsächlich etwas gegen die Niederlage unternehmen zu wollen. Er verhinderte bereits in der ersten Minute den Rückstand, rettete nach zehn Minuten noch einmal, war erst nach 13 Minuten gegen Ivan Saenko chancenlos. Die Arena erlebte eine selten dagewesene Ekstase, der Nürnberger Radiokommentator Matthias Zeck flippte völlig aus - und die Frankenfreude war grenzenlos: Nach 70 Minuten erhöhte Markus Schroth, ehe Robert Vittek (rechts im Bild) zum Endstand traf. Und der neue, alte Trainer Ottmar Hitzfeld? Der revidierte gleich nach dem Spiel das Saisonziel. Die Meisterschaft war abgehakt, sie ging an Stuttgart - und der Club wurde starker Sechster.

FC Bayern Muenchen v 1. FC Nuernberg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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FC Bayern München - 1. FC Nürnberg 3:0 (14. November 2010)

Es war der 12. Spieltag der Saison 2010/11, die Bayern dominierten und eigentlich lief alles wie erwartet. Hochüberlegene Bayern, ein ängstlicher FCN, Tore als Konsequenz. Mario Gomez (im Bild, traf doppelt) und Philipp Lahm (traf per Elfmeter) schossen ein klares Ergebnis heraus. Doch die Geschichte des Spiels war eine andere: Es war der Tag der großen Privatfehde zwischen Javier Pinola und Bastian Schweinsteiger.

Bereits in der ersten Halbzeit kriegten sich der Club-Verteidiger mit dem Hang zum Groben und Bayerns Nationalspieler bei einem Freistoß in die Haare - die waren beim Nürnberger Argentinier bekanntlich lang. Vom Schiedsrichter ungeahndet blieb schließlich eine üble Spuck-Attacke Pinolas gegen seinen Gegner. TV-Bilder belegten den Vorgang, Schweinsteiger beschwerte sich heftig und so gab es ein Nachspiel. Pinola, später eine Legende beim Club, wurde für vier Spiele gesperrt.

Kinderdienst: Bayern-Trainer Louis van Gaal hoert nach dieser Spielzeit auf

Quelle: dapd

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1. FC Nürnberg - FC Bayern München 1:1 (9. April 2011)

Das zweite Aufeinandertreffen der angesprochenen Saison erlangte dann vor allem deswegen Brisanz, weil es Louis van Gaals letztes Spiel als Bayern-Trainer war. Ernsthafte Meisterschaftshoffnungen besaß der Rekordmeister angesichts von 14 Punkten Rückstand auf den BVB vor der Partie ohnehin kaum - aber das 1:1 in Nürnberg war den Bayern-Bossen dann eine Enttäuschung zu viel.

Nach Thomas Müllers frühem 1:0 wollten die Münchner den Sieg verwalten, doch ein Torwartfehler von Thomas Kraft führte nach 60 Minuten zum Ausgleich. In den Schlussminuten flog auch noch Arjen Robben wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz - der FCB hatte alles verloren: seinen besten Spieler, den Titel und seinen Coach.

Es folgte noch ein weiteres 1:1 im Jahr 2012, doch in den vergangenen vier Derbys gelang dem Club noch nichtmal mehr ein Tor. Die Bilanz der Nürnberger bräuchte also dringend mal wieder etwas Ausgleich. Ob es ausgerechnet an diesem Sonntag so weit ist?

© SZ.de/ebc
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