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Fußball in Italien:Ibrahimovic wird zum Helden im Italo-Western

Photo LaPresse - Spada July 07 , 2020 Milan ( Italy ) Soccer A.C. Milan- Season 2019-2020 - Serie A Milan vs Juventus I

Am Mittwoch zufriedener Angreifer beim AC Mailand: Zlatan Ibrahimovic (l.).

(Foto: imago images/LaPresse)

Der AC Mailand hübscht mit dem 4:2 gegen Ronaldos Juve eine zähe Saison auf - und erschwert damit die Revolutionspläne des Klubs: Denn wenn Ralf Rangnick käme, müssten Trainer Pioli, Manager Maldini und Ibrahimovic wohl weichen.

Von Oliver Meiler

Manche Fußballspiele hätten Zuschauer verdient, echte, in einem vollen Stadion. Oder wenigstens falsche Chöre, Einspieler aus der Fernsehregie. Die sind nämlich, bei allem Respekt für die Kritiker, immer noch besser als dieser trübe Bolzplatz-Sound schnaufender Stars, viel zu lauter Torwärter und nicht immer scharfsinniger Trainer, die ihre Anweisungen in Dauerschleife auf den Platz brüllen. Viel Magie geht da flöten, und der Zauber ist ja auch in diesem Sport fast alles.

AC Mailand gegen Juventus Turin also, 31. Spieltag der noch unendlich langen Meisterschaft in der Serie A, Siebter gegen Erster - das war so ein Spiel: Es hätte Zuschauer verdient gehabt. Als die Akteure den Rasen betraten, lief über die Lautsprecher des leeren Giuseppe-Meazza-Stadions minutenlang Filmmusik von Ennio Morricone, dem eben erst verstorbenen Komponisten - als Hommage. Und als passender Einstieg, episch schwer.

Das Spiel hatte alles, sechs Tore in einer Halbzeit, der zweiten. Das erste davon war wirklich toll, von Adrien Rabiot, einem Franzosen in Diensten von Juventus, der bisher eher dadurch aufgefallen war, dass seine Mutter, die auch seine Managerin ist, ihn mit ihrem Verhandlungschaos in einem Zustand ständiger Konfusion zu halten scheint. Rabiot lief einfach los, 60 Meter mit dem Ball am Fuß, recht unwiderstehlich, düpierte dabei halb Mailand und beschloss sein Solo dann mit einem satten Schuss mit dem linken Fuß hoch ins rechte Eck. Man wird dieses Tor zum 1:0 für Turin wahrscheinlich in den Rückblicken zum Jahresende wiedersehen.

Es gab in diesem Spiel aber auch groteske Fehler von sonst unflapsigen Verteidigern, auch das bot Unterhaltung. Juve führte nach Zweidritteln des Spiels 2:0, auch Ronaldo hatte getroffen, wie fast immer seit dem Neustart. Juve wähnte sich als sicherer Sieger, ach was: als Meister schon, denn Lazio Rom, der müde gewordene Verfolger, hatte nur Stunden davor auch beim Abstiegskandidaten in Lecce verloren (1:2), zum dritten Mal schon in kurzer Folge. Turin wäre mit zehn Punkten an der Tabellenspitze entschwunden, uneinholbar, zumindest nach den allgemeinen Standards des menschlichen Ermessens. In den Lockdown hatte man mit Mühe einen Punkt Vorsprung vor Lazio gerettet. Aber zuletzt zeigte sich nun, dass die lange, prominent besetzte Spielerbank des Serienmeisters den Unterschied machte.

Doch dann fiel Juve einfach auseinander, von vorne bis hinten. Milan traf drei Mal in fünf Minuten, orchestriert von Zlatan Ibrahimovic, der mit 38 Jahren zwar nicht mehr viel und selten schnell läuft, aber die Mannschaft mit seiner baren Präsenz und einigen Turmmanövern elektrisiert. Das hehre Selbstverständnis des Schweden, der im Winter erst zurückkam nach Mailand, es wirkt wie ein Katalysator. Am Ende stand es 4:2, ein Duell wie aus einem Spaghettiwestern.

Der Bezahlsender DAZN, der die Begegnung übertrug, verzichtete auf falschen Stadion-Sound. Und so fühlte sich das vergnüglichste und verrückteste Spiel seit dem Restart der Serie A so steril an wie ein schlecht beleuchteter Peripheriekick von Amateuren. Die Meisterschaft aber, die ist jetzt noch ein bisschen offen. Bis zum Saisonende bleiben noch sieben Runden, und Juve (75 Punkte) und Lazio (68 Punkte) begegnen sich noch direkt. Am letzten Spieltag allerdings empfängt Juventus den AS Rom, und es gehört in die Kategorie des unbedingt Erwartbaren, dass sich die Gäste kein Bein ausreißen würden, sollte ein Beineausreißen dem ewigen Stadtrivalen Lazio den Titel bringen können.

In Mailand wiederum befeuert dieser Sieg des AC eine ganz andere Frage. Nimmt man die Debatten zum Gradmesser, die sich seit Monaten um die Personalie von Ralf Rangnick ranken, geht es mal wieder um alles. Um Revolution oder Stillstand. So jedenfalls pflegt es Milans Vereinsführung um den CEO Ivan Gazidis darzustellen. Der südafrikanische Manager mit griechischen Wurzeln, früher Boss beim FC Arsenal, leitet die Geschäfte für den New Yorker Hedgefonds Elliott Management, dem Milan seit einigen Jahren gehört. Und dieser Gazidis, der die meiste Zeit in London sitzt, eine Welt entfernt von der Fiebrigkeit des italienischen Fußballbetriebs, möchte Rangnick offenbar ganz unbedingt verpflichten. Als Manager im englischen Stil, Trainer und Bevollmächtigter fürs Personal, zuständig für alles eben. Als Revolutionsführer, von oben.

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