Fußball in Spanien:Feierlaune wie bei einem Lottogewinn

Messi macht Urlaub auf Ibiza

Vom Ibiza-Urlaub zurück nach Barcelona? Mit dem Frischgeld der Liga könnte der neue Vertrag für die Klub-Ikone leichter zu stemmen sein.

(Foto: José Ruiz/dpa)

Ein Investoren-Deal der nationalen Liga beschert den spanischen Klubs einen Milliarden-Regen und könnte Auswirkungen auf das Tauziehen um die Super-League-Pläne von Real und Barcelona haben.

Von Javier Cáceres und und Thomas Kistner

Als erste europäische Fußball-Liga öffnet sich die spanische LFP dem Risikokapital und beschert ihren Klubs einen Milliarden-Regen. Wie die Liga de Fútbol Profesional am Mittwoch mitteilte, erwirbt das Private-Equity-Unternehmen CVC Capital Partners für 2,7 Milliarden Euro eine rund zehnprozentige Beteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die La Liga den Großteil ihrer kommerziellen Aktivitäten einbringt. Ausgenommen sind die Übertragungsrechte, die Haupteinnahmequelle der spanischen Liga.

Der Deal soll in Kürze vom LFP-Konvent abgesegnet werden, am Mittwoch gab der Liga-Vorstand grünes Licht. Angesichts der heiklen Finanzlage vieler Klubs gilt die Zustimmung als sicher. Damit geht Spaniens krisengebeutelter Fußball einen anderen Weg als die Deutsche Fußball Liga: Die DFL hatte im Mai ein Investoren-Angebot in Höhe von einer halben Milliarde Euro abgelehnt.

Großklubs wie Barcelona und Real profitieren

La Liga soll die CVC-Milliarden nach dem Verteilerschlüssel der TV-Gelder ausreichen. Dadurch erhalten Großklubs wie Real Madrid und der FC Barcelona einen höheren Anteil als andere. Jedoch werden die Gelder zweckgebunden ausgeschüttet: "Es geht um einen ehrgeizigen Investitionsplan, der La Liga und den Klubs Mittel gibt, um die Umwandlung in ein globales, digitales Unterhaltungsunternehmen fortzusetzen, den Wettbewerb zu stärken und die Fan-Erfahrung zu transformieren", heißt es in der Mitteilung der LFP.

Konkret müssen die Klubs 70 Prozent des Geldes in "Infrastrukturmaßnahmen" investieren. Nur je 15 Prozent dürfen für die Tilgung von Schulden oder fürs kickende Personal verwendet werden.

Insbesondere beim milliardenhoch verschuldeten FC Barcelona soll der CVC-Deal Feierlaune wie bei einem Lottogewinn ausgelöst haben. Offenbar steht damit dem Abschluss des neuen Fünf-Jahres-Vertrages für die Klub-Ikone Lionel Messi nichts mehr im Wege, die Unterzeichnung soll am Donnerstag verkündet werden. Zuletzt hieß es, dass Barcelona die Gehaltskosten um rund 200 Millionen Euro senken müsse, um Messi im Kader halten zu können. Der Betrag dürfte nun deutlich geringer ausfallen.

Interessant sind die sportpolitischen Auswirkungen des Deals. Der Geldsegen aus der Liga dürfte Barcelonas stramme Loyalität zur Super-League-Idee von Real Madrids Boss Florentino Pérez abschwächen. Beide Klubs kämpfen weiter juristisch mit allen Mitteln um das untergegangene Elite-Projekt, dabei stand Barcelona noch am Wochenende fest an Pérez' Seite. Gemeinsam mit Real und Juventus Turin veröffentlichten die Klubs ein triumphales Kommuniqué: Ein Madrider Handelsrichter habe der europäischen Fußballunion Uefa untersagt, Sanktionen gegen die drei Gründungsmitglieder der Superliga zu verhängen.

Die Uefa zeigt sich unbeeindruckt von den spanischen Justiz-Übungen, sie hat vor, die Abtrünnigen hart zu bestrafen - ab der Champions-League-Saison 2022/23. Aber auch LFP-Präsident Javier Tebas belächelt die Madrider Klagewelle nur noch. Es sei ja "derselbe Richter" gewesen, der auch die Beschlüsse zuvor getroffen habe - da wäre es "ein Witz", wenn er sich selbst korrigieren würde.

Zugleich verwies Tebas auf neue Töne, die das Separatisten-Trio nun anschlägt: Juve, Barcelona und Real seien fast zu "barmherzigen Schwestern" mutiert, die plötzlich mit allen Verbänden "gemeinsam die Welt retten" wollten, spöttelte Tebas. Tatsächlich liefen im Hintergrund Annäherungsversuche an Uefa-Chef Aleksander Ceferin: über Banker und Medienleute - stets mit dem Narrativ, die jeweils anderen wüssten nichts vom Kontaktversuch.

Der Uefa kommt die Entwicklung in Spanien sehr gelegen. Fällt Barcelona vom Superliga-Trio ab, bleiben nur die eigentlichen Rädelsführer übrig: Real-Boss Perez und Juve-Eigner Andrea Agnelli, Spross des Fiat-Clans. Sie sollen Ziel schärfster Uefa-Sanktionen sein, sobald der Europäische Gerichtshof die spanischen Justiz-Manöver gestoppt habe.

Tatsächlich dürfte in Bezug auf Kartellrechtsfragen rund um eine Superliga auch die EU-Kommission mitreden, und enge Beobachter glauben nicht, dass Eingaben aus Ländern wie England, Frankreich, Italien und Deutschland den Milliardenträumen von Perez und Agnelli noch eine Hintertür öffnen. Fußball, das hat die Zerschlagung der Superliga im April eindrucksvoll gezeigt, besitzt eine gesellschaftspolitische Dimension, die weit über die von Sportarten wie Basketball oder Eislauf hinausgeht - letztere zwei hatten in der Vergangenheit Urteile erkämpft, auf die sich Real und Co. stützen wollen.

In Deutschland geht die Skepsis gegenüber externen Investoren so weit, dass die DFL im Mai Gespräche über ein Investorenangebot für eine Tochtergesellschaft zur Vermarktung ihrer Auslandsrechte abgebrochen hatte; vor allem die Zweitligisten sollen dagegen votiert haben. Nach SZ-Informationen ging es dabei um gut eine halbe Milliarde Euro für einen 25-prozentigen Anteil, und auch hier soll CVC Capital Partners geboten haben. Die zerschlagenen Verhandlungen unterliegen allerdings einer Schweigeverpflichtung.

© SZ/bek
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