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FC Bayern:Telefonat mit Ancelotti bringt Dynamik

Am Dienstag hat der FC Bayern das Fenster zur Zukunft ein wenig aufgemacht, gewährt wurde ein erster Blick auf die Kaderplanung der kommenden Spielzeiten. Die beiden - gemeinsam über 70 Millionen Euro schweren - Zugänge Mats Hummels und Renato Sanches haben sich ebenso bis ins magische Jahr 2021 gebunden wie zuvor schon Manuel Neuer, Thomas Müller, Jérôme Boateng, Javi Martínez und David Alaba.

Bekannt ist, dass die Münchner gerade versuchen, sich auch mit Robert Lewandowski bis 2021 zu verabreden, von Götze ist in diesem Zusammenhang nie die Rede gewesen. Der ehemalige Dortmunder ist noch bis 2017 an Bayern gebunden, aber das Telefonat mit Ancelotti dürfte eine neue Dynamik in den Fall bringen.

Sowohl der Verein als auch der Spieler dürften ab sofort ein verschärftes Interesse daran besitzen, sich in diesem Sommer in aller Freundschaft zu trennen. Die Bayern könnten für ihren Weltmeister jetzt noch Geld kassieren, wenn auch gewiss nicht mehr jene 37 Millionen, mit denen sie einst in Vorleistung gingen. Und Götze müsste seine nach wie vor außergewöhnliche Begabung nicht ein weiteres Jahr auf der Ersatzbank verschwenden. Vom FC Liverpool, wo Götzes alter Förderer Jürgen Klopp tätig ist, wird bereits ein ernsthaftes Interesse gemeldet; auch bei Borussia Dortmund, beim FC Arsenal und bei Juventus Turin beschäftigt der Name "Götze" offenbar die zuständigen Funktionäre. Für 20 Millionen Euro plus x, hört man, könnte der Weltmeister zu haben sein.

Der Fall Götze zeigt, dass sich der Fußball mitunter einen Spaß daraus macht, sich einer seriösen Kaderplanung zu entziehen. Als die Münchner den Dortmundern vor drei Jahren ihren kostbarsten Schatz entwendeten, regte sich das Land fürchterlich auf, aber inhaltlich schien die Sache zunächst einleuchtend zu sein: Götze, der Junge mit den feinsten Füßen im Land, geht zu dem Trainer, der die feinen Füße liebt.

Zwar versichern sich Spieler und Verein bis heute ihre gegenseitige Wertschätzung, dennoch ist Götze, 23, in München bisher eine große Fantasie geblieben: Er hat immer wieder gespielt, oft auch gut, aber fürs große Ganze ist er nicht relevant geworden, zumal er nicht der Flügelspieler ist, den die Münchner anfangs in ihm gesehen haben. Als Götze im vorigen Herbst ein bemerkenswert kämpferisches Bekenntnis abgab ("Ich würde gern ein Gesicht des FC Bayern werden"), verletzte er sich gleich danach so schwer an den Adduktoren, dass er monatelang ausfiel. Und als er wieder zurück war, waren seine Lieblingsplätze im Team erst recht alle belegt. Toni Kroos hat vor zwei Jahren eine große WM gespielt, danach ist er zu Real gewechselt. Mario Götze kann Europa jetzt bei der EM zeigen, wie gut er ist.

© SZ vom 12.05.2016/jbe

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