DFB-Elf in der Einzelkritik:Schweinsteiger beweist Autorität

Bastian Schweinsteiger zeigt, dass er keinesfalls verpflichtet ist, seinen Platz an Sami Khedira abzutreten. Jérôme Boateng erfindet eine neue Spielfigur - und Thomas Müller tut das, was er am besten kann. Das DFB-Team beim 1:0 gegen die USA in der Einzelkritik.

Von Christof Kneer und Philipp Selldorf, Recife

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Manuel Neuer

World Cup 2014 - USA - Germany

Quelle: dpa

Bastian Schweinsteiger zeigt, dass er keinesfalls verpflichtet ist, seinen Platz an Sami Khedira abzutreten. Jérôme Boateng erfindet eine neue Spielfigur für den Weltfußball. Und Thomas Müller tut das, was er am besten kann. Das DFB-Team beim 1:0 gegen die USA in der Einzelkritik.

Manuel Neuer: Konnte zunächst ungestört den tropischen Nieselregen genießen, in der 19. Minute durfte er beim Abstoß das erste Mal den Ball berühren. Danach stand er wieder im Regen rum. Ab und zu unternahm er Ausflüge ins Feld, dabei missglückte ihm in der 68. Minute ein langer Pass. Ansonsten missglückte ihm nichts.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Jérôme Boateng

USA v Germany: Group G - 2014 FIFA World Cup Brazil

Quelle: Getty Images

Jérôme Boateng: Mangels anderweitiger Anforderungen erfand er eine neue Spielfigur für den Weltfußball: den 1,92 Meter großen Flügelflitzer. Unentwegt unterwegs, um Müller in der Mitte mit Flanken und Pässen zu beliefern. Das war sogar mitunter gefährlich, was wiederum für Boateng gefährlich ist: Nicht, dass Bayern-Trainer Guardiola das sieht. Der braucht jemanden, der rechts hinten spielen kann. So gut wie Rafinha macht er das allemal.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Per Mertesacker

World Cup 2014 - Group G - USA vs Germany

Quelle: dpa

Per Mertesacker: Traf im 101. Länderspiel auf seinen alten Förderer Jürgen Klinsmann. Hätte lieber das Jubiläumsspiel Nummer einhundert mit ihm bestritten, aber der WM-Spielplan nahm keine Rücksicht. Das 101. Länderspiel führte den Innenverteidiger selten in Grenzbereiche, zu selten forderten ihn die Amerikaner. Hatte deshalb Zeit, sich vorne mit einem Flugkopfball nützlich zu machen, der dem Führungstor vorausging.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Mats Hummels

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Quelle: AFP

Mats Hummels: Lange Bälle auf dem nassen Rasen? Gab es keine zu sehen. Dabei hat der Bundestrainer dem Dortmunder Verteidiger seinen Lieblingsspielzug bei diesem Turnier ausnahmsweise erlaubt, aber das Spiel war vor allem anfangs zu statisch und zu breit. Lange Bälle hätten keinen Adressaten gefunden, und dann hätte Löw sie bestimmt wieder verboten.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Benedikt Höwedes

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Quelle: AFP

Benedikt Höwedes: Klärte in der zehnten Minute wunderbar vor dem einschussbereiten Mittelstürmer - der hieß allerdings Thomas Müller und war nicht erfreut über die Sabotage. Eine Minute darauf erhielt Höwedes für ein Foul an Johnson die erste gelbe Karte, die es bei dieser WM gegen Deutschland gab - es war also Höwedes' schwärzeste Turnierminute. Defensiv meist aufmerksam und zuverlässig, entsprach damit seiner Bestimmung. Passspieler wird er keiner mehr - muss er aber auch nicht.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Philipp Lahm

Jones of the U.S. fights for the ball with Germany's Lahm during their 2014 World Cup Group G soccer match at the Pernambuco arena in Recife

Quelle: REUTERS

Philipp Lahm: Der Kapitän stand zuletzt im Zentrum einer für ihn ungewohnten Debatte: Es gab tatsächlich Kritik, und von 100 befragten Ex-Nationalspielern, die im Moment keinen Job haben, aber gerne einen hätten (Branchenbegriff: Guru), waren 99 der Meinung, Lahm müsse wieder rechts hinten spielen. Lahm ließ die Debatte lässig abprallen: Spielte eine seriöse Sechs, mal ließ er sich liberoartig nach hinten fallen, mal schlich er sich in die freien Offensivräume. Ballsicher wie in den Zeiten vor der Kritik, mit schönen, kleinen Spieleröffnungen. Kreiselte viel mit den Klubkollegen Kroos und Schweinsteiger. Ende der Debatte.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Bastian Schweinsteiger

USA v Germany: Group G - 2014 FIFA World Cup Brazil

Quelle: Getty Images

Bastian Schweinsteiger: Das hatte man ja zuletzt schon wieder vergessen: Dass Schweinsteiger ein famoser Passspieler ist. Das eher mäßige Tempo der Partie kam seinen Vorzügen entgegen. Wechselte sich mit dem ebenfalls famosen Passspieler Kroos in der Spieleröffnung ab, beide kontrollierten das Spiel, spitzten es anfangs aber zu selten zu - was auch daran lag, dass es kaum jemanden gab, der scharfe Läufe anzog. Haute sich aber mächtig rein, wie man in der Fachsprache sagt. Kämpfte, machte und tat, steckte auch kräftig ein. Zeigte mit all der in zehn Jahren Spitzenfußballerfahrung erworbenen Autorität, dass er nicht verpflichtet ist, seinen Platz an Khedira abzutreten.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Toni Kroos

USA v Germany: Group G - 2014 FIFA World Cup Brazil

Quelle: Getty Images

Toni Kroos: Wechselte sich mit dem ebenfalls famosen Passspieler Schweinsteiger in der Spieleröffnung ab, kontrollierte das Spiel, spitzte es anfangs aber zu selten zu (siehe Schweinsteiger). Wie immer millimetergenaue Spielverlagerungen, ein Genuss für Ästheten. Zeigte dem Weltpublikum aber auch seine letztverbliebene Toni-Kroos-Schwäche: Er schießt einfach nicht. Einmal lag der Ball wunderschön vor seinem Fuß, es lockte eine wunderschöne freie Gasse, zum Tor waren es nur wunderschöne 18 Meter - aber Kroos spielte ab. Das Abspiel brachte nichts ein.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Mesut Özil

World Cup 2014 - USA - Germany

Quelle: dpa

Mesut Özil: Bei allen anderen Spielern der Welt gilt es als Kompliment, wenn man ihnen einen Sahnetag attestiert. Bei Özil gehört dieses Attribut zur Grundausstattung. So weiche und cremige Pässe spielte kaum einer, auch diesmal ließ er wieder ein paar davon flutschen, sie machten das Spiel schnell. Rochierte viel und fleißig, allerdings zog er viel zu selten ins Zentrum - weshalb der Platz vor dem gegnerischen Tor immer wieder unbesetzt blieb. Und wenn er dort auftauchte, zeigte er, warum er so selten dort auftaucht: Weil ihm der klassische Stürmerpunch fehlt - zu erkennen in der 47. Minute, als er eigentlich frei zum Kopfball kam, aber zu wenig energisch zustieß. Stattdessen schnappte US-Verteidiger Gonzalez zu und klärte. Viel besser ist und bleibt Özil als Vorbereiter: wie bei der Eckballvariante kurz nach der Pause, die das 1:0 brachte. Falls sich das hier aber als Nörgelei anhört: Özil machte ein gutes Spiel, mindestens aber sein bestes Turnierspiel. Geht aber noch besser, wie zu nörgeln wäre.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Lukas Podolski

World Cup 2014 - Group G - USA vs Germany

Quelle: dpa

Lukas Podolski: Hätte sich seinen Platz in diesem Spiel suchen müssen, stattdessen zog er sich auf seinen angestammten Posten auf der linken Seite zurück und wartete dort, dass das Spiel zu ihm kam. Was es aber nicht tat. Kann super in Räume sprinten. Was er aber auch nicht tat. Kann auch gute zweite Halbzeiten spielen. Durfte er aber nicht. Löw nahm ihn vom Feld, weil er merkte: In diesem Spiel war Podolski deplatziert.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Thomas Müller

Gonzalez of the U.S. fights for the ball with Germany's Mueller during their 2014 World Cup Group G soccer match at the Pernambuco arena in Recife

Quelle: REUTERS

Thomas Müller: Wurstelte an vorderster Front, warf sich in Flanken, hielt seine Fußspitze in Flugkurven, kam aber nicht so richtig zum Schuss. Litt darunter, dass er der einzige war, der vorne die Läufe anzog. Ließ sich immer wieder auf den Flügel fallen und musste von dort mit ansehen, dass der Raum, den er dadurch im Zentrum freimachte, leider frei blieb. Löw spendierte ihm in der Halbzeit den Mittelstürmer Klose, Müller durfte nun das tun, was er am besten kann: überall rumrennen. Und was er auch ganz gut kann, der Kauz: Tore schießen. Tat er auch gleich.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Miroslav Klose

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Quelle: AFP

Miroslav Klose: Der Mittelstürmer kam mit klarem Auftrag: Er sollte Mittelstürmer sein. Tat das auch gleich. Erfreute den gegnerischen Strafraum mit seiner Anwesenheit. Betätigte sich in der Spitze auch als Abwehrspieler. Vorbildliche Arbeitsmoral, der ältere Herr.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Mario Götze

Beckerman of the U.S. and Germany's Goetze fight for the ball during their 2014 World Cup Group G soccer match in Recife

Quelle: REUTERS

Mario Götze: Verschwand aus der Anfangself und darf das als strenge Botschaft des Bundestrainers verstehen. Bekam aber noch seinen Einsatz, und darf das als ermutigende Botschaft des Bundestrainers sehen. Reihte sich flink ins Offensivspiel ein.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:André Schürrle

USA v Germany: Group G - 2014 FIFA World Cup Brazil

Quelle: Getty Images

André Schürrle (Mitte): Bekommt zurzeit weniger Spielzeit, als er erwartet hat. Darf die Einwechslung für Özil aber bestimmt auch als ermutigende Botschaft des Bundestrainers sehen.

© SZ vom 26.06.2014/fued
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