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DFB-Elf: Mannschaft des Jahres:Jugend forsch

Die deutschen WM-Fußballer sind die "Mannschaft des Jahres 2010". 23 Spieler haben überrascht mit wundersam attraktivem Spiel. Ein Rückblick auf die Turnier-Leistung der WM.

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Sportler des Jahres

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Die deutschen WM-Fußballer sind die "Mannschaft des Jahres 2010". 23 Spieler haben überrascht mit wundersam attraktivem Spiel. Ein Rückblick auf die Turnier-Einzelkritik kurz nach der WM.

Bundestrainer Joachim Löw (re.) und sein WM-Kapitän Philipp Lahm erhielten am Sonntag stellvertretend für die deutsche Nationalelf die Auszeichnung zur "Mannschaft des Jahres 2010".

Lesen Sie auf den nächsten Seiten, wie die deutschen Spieler in der Turnier-Einzelkritik von sueddeutsche.de (kurz nach der WM geschrieben) abgeschnitten haben.

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1. Dennis Aogo

Bewarb sich um die vakante Stelle links hinten. Hatte durchaus gute Argumente, etwa eine tadellose Saison in Hamburg und ein schönes Länderspiel gegen Malta in der WM-Vorbereitung. Verschwand dann aber auf der Bank, vor ihm verteidigten links Badstuber, Boateng und Jansen. Das Spiel um Platz drei eröffnete ihm die Chance auf 90 WM-Minuten. Ihm blieb damit das Schicksal eines Lars Ricken (2002), Günter Hermann (1990), Thomas Allofs (1982), Jupp Kapellmann (1974), Ulrich Biesinger (1954) und einiger anderer deutscher WM-Fahrer erspart, die zwar mitfahren durften, aber keine Minute spielten.

Germany's coach Loew walks past Badstuber during a training session in Pretoria

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2. Holger Badstuber

Der junge Mann aus Memmingen im Allgäu hat in seinem ersten Jahr als Profi-Fußballer mehr erlebt, als 99,9999 Prozent all seiner Kollegen in ihrer ganzen Karriere. Aufstieg zum Stammspieler beim FC Bayern, Meister, Pokalsieger, Champions-League-Finalist, Nominierung in den WM-Kader, WM-Stammspieler - dann kam Milos Krasic.

Der blondierte Rechtsaußen Serbiens beendete den Raketenaufstieg von Holger Badstuber. Dieser wurde dabei Opfer des Umstands, dass Bundestrainer Löw einen Linksverteidiger suchte, und ihn, den Innenverteidiger, dorthin versetzte. Weil der Serbe ihn mehrfach überlief und ausspielte, nahm ihn Löw aus der Mannschaft. Er war der einzige Stammspieler der nach dem 0:1 gegen Serbien seinen Stammplatz verlor. Von da an sah man Badstuber nur noch mit großen Kopfhörern und einer Kappe tief ins Gesicht gezogen. Louis van Gaal wird sich gut um ihn kümmern müssen.

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3. Jérôme Boateng

Wenn einer den Platz verliert, dann holt ihn sich ein anderer. Der 21-Jährige aus Berlin übernahm im dritten Spiel den Platz von Badstuber, und war wie dieser doch nur eine Notlösung. Der deutsche Kader hatte keinen natürlichen Anwärter auf den Posten links hinten zu bieten, also musste der wohl kompletteste Defensivspieler aushelfen.

Boateng konnte bisweilen Probleme im Stellungsspiel nicht verbergen, hatte auch unkontrollierte Szenen im Aufbau. Dennoch: Wer so schnell ist, so gut im Zweikampf, so sicher am Ball, der meistert auch diese Aufgabe. Mit dem Spiel nach vorne indes überfordert. Im Spiel um Platz drei sah Bundestrainer Löw, dass ein Boateng über rechts vielleicht die bessere Idee gewesen wäre.

Uruguay v Germany: 2010 FIFA World Cup - Third Place Play-off

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4. Jörg Butt

"Ich möchte mich bei diesen Spielern für ihren unglaublichen Willen bedanken, weil ich weiß, dass es nicht immer einfach für sie ist." Das sagte Joachim Löw zur Mitte des Turniers. An Jörg Butt hätte er diese Dankesrede schon vor der Südafrika-Reise versenden können. Denn dass Jörg Butt Ärger macht, ist so wahrscheinlich, als hätte Tintenfisch Paul den Weltmeister Frankreich getippt.

Deshalb nahmen ihn die DFB-Trainer nach der Verletzung von René Adler ja mit: Weil Jörg Butt selbst in der aussichtslosen Position des dritten Torwarts keinen Ärger macht, immer freundlich ist und den jungen Kollegen im Training zeigt, wie man einen Elfmeter versenkt. Profitierte wieder von dem Ausfall eines Kontrahenten (Wieses Schleimbeutel-Entzündung) und kam in Port Elizabeth gegen Uruguay zum ersten und letzten WM-Spiel seiner Karriere. Dafür erhält auch Butt die Prämie von 100.000 Euro.

WM 2010 - Uruguay - Deutschland

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5. Cacau

In der deutschen Multi-Kulti-Gruppe das multikultigste Mitglied. Erster gebürtiger Brasilianer, der für Deutschland ein WM-Spiel bestritt, schoss gegen Australien ein Tor. Es sah lange danach aus, als würden noch mehr WM-Tore dazukommen und noch viel mehr WM-Minuten. Durfte durch Kloses Sperre gegen Ghana endlich von Beginn an stürmen, doch das zähe Spiel setzte seiner WM ein vorläufiges Ende.

Erstens, weil die muskelbepackten Afrikaner dem Stürmer arg zusetzten. Zweitens, weil er sich dabei einen Bauchmuskel zerrte. Und drittens, weil seine Mitspieler danach derart aufdrehten, dass der schottische Journalist und Autor John Carlin ("Invictus") in einer südafrikanischen Zeitung die Deutschen als die neuen Brasilianer huldigte. Und das ohne ihren einzigen Brasilianer.

Germany v Spain: 2010 FIFA World Cup - Semi Final

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6. Arne Friedrich

Die wundersamste Verwandlung im Kader. Hätte zu einem echten deutschen Helden werden können, wie einst Guido Buchwald (Beiname "Diego") oder Dieter Eilts (Begründer des Verbs "eiltsen"). Wäre Deutschland Weltmeister geworden, schwachen Verteidigern wäre künftig vorgeworfen worden, sie hätten nicht gut genug "gearnet" oder "gefriedricht".

Der vermeintlich biedere Rechtsverteidiger hat sich in Südafrika als schillernder Innenverteidiger entpuppt. Mit bunten Schuhen! Alle Gegner mussten sich einer eisernen Regel beugen: Keiner kommt an Friedrich vorbei! Und wenn es sein musste, dann deckte er für seinen bisweilen unsicheren Nebenmann Mertesacker gleich mit. Fiel am Ende zwar etwas ab, aber wie Hertha BSC Berlin mit diesem großartigen Mann in der Abwehr absteigen konnte, wird auf immer ein Geheimnis dieses Klubs bleiben.

Germany v Spain: 2010 FIFA World Cup - Semi Final

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7. Mario Gomez

Der große Verlierer des deutschen Turniers. Wurde viermal eingewechselt und hatte jedes Mal arge Probleme, dem von Löw vorgegebenen Kombinationsspiel zu folgen. Der 25-Jährige verfügt im Grunde über alle Anlagen, um ein perfekter Stürmer zu sein. Schnell, beidfüßig schussstark, guter Kopfball und dazu eine Körperkraft, vor der jeder Verteidiger Respekt hat. Doch als bei dieser WM Müller, Özil, Podolski um ihn herumwuselten und mit ihm Doppel-, Dreifachpass plus vertikalem Überfallkonter spielen wollten, da wirkte Gomez wie ein Büffel unter Geparden.

Will im Hinblick auf die EM 2012 den Platz von Miroslav Klose im Angriff erobern. Sollte der Trainer dann immer noch Joachim Löw heißen, könnte das schwierig werden.

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8. Marcell Jansen

Die Extrawurst in der deutschen Vorbereitung. Bundestrainer Löw betonte, dass nur Profis mit einwandfreier Gesundheit eine Chance erhielten, nach Südafrika zu reisen. Marcell Jansen durfte dennoch in den vorläufigen Kader und sich in Südtirol beweisen. Erholte sich dort von einer Verletzung und qualifizierte sich für die WM-Reise.

Sollte gegen Spanien mit dynamischen Vorstößen neue Energie in das deutsche Team bringen, mühte sich auch erfolgreich, doch seine Hereingaben fanden nur spanische Innenverteidiger. Weil Uruguays Torwart und seine Verteidiger sich nicht einigten, darf er sich nun WM-Torschütze nennen.

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9. Sami Khedira

Machte sich als Mannschafts-Disc-Jockey verdient. Freund des Rappers Bushido, bestellte bei ihm ein WM-Lied für die Kabine namens "Fackeln im Sturm". Gehörte zu der jungen Bande, die vor der WM außerhalb Deutschlands kaum einer kannte und die nun jeder kennt. Real Madrid soll sich schon erkundigt haben, wie viel der 23-Jährige (re.) wohl kostet.

Auf dem Platz zwar nicht der große Taktgeber im Mittelfeld, den Posten besetzte Bastian Schweinsteiger. Aber immens fleißiger Dauerläufer und Zweikampfführer, dazu schlauer Passgeber und für alle Gegner unangenehmer In-den-Strafraum-Sprinter. Der VfB Stuttgart dürfte froh sein, wenn er seinen stärksten Mittelfeldspieler noch ein Jahr behalten darf. Und Michael Ballack muss froh sein, wenn der künftige Bundestrainer ihn und Khedira in seine Elf integriert.

WM 2010 - Deutschland - Spanien

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10. Stefan Kießling

Reiste mit 21 Bundesliga-Toren zum DFB. Das nutzte ihm aber nichts, trotz aller Zweifler und Nörgler musste auch der 26-Jährige (Mitte) am Ende einsehen, dass es besser war, Klose, Cacau und Podolski in den Angriff zu schicken. Durfte gegen Uruguay 16 Minuten stürmen, womit ihm das Schicksal von Lars Ricken (2002), Günter Hermann (1990) und all den anderen Null-Minuten-WM-Fahrern erspart blieb.

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11. Miroslav Klose

Eine Erkenntnis dieser WM: Miroslav Klose braucht Zuspruch. Beim FC Bayern München die gesamte Saison nur Ersatzspieler und mit tief hängendem Kopf sowie gebücktem Gang aus Deutschland abgereist, erlebte der 32-Jährige in Südafrika seine Auferstehung. Wie beim anderen Patienten, Lukas Podolski, erhoffte sich Bundestrainer Löw bei ihm eine Erweckung der verschütteten Qualitäten durch Zureden und durch ein Erfolgserlebnis.

Letzteres kam gegen Australien und plötzlich erlebte Fußball-Deutschland wieder einen Klose mit aufrechtem Gang und erhobenem Kopf. Starke Auftritte gegen England, Argentinien und auch gegen Spanien. Allerdings fehlte da die Unterstützung der Kollegen. Konnte wegen Rückenbeschwerden nicht am Spiel um Platz drei teilnehmen, weshalb er der zweitbeste WM-Torjäger aller Zeiten bleibt, mit unglaublichen 14 Treffern (2002: 5, 2006: 5, 2010: 4).

WM 2010 - Deutschland - Spanien

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12. Toni Kroos

Hatte das Finale auf dem Innenrist. Stand nach einer Podolski-Flanke recht alleine im Strafraum und lenkte den Ball Richtung spanisches Tor. Leider nicht gegen die Laufrichtung des Torwarts Iker Casillas, weshalb dieser abwehren konnte. Wenig später katapultierte Puyol den Ball per Kopf ins Netz.

Der 20-Jährige war danach sehr traurig über diese verpasste Chance. Erweckte fast den Eindruck, er wolle die Verantwortung für die Niederlage übernehmen, was selbstredend völlig übertrieben war. Hat sich als zwölfter Mann stets reibungslos ins deutsche Spiel integriert. Deutete an, dass sich die Fußball-Weltöffentlichkeit neben Müller, Özil und Khedira auch bald über diesen Kroos wundern könnte.

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13. Philipp Lahm

Aufgestiegen zum Mannschafts-Kanzler. Nach Ballacks Ausscheiden Kapitän, füllte diese Aufgabe mit seiner sachlichen Freundlichkeit hervorragend aus. Verkündete dann, er werde die Binde freiwillig nicht mehr hergeben, was der Boulevard dazu nutzte, einen Kapitän-Capitano-Krieg anzuzetteln.

Der 26-Jährige aus München-Gern ist in Südafrika zum neuen deutschen Führungsspieler aufgestiegen: konzentriert in der Sache, integrierend, kommunikativ, anspornend. Was ihn weitgehend von den alten deutschen Führungsspielern unterscheidet. Stritt sich lange mit dem Brasilianer Maicon um die Krone des besten rechten Verteidigers des Turniers. Hatte gegen die Spanier aber mit dem überragend veranlagten Iniesta so viel zu tun, dass auch er dem Halbfinale keine Impulse geben konnte.

Wird nun den Druck spüren, dass deutsche Führungsspieler ihre Mannschaft irgendwann zu einem Titel führen müssen.

WM 2010 - Deutschland - Serbien

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14. Marko Marin

Joachim Löw ist als sehr loyaler Mensch bekannt. Er kann aber auch nachtragend sein, wenn jemand den Ansprüchen in wichtigen Momenten nicht genügt. Und so ereilte Marko Marin eine Herabstufung im Ansehen des Bundestrainers, als er das Spiel gegen Serbien drehen sollte und es nicht konnte. Dem 21-Jährigen versprang als Einwechselspieler ein paar Mal der Ball, er kam mit seinen Dribblings nicht am Gegner vorbei - und er verschwand danach auf der Ersatzbank.

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15. Per Mertesacker

Der 25-Jährige aus Hannover ist nun wirklich der Letzte, dem man den Beinamen Racheengel anhängen könnte. Einen deutschen Innenverteidiger mit solch freundlicher Gemütsruhe hat es noch nicht gegeben, seit der moderne Fußballsport von England importiert wurde. Doch nach dem Viertelfinale gegen Argentinien, sah er seinen Kritikern in die Augen und sprach leise: "Viele haben nicht mehr an mich geglaubt. Da ist es natürlich umso schöner, wenn man viele Leute hat schreiben lassen, viele Leute hat erzählen lassen, um einfach auf dem Platz die richtige Antwort zu geben."

Bumm, das saß. Und niemand, auch keiner aus diesem Münchner Verlagshaus, darf ihm widersprechen. Erholte sich erstaunlich gut von einem schwachen Auftritt gegen Serbien und einem noch viel schwächeren gegen Ghana. In den K.o.-Spielen plötzlich wieder stellungs- und passsicher, gegen Spanien der beste deutsche Abwehrmann.

WM 2010 - Argentinien - Deutschland

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16. Thomas Müller

Vielleicht war es die entscheidende Szene des deutschen Turniers: Als ein Argentinier nach 34 Minuten im Viertelfinale den Ball Thomas Müller gegen den Oberkörper köpfte und dieser dann gegen den Arm sprang. Thomas Müller erhielt die gelbe Karte - und war für das Halbfinale gesperrt. Ein Verlust, den die DFB-Elf nicht verkraftete.

Der 20-Jährige aus Oberbayern brachte selbst Engländer zum Schwärmen. Seine Geistesgegenwart, seine Anarchie im Strafraum, sein Talent, immer den am besten stehenden Mitspieler zu sehen, war eines der größten Erlebnisse dieser WM. Bundestrainer Löw sah bald ein, dass er diesen Jungen einfach laufen lassen sollte. "Ich bin ja bekannt dafür, nicht immer das zu tun, was der Trainer sagt", erklärte Müller nach dem Sieg im Achtelfinale gegen England. Damit kam er auf fünf Tore und drei Torvorlagen, ungezählte gescheite Pässe und Torschüsse. Eine Lehre dieser WM heißt: Ihr Trainer, lasst ihn laufen, den Müller!

WM 2010 - Höhepunkte - Deutschland - England 4:1

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17. Manuel Neuer

Deutsche WM-Torhüter müssen mit einer Ahnenreihe leben, die durchaus Ehrfurcht einflößt: Turek, Tilkowski, Maier, Schumacher, Illgner, Kahn, Lehmann. Der 24-jährige Manuel Neuer kam mit fünf Länderspielen nach Südafrika und war damit der unerfahrenste deutsche WM-Torwart seit Wolfgang Fahrian 1962. Doch wie cool stand dieser Neuer im Tor!

Flog beim 1:2 der Engländer etwas zu spät durch den Fünfmeterraum, sonst aber sicher, ruhig und fehlerlos als ginge er auf die 100 Länderspiele zu. Reagierte beim vermeintlichen 2:2 der Engländer so schnell, dass Schiedsrichter Larrionda vergaß, das Tor auch zu geben. Hatte sich zuvor schon in die Scorerliste eingetragen, als er bei einem Abstoß derart gegen die Kugel kloppte, dass sie über alle Engländer hinweg segelte und Miroslav Klose alleine vor dem Tor stand.

Sorry, René Adler, aber Manuel Neuer ist auf Sicht die deutsche Nummer eins.

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18. Mesut Özil

Vor dem Turnier drehte sich alles um die Superstars der WM, sie hießen Messi, Cristiano Ronaldo, Rooney, Drogba. Nach dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft gegen Australien ahnten die meisten, dass da ein junger Mann mit einem undeutschen Namen alle in den Schatten stellen könnte. "Wer ist dieser Özil?" wurden die deutschen Journalisten am Frühstückstisch gefragt.

Mesut Özil ist 21 Jahre alt und wird von nun an ein anderes Fußballerleben führen. Er wird nicht mehr in der Bremer Provinz halb unbemerkt mit seinem linken Götterfuß vor sich hin zaubern, die ganze Welt wird nun auf ihn achten, weil die Welt nun weiß, was er kann. Die Frage ist: wird er noch ein Jahr in Bremen bleiben, oder macht irgendein europäischer Großklub ein Angebot, das weder er noch Werder ablehnen können?

WM 2010: Argentinien - Deutschland

Quelle: ag.ddp

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19. Lukas Podolski

Tja, ihr lieben Kölner, was soll man nur mit diesem Kind der Stadt tun? Vielleicht behaltet ihr ihn weiterhin in eurem Klub, als Maskottchen oder Werbefigur. Aber erwartet nicht zu viel, denn bedenkt: Er spielt nur für einen Verein richtig gut: 1. FC Nationalmannschaft.

Bundestrainer Löw hatte schon vor Monaten bekundet, dass er Lukas Podolski schon auf die Beine helfen würde. Ein Erfolgserlebnis würde aus dem traurigen, kraftlosen Köln-Poldi einen fröhlichen, kraftvollen DFB-Lukas machen. Das Erfolgserlebnis kam nach wenigen Minuten gegen Australien, und es kam alles so, wie es Löw vorhergesagt hatte.

War zwar nicht die schillernde Figur in der deutschen Offensive, nahm im Schatten von Özil, Müller und Klose aber eine wichtige Rolle ein.

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20. Bastian Schweinsteiger

"Eswejnstejger", fragte Diego Maradona, "bis du nervös?" Nein, hätte man dem großen argentinischen Fußballidol zurufen müssen, Eswejnsetjger war nicht nervös. Der Mann mit dem nicht nur für argentinische Zungen unaussprechlichen Namen, hatte zwar gerade die Gauchos etwas unflätig angeredet und ihnen ein Problem mit ihrem Charakter und ihrer Mentalität unterstellt. Doch dann hat es Eswejnsetjger Maradona und seiner Albiceleste derart auf dem Platz gezeigt, dass alle Argentinier weinten, als hätte ihnen jemand das Tango-Tanzen verboten.

Schweinsteiger. Chef der Mannschaft, König des Mittelfelds, Herrscher über Ball und Gegner. Viele hatten gehofft, er könnte das Vakuum nach dem Ausfall Ballacks füllen, doch dann füllte er es nicht nur, sondern gab den Mittelfelddirigenten in vollendeter Perfektion. Ausgangspunkt der deutschen Offensivfrische, und wenn es nicht gut lief, dann kämpfte er wie ein Ochse. Einziger Feldspieler, der sich wirkungsvoll gegen die Spanier wehrte.

Germany's coach Loew talks to Tasci during a training session in Pretoria

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21. Serdar Tasci

120 Sekunden schenkte ihm Bundestrainer Löw im Spiel um Platz drei. Womit ihm das Schicksal von Lars Ricken (2002) und all den anderen Null-Minuten-WM-Männern erspart blieb. Weil er keinen Ärger machte, kriegt auch er 100.000 Euro.

Germany v Spain: 2010 FIFA World Cup - Semi Final

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22. Piotr Trochowski

Armer Piotr. Sollte er doch den Thomas mimen. Und das war nun wirklich in Südafrika nicht zu machen. Vor dem Australien-Spiel glaubten noch viele Beobachter und auch Trochowski selbst, er würde im rechten Mittelfeld seinen Platz finden. Doch dann ließ Bundestrainer Löw vermutlich Tintenfisch Paul entscheiden und der fraß das Muschelfleisch aus dem Topf mit dem Namen Müller.

Der 26-Jährige vom Hamburger SV musste dann ansehen, wie sein Konkurrent zum Kometen der WM wurde. Hatte die Chance zur Rehabilitierung, im Halbfinale gegen Spanien. Spielte aber so blass und uninspiriert, dass nach der Niederlage alle davon sprachen, wie sehr den Deutschen doch dieser Müller abging.

WM 2010 - Uruguay - Deutschland

Quelle: dpa

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23. Tim Wiese

Bemerkenswert: Der als schwieriger Charakter beschriebene Tim Wiese hielt ruhig. Er durfte sich keine Aussichten ausrechnen, in die Mannschaft zu rücken. Außer Manuel Neuer hätte sich verletzt. Und dennoch hörte man sieben Wochen lang nichts von dem durchaus gesprächigen Bremer.

Als er dann sein WM-Debüt hätte geben dürfen, ereilte ihn vor dem Spiel um Platz drei eine Schleimbeutel-Entzündung im Knie. Fast tragisch.

© sueddeutsche.de/jbe
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