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Bundesliga:Zahnstocher kauen im Abstiegskampf

FSV Mainz 05 - SC Freiburg

In der letzten Saison oft geherzt, jetzt schermzlich vermisst: Jean-Philippe Mateta (links).

(Foto: Torsten Silz/dpa)

Wo liegen die größten Probleme von Paderborn, Köln und Co.? Antworten auf die wichtigsten Fragen - und kostenlose Tipps für die Winterpause.

Erst nach acht bis zehn Spielen, so lautet eine alte Branchenweisheit, sei eine Tabelle halbwegs aussagekräftig. Nimmt man nun vor dem anstehenden achten Spieltag die Erstliga-Tabelle zur Hand, findet man diese Weisheit auf spektakuläre Weise widerlegt und bestätigt. Widerlegt, weil sie vermutlich nicht mal in Mönchengladbach oder Wolfsburg davon ausgehen, dass Mönchengladbach und Wolfsburg auch nach 34 Spieltagen noch die ersten beiden Tabellenplätze belegen. Im vorderen Drittel ist die Tabelle noch eindeutig in der Sortierungsphase. Im hinteren Drittel aber könnte sich die alte Weisheit bestätigten. Die letzten Sechs - Mainz, Augsburg, Düsseldorf, Union Berlin, Köln, Paderborn - könnten auch am Ende der Saison die letzten Sechs bilden, in anderer Reihenfolge möglicherweise. Im Vergleich zur Konkurrenz sind die finanziellen Mittel geringer, die Kader schwächer oder noch nicht gefestigt. Die SZ untersucht, wo bei den Klubs die größten Probleme liegen und wer oder was Hoffnung macht - die SZ-Tipps am Ende sind übrigens kostenlos.

13. Platz: FSV Mainz 05 (6 Punkte)

Sie wollten ihn unbedingt behalten, angeblich haben die Mainzer dafür sogar einen Transfergewinn von 20 Millionen Euro ausgeschlagen. Nein, an Offerten für Jean-Philippe Mateta, 22, dürfte es im Sommer nicht gemangelt haben, speziell die Klubs aus England sollen bereit gewesen sein, irgendwas zwischen Mond- und Marspreisen für den Franzosen zu bezahlen. Kein Wunder: Der Angreifer hatte entscheidenden Anteil daran, dass die Mainzer eine recht entspannte vergangene Saison spielten, Mateta war mit 14 Treffern ihr bester Torschütze. Mateta hat in seinem Leben nie ein Nachwuchsleistungszentrum von innen gesehen, er ließ sich auf der Straße ausbilden, das sieht man seiner unkonventionellen, wuchtigen Spielweise immer noch an. Einer wie Mateta würde für Mainz extrem wichtig sein, da hatte Sportchef Rouven Schröder im Sommer schon Recht.

Blöd nur: Vor Saisonbeginn verletzte sich Mateta schwer am Meniskus, er bestritt diese Saison noch kein Spiel, weshalb zurzeit Spieler namens Quaison und Onisiwo für Mainz stürmen. Die Klubs aus der Premier League stehen mit ihren Scheckbüchern aber angeblich immer noch bereit, sie würden Mateta sogar im Winter kaufen, ohne Spielpraxis in der Hinrunde.

Tipp für die Winterpause: Mateta keinesfalls verkaufen! Er dürfte zur Rückrunde wieder fit sein, was für Mainz einen doppelten Vorteil hätte: Mateta könnte den Klub zum Klassenverbleib und seinen Marktwert weiter in die Höhe schießen. Flankierend empfiehlt sich die Investition in einen Physiotherapeuten, der in der Rückrunde ausschließlich auf Mateta aufpasst.

14. Platz: FC Augsburg (5 Punkte)

FC Augsburg - Bayer Leverkusen

Augsburgs Torwart Tomas Koubek.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

Tomas Koubek hatte eine schwierige Aufgabe zu lösen, als er im August seine Arbeit beim FC Augsburg begann. Der FCA hat seit dem Sommer 2018 ein Problem auf der Torhüterposition, seitdem der verlässliche Schweizer Marwin Hitz lieber nach Dortmund ging, um dort auf der Bank zu sitzen. Weder Fabian Giefer oder Andreas Luthe konnten ihn ersetzen, noch der im vergangenen Winter ausgeliehene Gregor Kobel, der es zwar respektabel versuchte, aber im Sommer nach Stuttgart ging. Der für die Ablösesumme von 7,5 Millionen Euro von Stade Rennes verpflichtete Tscheche Koubek, 27, bekam dann in seinem ersten Bundesligaspiel fünf Tore in Dortmund und sah dabei nicht gerade souverän aus. Das kann passieren, allerdings soll er danach zu einem tschechischen Journalisten gesagt haben, er habe "Mischmasch im Kopf" - er konnte sich wohl nur schwer mit den Verteidigern verständigen.

Es half ihm in den Wochen danach nicht, dass die Augsburger Viererkette erst mit Ende der Transferperiode zusammengestellt wurde. Es half ihm auch nicht, dass er mit Übergewicht nach Augsburg gekommen sein soll. Und es half erst recht nicht, dass er beim 1:5 in Gladbach vor zwei Wochen das 0:4 verschuldete, weil er bei einem Rückpass über den Ball trat und ihn auch beim Zurücklaufen nicht klärte, sondern sich - vergeblich - in den Laufweg des Torschützen Plea zu legen versuchte. "Das Vertrauen ist sehr groß in ihn", sagt Trainer Martin Schmidt. Ein Torwartwechsel wäre das Eingeständnis falscher Kaderplanung. So wird es beim FCA im Kampf gegen den Abstieg auch auf Koubek ankommen. "Er ist klar gefordert", sagt Schmidt. Immerhin: Koubek hatte zwei Wochen Zeit, sich aufs Spiel gegen Bayern vorzubereiten. Zur tschechischen Nationalelf wurde er erstmals seit Jahren nicht eingeladen.

Tipp für die Winterpause: Vielleicht nicht noch mal Jens Lehmann holen, weder als Co-Trainer noch als Torwart.