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Warnstreiks auf deutschen Flughäfen:Welche Rechte Passagiere haben

Die Gewerkschaft Verdi hat für Dienstag zu Warnstreiks an mehreren deutschen Flughäfen aufgerufen. Das hat Konsequenzen für Passagiere: Können sie vom Flug zurücktreten? Welche Regelungen gelten für Pauschalreisen? Und wann gibt es Geld zurück?

Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen hat die Gewerkschaft Verdi zu Warnstreiks an allen wichtigen deutschen Flughäfen aufgerufen. Betroffen sind am Dienstagvormittag die Airports in Frankfurt am Main, München, Stuttgart, Düsseldorf, Köln-Bonn, Münster-Osnabrück, Dortmund, Hannover und Bremen sein. Aber auch an den beiden Berliner Flughäfen in Tegel und Schönefeld soll die Arbeit wegen eines anderen Tarifkonflikts niedergelegt werden.

An allen Flughäfen muss mit Verzögerungen bei der Abfertigung bis hin zu Flugausfällen gerechnet werden. Wie lange die Warnstreiks dauern, ist unterschiedlich. Während die Aktionen an den Flughäfen Frankfurt und München von 5.30 Uhr bis etwa 14 Uhr anhalten werden, kündigte Verdi am Stuttgarter Flughafen eine Auszeit zwischen sechs und elf Uhr morgens an.

Doch Passagiere sind dem Streik nicht völlig schutzlos ausgeliefert. Sie haben Rechte, auf die sie sich berufen können - in bestimmten Fällen gibt es auch Geld zurück. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

[] An wen können sich Passagiere im Streikfall wenden?

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Außerdem bieten die betroffenen Flughäfen auf ihren Websites Informationen über die aktuellen Flug- und Ankunftszeiten. Bei Daten aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

[] Welche Ansprüche haben Passagiere, wenn ihr Flug verspätet abfliegt?

Wer wegen eines Streiks auf dem Flughafen festsitzt, muss von seiner Fluggesellschaft betreut werden. Das können Betroffene gemäß der EU-Richtlinie 261/2004 erwarten: Ab zwei Stunden Verspätung haben sie Anspruch auf Leistungen wie zwei Telefonate, Getränke, Essen und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Die zweistündige Wartezeit gilt für Flüge von bis zu 1500 Kilometern. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es nach drei Stunden Unterstützung, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden.

Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere vom Beförderungsvertrag zurücktreten und eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

[] Dürfen Fluggäste auf eine Entschädigung hoffen?

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung von drei Stunden oder mehr haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen nicht.

Reiserecht-Experten zweifeln aber, ob es sich bei dem Streik um höhere Gewalt handelt. Denn anders als bei Fluglotsen sei das Bodenpersonal beim Flughafenbetreiber angestellt. Dieser müsse für einen reibungslosen Betrieb sorgen. Zudem sei der Streik absehbar gewesen. Dementsprechend bestehe unter Umständen für Passagiere doch die Möglichkeit, von den Reiseveranstaltern oder Fluggesellschaften Schadenersatz zu erhalten.

[] Welche Rechte haben Passagiere, wenn der Flug gestrichen wird?

Wird ein Flug annulliert, müssen die Airlines den Ticketpreis inklusive Steuern und Gebühren erstatten. Diese Regelung gilt außerdem, wenn der gebuchte Flug mindestens fünf Stunden Verspätung hat. Als Alternative muss die Airline dem Passagier eine Ersatzbeförderung anbieten, ihn also kostenlos auf einen anderen Flug umbuchen.