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Corona und Reisen:Reisehinweise, Quarantäne, Tests: Welche Regeln für Urlauber gelten

Auswirkungen der Reisewarnungen auf österreichische Touristenorte

Bunte Blätter, klare Luft - eigentlich wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt für einen Herbsturlaub. Aber vielerorts gelten schon wieder Reisebeschränkungen.

(Foto: dpa)

Viele Länder in Europa sind schon wieder Risikogebiet. Selbst für einen Urlaub in Deutschland kann ein Coronatest erforderlich sein. Was Touristen jetzt beachten müssen - von der Buchung bis zur Stornierung.

Von Eva Dignös

Seit 1. Oktober ist die pauschale Reisewarnung des Auswärtigen Amts aufgehoben - obwohl gleichzeitig immer mehr Regionen in Europa zu Corona-Risikogebieten werden. Auch in Deutschland steigt die Zahl der mit Covid-19 infizierten Menschen auf neue Rekordwerte. Wie passt das mit der Aufhebung der Reisewarnung zusammen? Was bedeutet das für Reisen im Herbst und Winter? Oder für Buchungen für das nächste Jahr? Und was ist mit Reisen innerhalb von Deutschland? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Beschränkungen gelten für Reisen in Deutschland?

Beim umstrittenen Beherbergungsverbot für Urlauber aus deutschen Corona-Hotspots bleibt es bei einem Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen: Bund und Länder konnten sich am 14. Oktober nicht auf eine einheitliche Linie einigen, sondern forderten die Menschen lediglich auf, "nicht erforderliche innerdeutsche Reisen" in und aus Risikogebieten zu vermeiden. Die aktuellen Beschränkungen sollen bis 8. November - dann sind überall die Herbstferien vorbei - "neu bewertet" werden.

Einige Bundesländer gestatten Reisenden aus Städten oder Landkreisen mit einer großen Zahl von neuen Infektionen die Übernachtungen in Hotels oder Ferienwohnungen weiterhin nur dann, wenn sie nachweisen können, dass sie nicht infiziert sind. Das Testergebnis darf in der Regel nicht älter als 48 Stunden sein. Andere Länder verzichten auf diese Einschränkung.

Die Kritik an den Maßnahmen, vor allem am uneinheitlichen Vorgehen der Länder, ist groß - und die Rechtslage kann sich täglich ändern: In Baden-Württemberg und Niedersachsen beispielsweise wurde das Beherbergungsverbot vor Gericht wieder gekippt, ebenso in Mecklenburg-Vorpommern, das bislang einen sehr strengen Kurs verfolgte. In Sachsen und im Saarland machten die Landesregierungen eine Kehrtwende und kündigten an, das Verbot wieder aufzuheben. Und Bayern ließ es am 16. Oktober einfach auslaufen.

Für Deutschland-Urlauber bedeutet das:

  • Sie müssen recherchieren, was an ihrem Urlaubsort gilt: Beherbergungsverbot oder nicht. Und wenn ja, für welche Städte und Kreise. Denn nicht immer trifft es automatisch sämtliche Regionen, die den Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschreiten. Die notwendigen Informationen findet man in der Regel auf den Corona-Informationsseiten der jeweiligen Landesregierungen.
  • Wer trotz Risikogebiets-Wohnsitz und Beherbergungsverbot reisen möchte, muss sich einen Test organisieren, beispielsweise beim Hausarzt oder in einer Praxis für Reisemedizin. Die Gesundheitsämter sind in diesem Fall nicht zuständig. Wichtig ist, dass das Ergebnis schnell vorliegt. Maximal 48 Stunden dürfen vergehen bis zum Check-in im Hotel. Es gilt die Uhrzeit auf dem Labor-Befund. Liegt ein Wochenende oder ein Feiertag zwischen Test und Abreise, könnte es knapp werden - wenn es wegen der Überlastung vieler Praxen und Testzentren nicht ohnehin schon unmöglich war, einen kurzfristigen Termin zu bekommen. Abstrich und Analyse kosten rund 140 Euro pro Person. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für einen Test ohne Symptome nicht, in manchen Bundesländern springt aber die öffentliche Hand ein: In Nordrhein-Westfalen dürfen sich Deutschland-Urlauber während der Herbstferien kostenlos testen lassen, Bayern finanziert seinen Einwohnern schon seit dem Sommer Tests auch ohne Husten oder Fieber.
  • Wer wegen des Beherbergungsverbots nicht reisen kann, muss stornieren. Aber was ist mit dem Geld, das für das Quartier schon angezahlt wurde, oder den Stornokosten, die der Vertrag vorsieht, wenn der Urlauber doch nicht anreist? Hier ist die Rechtslage nicht ganz so klar wie im Frühjahr, als es in ganz Deutschland den Hotels untersagt war, Urlauber aufzunehmen. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) dürfen in Deutschland keine Stornogebühren verlangt werden, wenn es objektiv unmöglich ist, die gebuchte Leistung zu erbringen - bei einem Beherbergungsverbot wäre das der Fall. Allerdings ließe es sich mit einem Coronatest umgehen. Ob ein Hotelier mit diesem Argument die kostenlose Stornierung verweigern und welcher Test-Aufwand Reisenden zugemutet werden kann, wird vermutlich noch Gerichte beschäftigen. Reiserechtsexperte Paul Degott geht allerdings nicht davon aus, dass Urlauber auf ihren Kosten sitzenbleiben. "Man kann niemanden verpflichten, einen Test zu machen", sagt er. Anders - und eindeutig - ist die Rechtslage, wenn eine Quarantäne vorgeschrieben ist, Anreise und Unterbringung aber grundsätzlich möglich sind. Dann müsse der Gast auch zahlen, sagt Degott.
  • Keine Vorschriften oder Beschränkungen gibt es nach der Rückkehr aus einem deutschen Risikogebiet. Im Unterschied zu Risikoregionen im Ausland sind weder Test noch Quarantäne vorgeschrieben. Appelliert wird allerdings an das Veranwortungsbewusstsein. Hat man viele Menschen getroffen? Dann könnte ein freiwilliger Test durchaus sinnvoll sein.

Wie sieht es mit Reisen ins Ausland aus?

Im März verhängte das Auswärtige Amt wegen der Corona-Pandemie eine globale Reisewarnung - eine Maßnahme, die es in dieser Form noch nie gegeben hatte. Ein Indiz für die Corona-Situation im jeweiligen Land war sie nur bedingt. Nicht überall war sie gleichbedeutend mit einer großen Zahl von Erkrankten: Es ging auch darum zu verhindern, dass wieder Bundesbürger wegen Einreisebeschränkungen oder Lockdowns im Ausland stranden - und dass das Virus weiterhin ungehemmt auf Reisen ging. In der Folge wurden zahllose Reisen und Flüge abgesagt, Hotels geschlossen, Pauschalurlauber konnten kostenlos stornieren. Seit 1. Oktober ist die Reisewarnung zwar aufgehoben, in der Praxis hat sich dadurch allerdings nicht viel geändert. An ihre Stelle sind differenzierte Reisehinweise für die einzelnen Länder getreten. Sie orientieren sich an der Liste der Risikogebiete - und die ist lang. Deshalb bleibt es bei Reisewarnungen für weite Teile der Weltkarte. Nun gibt es drei Bewertungsstufen - eine Art Ampelsystem also auch beim Reisen:

  • Die Ausweisung als Corona-Risikogebiet zieht immer auch die Warnung vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach sich. Derzeit stehen mehr als 130 Länder ganz oder mit einzelnen Regionen oder Städten auf der vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Liste. Maßgeblich ist der Schwellenwert von mehr als 50 neuen Infektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen. Auch Länder mit niedrigeren Zahlen können zum Risikogebiet werden, wenn die zuständigen Experten - federführend sind das Auswärtige Amt, das Gesundheits- und das Innenministerium - trotzdem eine hohe Ansteckungsgefahr sehen: Etwa wenn das Gesundheitssystem unzureichend ist oder keine verlässlichen Daten vorliegen.
  • Nicht gewarnt, aber abgeraten wird von Reisen in Länder, die zwar kein Risikogebiet sind, aber Einreisebeschränkungen oder Quarantänevorgaben für Personen aus Deutschland verhängt haben. In Europa sind das beispielsweise Finnland oder Island. Auch beliebte Fernreiseziele wie Kanada, Thailand oder Neuseeland halten ihre Grenzen noch geschlossen.
  • Bei Ländern mit niedrigen Zahlen und uneingeschränkten Reisemöglichkeiten ins und im Land sind sämtliche Warnungen aufgehoben: Das Auswärtige Amt rät nur noch zu "besonderer Vorsicht".

Welche Stufe für welches Land gilt, steht in den Länderhinweisen des Auswärtigen Amts.

Sind Reisen in Länder mit Reisewarnung verboten?

Nein, eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot. Auch schon in den vergangenen Monaten konnte seine Koffer packen, wer das wollte und ins gewünschte Land hineingelassen wurde. Zu verstehen sei die Warnung aber als "dringender Appell, entsprechende Reisen nicht zu unternehmen", heißt es beim Auswärtigen Amt. Urlauber können auch nicht mehr damit rechnen, mit deutscher Botschaftshilfe heimgeholt zu werden, wenn wegen der Pandemie die Ferien dann doch nicht so verlaufen, wie erhofft. Im März, als sich plötzlich die Grenzen schlossen, war das noch vieltausendfach geschehen. Doch nun ist man ja gewarnt - und reist deshalb auf eigenes Risiko. Pauschaltouristen können kostenlos stornieren, wenn ihr gebuchtes Ziel mit einer Reisewarnung belegt wird, Individualreisende haben dieses Recht nicht: Sie müssen mit Stornokosten rechnen. Konkrete Auswirkungen kann eine Reisewarnung auch auf den Schutz einer Auslandskrankenversicherung haben. Viele Versicherer weigern sich dann, Behandlungskosten zu übernehmen, warnt der Bund der Versicherten.

Ändern sich die Vorschriften für Tests und Quarantäne für Auslandsreisende?

Ja, aber voraussichtlich erst ab 8. November. Bis dahin sollen die Bundesländer die neue Quarantäneverordnung des Bundes umsetzen. Zunächst bleibt es also bei der Regel: Wer aus einem Risikogebiet im Ausland nach Deutschland einreist, muss entweder einen negativen Test auf Covid-19 vorweisen, der maximal 48 Stunden vor der Einreise gemacht wurde. Oder sich nach der Rückkehr testen lassen - zum Beispiel kostenlos am Flughafen - und solange zu Hause in Quarantäne bleiben, bis das negative Ergebnis vorliegt.

Das Verfahren birgt jedoch die Gefahr, dass Ansteckungen übersehen werden. Die Infektion, die von der feucht-fröhlichen Abschiedsparty am Abend vor der Abreise herrührt oder von der Fahrt im vollen Bus zum Flughafen, wird von einem Test direkt nach der Landung womöglich noch gar nicht erfasst. Nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet wird man sich deshalb ab 8. November immer auf eine Quarantäne einstellen müssen.

Die neue Musterverordnung sieht vor, dass Einreisende aus den betroffenen Regionen nach der Rückkehr für zehn Tage in Quarantäne gehen. Sie müssen sich beim Gesundheitsamt melden und dürfen frühestens am fünften Tag nach der Einreise einen Test machen. Ist das Ergebnis negativ, können sie ihre Wohnung wieder verlassen. Geplant sind außerdem digitale Einreiseanmeldungen, deren Daten zur Nachverfolgung an die Gesundheitsämter weitergeleitet werden.

Werden Pauschalreisen angeboten?

Der Reisebranche geht es schlecht, der Umsatz ist eingebrochen. Die Konzerne fordern schon lange eine Lockerung der weltweiten Reisewarnung. Zu pauschal sei sie, die Gegebenheiten vor Ort würden nicht ausreichend berücksichtigt. In afrikanischen Reiseländern wie Namibia, Kenia oder Tansania sei das Corona-Ansteckungsrisiko geringer als in Deutschland. Die Neuregelung seit 1. Oktober bringt in der Sache jedoch kaum Veränderungen. Einige Veranstalter gehen deshalb dazu über, auch Ziele ins Programm zu nehmen, für die eine Reisewarnung besteht. Der Tui-Konzern fliegt beispielsweise wieder Pauschalreisende auf die Kanarischen Inseln. "Wir wollen dem Gast die Wahl geben, ob er die Reise antreten oder kostenlos stornieren oder umbuchen möchte", sagt Tui-Sprecher Aage Dünhaupt. Die Reisenden seien versichert, falls Corona-Test, Quarantäne oder eine Corona-Behandlung nötig werden sollten. Auch bei Alltours überlässt man es den Kunden, ob sie trotz Warnung auf Mallorca oder den Kanaren Urlaub machen wollen.

Eine solche Entscheidung hat allerdings reiserechtliche Konsequenzen. Eigentlich könnte ein Pauschalurlauber wegen der Reisewarnung kostenfrei vom Vertrag zurücktreten. Fährt er trotzdem, nachdem ihn der Veranstalter über mögliche Beeinträchtigungen am Urlaubsort aufgeklärt und der Kunde sie mit der Abreise akzeptiert hat, "verliert er seinen Anspruch auf eine Preisminderung, wenn es zu entsprechenden Beeinträchtigungen kommt", erläutert Reiserechtsexperte Kay P. Rodegra. "Macht sich der Urlauber erst vor Ort Sorgen, weil er in einem Corona-Risikoland ist und will er dann doch lieber nach Hause, bleibt er auf Zusatzkosten sitzen." Denn durch die Zustimmung zur Reise greifen die eigentlich verbraucherfreundlichen Regeln des Pauschalreiserechts nicht mehr und er muss die vorzeitige Heimreise selbst bezahlen.

Können schon Reisen für das kommende Jahr gebucht werden?

Nach den Sommerferien ist vor den Sommerferien: Im Herbst setzte sich früher so mancher schon an die Reiseplanung für das nächste Jahr. Doch 2020 ist oft nicht nur der Sommerurlaub ausgefallen, auch der Blick in die Zukunft offenbart vor allem Unsicherheiten. Reiseangebote für 2021 gibt es in großer Zahl, die Reiseveranstalter locken mit Frühbucherrabatten und vergleichsweise flexiblen kostenlosen Umbuchungsmöglichkeiten bis kurz vor der Abreise. Pauschalreisende haben außerdem die Sicherheit, dass sie kostenlos stornieren und sämtliche Anzahlungen zurückfordern können, wenn ihr Ziel zum Corona-Risikogebiet erklärt wird. Individualreisende, die Anreise und Unterkunft selbst organisieren und reiserechtlich schlechter gestellt sind, sollten schon bei der Buchung darauf achten, welche Rücktrittsrechte ihnen ihr Hotelier einräumt. Vielerorts zeigt man sich derzeit nämlich kulanter als sonst.

Hat es Konsequenzen, wenn das Ferienziel für den nächsten Sommer derzeit - wie beispielsweise Mallorca - ein Risikogebiet ist?

"Eigentlich kann man das Recht zum kostenfreien Rücktritt von einer Pauschalreise nicht ausüben, wenn bei Buchung die Reisewarnung bekannt ist oder ein Land bereits als Corona-Risikogebiet gilt", erläutert Jurist Rodegra. Die entsprechenden Reisewarnungen und die Einstufung als Risikogebiet erfolgten aber nur über einen bestimmten Zeitraum und würden stets entsprechend aktualisiert, "so dass man durchaus zugunsten der Kunden davon ausgehen könnte, dass er auf eine Verbesserung der Lage Monate später vertrauen konnte". Um ganz sicher zu gehen, rät Rodegra, "im Vertrag mit dem Veranstalter eine kostenfreie Rücktrittsmöglichkeit zu vereinbaren, sollte das Ziel auch zum Reisestart noch als Risikogebiet eingestuft sein beziehungsweise wieder eingestuft werden".

Wie sieht es mit Flügen aus?

So großzügig waren die Airlines selten, wenn es um Umbuchungen ging. Die meisten Fluggesellschaften gestatten Reisenden auch kurzfristige Planänderungen, ohne dafür Geld zu verlangen. So dürfen Lufthansa-Kunden bis Ende des Jahres beliebig oft umbuchen, auch bis einen Tag vor der Abreise. Bei Eurowings ist die Umbuchung bis sieben Tage vor Abflug gratis, bei Ryanair ebenfalls, aber nur einmalig. Die Kehrseite der Medaille: Viele Verbindungen wurden überhaupt noch nicht wieder aufgenommen, selbst die Flüge, die im Flugplan stehen, finden nicht immer statt. Reisende müssen mit Annullierungen und Verschiebungen rechnen. Manche Airlines versuchen es mit alternativen Geschäftsmodellen: Singapore Airlines offeriert ein Dinner in einem A380. Mit Turbulenzen während des Menüs ist nicht zu rechnen, der Riesen-Flieger steht am Boden im Changi-Airport in Singapur. Die australische Fluggesellschaft Qantas startete am 10. Oktober zu einem "Flug nach Nirgendwo": Sieben Stunden dauert der Rundflug über Australien. Ein aus Umweltaspekten weitaus umstritteneres Projekt als das Dinner bei der Konkurrenz, die entgegen früherer Pläne doch lieber am Boden serviert.

© SZ.de/kaeb/ihe
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