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Vorwahl in den USA:Wie die Demokraten den Trump-Herausforderer küren

USA Vorwahlen 2020

Die Vorwahlen finden vom 3. Februar bis 6. Juni 2020 statt.

(Foto: Illustration: Alper Özer)
  • In den US-Vorwahlen werden vom 3. Februar bis zum 6. Juni die Präsidentschaftskandidaten der beiden großen Parteien festgelegt.
  • Während bei den Republikanern mit hoher Wahrscheinlichkeit der amtierende Präsident Donald Trump antreten wird, ist das Rennen bei den Demokraten noch offen.
  • Wir erklären Ihnen, was Sie zum Wahlsystem, zu den Kandidaten und deren Umfragewerten wissen müssen.

Nach dem 3. November 2020 ist klar, ob die Vereinigten Staaten von Amerika weiterhin vom 45. (also dem derzeitigen Amtsinhaber Donald Trump) oder von einem 46. Präsidenten beziehungsweise einer Präsidentin angeführt werden. Das wäre der Fall, wenn der Herausforderer die Mehrheit der Wahlmännerstimmen für sich gewinnen kann. Vor der eigentlichen Präsidentschaftswahl müssen Demokraten und Republikaner aber erst noch ihre Kandidaten bestimmen. Bei der "Grand Old Party", den Republikanern, wird der Kandidat wohl Trump heißen - bislang gibt es keine ernsthafte Konkurrenz. Bei den Demokraten dagegen ist das Rennen offen.

In den kommenden knapp fünf Monaten werden in allen Bundesstaaten, im Hauptstadtdistrikt und in den Territorien der USA Vorwahlen abgehalten, um die jeweiligen Kandidaten der Parteien zu bestimmen. Wir erklären Ihnen, wie Caucuses und Primaries funktionieren, welche Bewerber noch aussichtsreich im Rennen sind, und wer von diesen die besten Chancen hat, ins Oval Office einzuziehen.

So funktionieren die Vorwahlen

Um auf den Parteitagen im Sommer als Präsidentschaftskandidat aufgestellt zu werden, müssen die Bewerber in Vorwahlen in allen Bundesstaaten genug Delegiertenstimmen sammeln. Auf dem Parteitag der Demokraten Mitte Juli etwa werden 4750 Delegierte erwartet. Davon können Sie maximal 3979 Stimmen durch Delegierte aus Abstimmungen in Bundesstaaten erzielen.

Wer hier im ersten Wahlgang eine Mehrheit bekommt, also 1991 Delegiertenstimmen, ist Präsidentschaftskandidat der Partei. Sollte kein Kandidat auf Anhieb auf diese Zahl kommen, wählen in einem zweiten Wahlgang die 771 Superdelegierten mit, meist Parteifunktionäre und Amtsträger. Der Einfluss der einzelnen Bundesstaaten hängt von der Einwohnerzahl ab. Kalifornien etwa schickt 415 Delegierte zum demokratischen Parteitag. North Dakota nur 14.

Die Delegiertenstimmen werden an die einzelnen Kandidaten proportional zu deren Wahlergebnis vergeben. Teilweise geschieht das auf Ebene der Staaten, teilweise in kleinteiligeren Gebieten, die den Wahlkreisen für den Kongress entsprechen. Es gilt eine Fünfzehn-Prozent-Hürde. Wer weniger hat bekommt nichts.

Vorwahlen gibt es auch auf republikanischer Seite. Trump hat immerhin moch einen Gegenkandidaten, William Weld, früherer Gouverneur von Massachusetts. Allerdings sind die republikanischen Vorwahlen in bisher sieben Bundesstaaten abgesagt worden - wegen der offensichtlichen Chancenlosigkeit von Weld. Dort gehen alle Delegiertenstimmen automatisch an Trump.

Caucus und Primary

Die Vorwahlsysteme unterscheiden sich zum Teil erheblich. In einer Handvoll Staaten gibt es die Caucuses, die allein von den Parteien organisiert werden. Hier dürfen nur Parteimitglieder ihre Kandidaten wählen. In Iowa etwa mussten sich die Wähler an bestimmten Orten versammeln und dann dort gemeinsam ihre Stimme abgeben. Dabei gibt es in der Regel mehrere Runden: Wähler, deren Kandidat an der 15-Prozent-Hürde scheitert, können sich im nächsten Wahlgang für einen anderen Kandiaten entscheiden, so dass ihre Stimme nicht verloren geht.

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In der Regel aber kommt es zu Primaries. Diese werden von staatlichen Behörden organisiert. Es gibt geschlossene und offene Varianten. In geschlossenen Primaries dürfen registrierte Wähler einer Partei nur für einen Bewerber ihrer Partei stimmen. In offenen Primaries dürfen registrierte Wähler Kandidaten beider Parteien wählen. In beiden Varianten haben die Wähler aber nur eine Stimme.

Die Wahlbeteiligung ist meist recht gering. 2016 haben nur knapp 29 Prozent aller Wahlberechtigten an den Primaries teilgenommen. Trump haben damals etwas mehr als 14 Millionen Stimmen gereicht, um Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden. Das waren 44,9 Prozent aller republikanischen Vorwahlstimmen.

Warum der neue Super Tuesday besser ist als der alte

In diesem Jahr war der Super Tuesday so richtig super. In 14 Bundesstaaten wurden am 3. März Vorwahlen abgehalten, hinzu kamen das US-Außengebiet Amerikanisch-Samoa und die Demokraten im Ausland, die ebenfalls ihre Stimme abgeben konnten. Erstmals war mit Kalifornien der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat dabei. Kalifornien stellt mit 415 die meisten Delegierten für den Parteitag der Demokraten im Sommer. Georgia dagegen wählt nicht mehr am Super Tuesday, sondern erst am 24. März.

Das hat einigen Einfluss auf die Dramaturgie dieser Vorwahlen. Nach dem diesjährigen Super Tuesday werden bereits 40 Prozent aller Delegiertenstimmen vergeben sein, Mitte März sind es dann schon mehr als 60 Prozent. Das muss aber nicht heißen, dass dann alles klar ist. Nach dem Super Tuesday zeichnet sich abert immerhin ein Kopf-an-Kop-Rennen zwischen Bernie Sanders und Joe Biden ab.

Mit Kalifornien und ohne Georgia hat der Super Tuesday ein deutlich repräsentativeres Bild über die Gemütslage der Demokraten im Land abgeliefert als vergangene Vorwahlen. Bisher waren am Super Tuesday Staaten wie Georgia mit hohem Anteil schwarzer Einwohner überrepräsentiert. Kalifornien gleicht das aus. Die Demokraten, die am Super Tuesday 2020 ihre Stimme für ihren Lieblingskandidaten abgeben können, entsprechen mehr dem Bevölkerungsschnitt als zuvor.

Die Top-Kandidaten der Demokraten

Das Bewerberfeld ist bei dieser Präsidentschaftswahl war teilweise so groß wie nie. Zwischenzeitlich haben sich über 25 Demokraten um die Kandidatur ihrer Partei beworben. Inzwischen sind es nur noch drei. Davoin haben allein Bernie Sanders und Joe Biden realistische Aussichten, die Kandidatur zu gewinnen. Tulsi Gabbard spielt kaum noch eine Rolle im Wahlkampf. Hier die beiden Top-Kandidaten in der Übersicht:

Die folgende Grafik zeigt den Mittelwert der aktuellen Umfragen. Jeder Punkt steht für einen Umfragewert der Kandidaten. In der Berechnung sind nur Umfrageinstitute berücksichtigt, die sich in der Vergangenheit als zuverlässig erwiesen haben. Außerdem ist der Mittelwert nach dem Alter der Umfrage und der Zahl der Befragten gewichtet.

Umfragen

So steht es im Vorwahlkampf der Demokraten

Porträts aller demokratischen Bewerber finden Sie hier:

Wie stehen die Chancen gegen Trump?

Während Biden eine Politik im Sinne der Nachfolge Barack Obamas verspricht, steht Sanders für eine explizit linke Politik. Landesweit betrachtet hat in Umfragen derzeit noch Biden die besten Chancen gegen Trump. Aber da kann sich noch viel verschieben.

© SZ.de/ghe/mkoh
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