USA:Papadopoulos belog später Mueller

Wenn man sich die Schauplätze ansieht, die dabei eine Rolle spielen, wird schnell klar, warum Trump und Barr ausgerechnet die Behörden in Italien, Australien und Großbritannien um Unterstützung gebeten haben: Im Frühjahr 2016 traf ein Wahlkampfmitarbeiter von Trump, George Papadopoulos, in Rom einen mysteriösen Professor namens Joseph Mifsud, der angeblich Kontakte zum russischen Geheimdienst haben soll. Dieser soll Papadopoulos erzählt haben, dass die Russen belastendes Material über Clinton hätten, darunter auch jede Menge schädliche E-Mails.

Papadopoulos erzählte das dann später in London dem australischen Diplomaten Alexander Downer. Dieser meldete die Angelegenheit nach Hause. Mifsud ist inzwischen verschwunden. Papadopoulos belog später Mueller und musste deswegen für einige Wochen in Haft.

Als Wikileaks im Sommer 2016 begann, die Clinton-Mails zu veröffentlichten, gab die australische Regierung der amerikanischen einen Tipp. Daraufhin nahm das FBI Trumps Wahlkampfteam ins Visier und begann, einzelne Mitarbeiter abzuhören. Die Polizeibehörde wollte herausfinden, ob es zwischen Trumps Leuten und Moskau illegale Kontakte oder Absprachen gab.

In Trumps Augen war das allerdings eine Spionageaktion, durch die eine verschwörerische linke Clique in den Washingtoner Sicherheitsbehörden - der "tiefe Staat" - ihn fertigmachen wollte. Auch Justizminister Barr ist offenbar zumindest skeptisch, ob damals alles nach Vorschrift gelaufen ist. Trumps Wahlkampfteam sei "ausspioniert" worden, sagte er vor einigen Monaten im Kongress.

Auch London wurde um Mithilfe gebeten

Barr hat daher den Bundesstaatsanwalt John Durham beauftragt, zu untersuchen, ob die Ermittlungen gegen Trumps Team legal und begründet waren, oder ob dahinter - wie der Präsident meint - ein politisches Motiv steckte. Das ist zunächst einmal kein verwerflicher Vorgang. Das FBI sollte schon gute Gründe haben, wenn es mitten im Wahlkampf gegen den Präsidentschaftskandidaten der Oppositionspartei tätig wird. Zwar spricht nichts dafür, dass die Ermittlungen damals nicht korrekt gewesen sind. Aber Barr hat durchaus das Recht, das prüfen zu lassen.

Ebenso hat Barr als Minister das Recht, bei ausländischen Behörden nachzufragen, die vielleicht hilfreiche Informationen besitzen. Und er hat das Recht, den Präsidenten um Rückendeckung zu bitten. Genau das ist im Fall Australiens offenbar passiert: Trump drängte auf Barrs Initiative hin im September den australischen Regierungschef Scott Morrison, Durham und dessen Ermittlern zu helfen. Barr selbst besprach die Angelegenheit in Rom. Auch London wurde um Mithilfe gebeten.

Das kann man alles also neutral sehen, als eine Art Gesuch um Amtshilfe auf höchster Ebene. Oder man kann es als das sehen, was vermutlich war - oder zumindest auch war: ein weiterer Versuch von Donald Trump, seine Legitimität zu beweisen und die "Hexenjagd" zu entlarven, mit der er angeblich gequält wurde.

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