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Trump unter Druck:Die Akteure in der Ukraine-Affäre

Das sind die wichtigsten Protagonisten in der Angelegenheit, die US-Präsident Trump das Amt kosten könnte.

Die Impeachment-Untersuchungen gegen Präsident Donald Trump im US-Repräsentantenhaus gehen in eine neue Phase. Es gibt nun öffentliche Anhörungen. Manche Zeugen werden zum zweiten Mal angehört, diesmal vor Kameras. Schon die bisherigen Aussagen haben brisante Details hervorgebracht. Sie ergeben das Bild eines Präsidenten, der sich für allmächtig hält.

Alles dreht sich um ein Telefonat Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij vom 25. Juli 2019. Darin soll Trump seine Machtstellung gegenüber der Ukraine missbraucht haben, um Präsident Selenskij dazu zu bringen, Untersuchungen gegen Joe Biden einzuleiten. Dessen Sohn Hunter war bis April für den ukrainischen Gaskonzern Burisma tätig, gegen den zeitweise wegen angeblich krummer Geschäfte ermittelt wurde. Der Demokrat Biden ist Trumps möglicher Widersacher in der Präsidentschaftswahl 2020. Aus Sicht der Demokraten ist das Amtsmissbrauch. Die schriftliche Beschwerde eines Whistleblowers machte die Affäre bekannt. Sie ist der wichtigste Leitfaden für die Vorladung von Zeugen.

Ein Überblick über die wichtigsten Protagonisten in der Affäre:

Donald Trump

Schon allein die Bitte des Präsidenten an Selenskij, gegen den möglichen demokratischen Herausforderer Joe Biden zu ermitteln, reicht den Demokraten für ein Impeachment. Hinzu kommt, dass Trump Militärhilfe in Höhe von knapp 400 Millionen Dollar zurückhielt, die er erst freigeben wollte, wenn Selenskij öffentlich Ermittlungen gegen Biden ankündigte. Auch ein persönliches Treffen mit Selenskij im Weißen Haus soll Trump davon abhängig gemacht haben.

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Der US-Präsident wollte von Scott Morrison offenbar Infos zur Russland-Affäre. In der Ukraine-Affäre nehmen die Demokraten derweil Trumps Anwalt ins Visier.

Aus Sicht der Demokraten ist das ein klarer Fall von Amtsmissbrauch. Trump widerspricht, es habe kein Gegengeschäft, kein Quidproquo, gegeben. Das Telefonat sei "perfekt" gewesen. Er rät allen, die zusammenfassende Mitschrift des Telefonates zu lesen. In dieser ist allerdings recht klar von einem "Gefallen" die Rede, um den Trump bittet, und auch ein Gegengeschäft wird angedeutet.

Wolodimir Selenskij

Der im Frühjahr gewählte Präsident der Ukraine hatte nach seiner Amtsübernahme großes Interesse daran, sich mit den USA gutzustellen. Die USA finanzieren zu einem großen Teil die ukrainische Armee, damit diese im Donbass gegen die von Russland unterstützten Rebellen vorgehen kann. Selenskij war auch wichtig, Trump möglichst bald im Weißen Haus zu treffen, um der russischen Seite zu signalisieren, dass die USA nach wie vor zur Ukraine stehen.

Trump versuchte die Lage zu seinem persönlichen Vorteil zu nutzen, indem er die Militärhilfe und ein Treffen davon abhängig machte, dass Selenskij Ermittlungen gegen Trumps innenpolitischen Gegner Joe Biden aufnimmt. Selenskij distanzierte sich von den Debatten in den USA. Er traf Trump am Rande der UN-Vollversammlung in New York Ende September und sagte, es habe keinen Druck von Trump gegeben. Der Amerikaner nutzt den Satz seitdem zu seiner Entlastung.

Nach jüngsten Berichten stand Selenskij jedoch Anfang September kurz davor, dem Druck Trumps nachzugeben. Auch auf die Gefahr hin, die überparteiliche Unterstützung im US-Kongress zu verlieren, wollte er Trump helfen, einem politischen Gegner zu schaden. Laut ukrainischen Medien plante Selenskij, am 13. September in einem Interview mit dem US-Sender CNN bekanntzugeben, dass gegen die Bidens ermittelt werde.

Allerdings wurde Anfang September bekannt, dass Trump die vom Kongress bewilligte Militärhilfe zurückhielt. Das wurde stark kritisiert, auch aus den Reihen der Republikaner. Zwei Tage vor dem CNN-Interview ließ Trump die Militärhilfe fließen. Selenskij sagte den CNN-Auftritt ab und sagte danach, er würde niemals eine politische motivierte Ermittlung anordnen.

Der Whistleblower

Über die Person, die die Affäre ins Rollen brachte, ist wenig bekannt. Der New York Times zufolge arbeitet er oder sie für den Auslandsgeheimdienst CIA im Hauptsitz Langley, Virginia, tat aber auch Dienst im Weißen Haus. Für diesen Bericht musste die Times Kritik einstecken. Die Beschreibung lasse Rückschlüsse auf die Identität des Whistleblowers zu und gefährde die Person, hieß es.

Auch der Whistleblower soll vor dem Kongress aussagen. In geheimer Sitzung zwar, doch seine Anwälte befürchten, er könnte erkannt werden. In einem Brief an den demokratischen Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Adam Schiff, drückten sie ihre Sorge um die Sicherheit des Whistleblowers aus.

Trump wäre eigentlich rechtlich dazu verpflichtet, den Whistleblower zu schützen. Stattdessen forderte er auf Twitter, die Person zu outen und drohte ihr und anderen mit "schweren Konsequenzen". Am Rande der UN-Vollversammlung fragte er: "Wissen Sie, was wir in den alten Tagen mit Spionen und Verrätern getan haben, als wir noch schlau waren?" Sie wurden gehängt, hätte die Antwort gelautet. Inzwischen erwägen Republikaner im Kongress ernsthaft, den Namen des Whistleblowers öffentlich zu machen.

Mike Pence

Trumps Vizepräsident taucht im Anhang der Beschwerde des Whistleblowers auf. Er sollte eigentlich an der Amtseinführung von Selenskij im Mai teilnehmen. Trump pfiff ihn zurück, er wolle erst sehen, in welche Richtung Selenskij geht - pro Trump oder contra Trump. Bevor das klar sei, solle es kein Treffen auf so hoher Ebene geben.

Nach dem umstrittenen Telefonat aber hatte Pence Anfang September ein privates Treffen mit Selenskij. Er wurde einen Tag später gefragt, ob er die Sache mit Biden angesprochen habe. "Die Antwort ist Nein", sagte Pence. In früheren Aussagen hatte er klargemacht, dass es weder erbetene noch ungebetene Einflussnahmen ausländischer Regierungen auf US-Wahlen geben dürfe. Die Affäre könnte deshalb auch zu einem Loyalitätstest für Pence werden. Das Telefonat mit Selenskij hat er nicht mitgehört, wohl aber einige seiner Mitarbeiter. Pence wurde außerdem mindestens zweimal eine Zusammenfassung des Gespräches vorgelegt. Unbekannt ist, ob die Mitarbeiter ihn informierten und ob Pence die Zusammenfassungen las.

Rudy Giuliani

Der frühere Bürgermeister von New York ist seit April 2018 der persönliche Anwalt von Donald Trump. Manche sagen, er habe Trump die Idee in den Kopf gesetzt, dass es in der Ukraine Beweise gegen Joe Biden geben könnte. Giuliani soll auch glauben, dass aus der Ukraine versucht worden sei, die US-Wahl 2016 zugunsten der Demokraten zu beeinflussen. Und dass es in dem Land einen Computer gebe, der verschollen geglaubte E-Mails der früheren US-Außenministerin und Trump-Gegnerin von 2016, Hillary Clinton, enthalte.

Der Whistleblower nennt Giuliani eine "zentrale Figur" in dieser Sache. Trump habe dessen Theorien geglaubt, obwohl enge Mitarbeiter dringend warnten. Die Folge war das Telefonat mit Selenskij, mit dem die Demokraten ein Impeachment-Verfahren begründen wollen.

Giuliani könnte nach Ansicht der Demokraten auch selbst gegen das Gesetz verstoßen haben, weil er sich mutmaßlich ohne Auftrag in Regierungsangelegenheiten einmischte und mit seinem Verhalten die nationale Sicherheit gefährdete. Er erhielt eine formale "Vorladung" und muss dem Repräsentantenhaus alle Dokumente im Zusammenhang mit der Affäre aushändigen. Dieser Vorladung will er offenbar nicht nachkommen.

Joe Biden

In der Affäre spielt Biden nur eine passive Rolle. Dennoch könnte ihm das im Vorwahlkampf der Demokraten schaden. Biden will Kandidat der Partei bei der Präsidentschaftswahl 2020 werden.

Trump wollte, dass in der Ukraine gegen Biden ermittelt wird. Dieser war als Vizepräsident unter Barack Obama für die Ukraine zuständig. Zur gleichen Zeit hatte sein Sohn Hunter, ein Lobbyist, einen Posten im Verwaltungsrat des größten ukrainischen Gas-Konzerns Burisma angenommen. Gegen den Chef von Burisma wurde damals - ergebnislos - wegen Korruption ermittelt.

Wie sein Anwalt Giuliani ist auch Trump der Ansicht, dass Biden erfolgreich die Entlassung des damaligen ukrainischen Generalstaatsanwalts Viktor Schokin bewirkte, damit dieser nicht gegen Hunter Biden ermittelte. Als Beleg gilt ein Video, in dem Joe Biden damit prahlt, wie er half, dass Schokin entlassen worden sei.

Als Biden auf die Entlassung des Mannes drängte, waren die Ermittlungen gegen den Chef von Burisma aber längst gestoppt worden. Gegen Hunter Biden wurde ohnehin nie persönlich ermittelt. Außerdem hatte fast die komplette westliche Staatengemeinschaft die Entlassung von Schokin gefordert, weil dieser zu wenig gegen die grassierende Korruption im Land getan habe.

Hunter Biden

Joe Bidens Sohn nahm 2014 einen Posten im Verwaltungsrat von Burisma an, dem größten Gas-Konzern der Ukraine. Er behielt den Job bis April 2019. Angeblich bekam er dafür 50 000 Dollar im Monat. Gegen Burisma und vor allem gegen dessen Chef Mykola Slotschewskij wurde in der Zeit wegen Korruption ermittelt, nie aber gegen Hunter Biden.

Die Ermittlungen wurden ausgesetzt, nachdem Viktor Schokin das Amt des Generalstaatsanwaltes übernommen hatte. Hunter Biden sagte, es sei "schlechtes Urteilsvermögen" gewesen, sich überhaupt bei Burisma zu engagieren. Er habe sich nichts zu Schulden kommen lassen, bereue aber, nicht vorhergesehen zu haben, dass Leute wie Giuliani und Trump Verschwörungstheorien glaubten.

Mike Pompeo

US-Außenminister Mike Pompeo hätte das mutmaßlich illegale Vorgehen Giulianis stoppen müssen, unterließ dies aber. Giuliani behauptet, er habe in der Sache nichts unternommen, was er nicht vorher mit dem Außenministerium abgeklärt habe. Stimmt das, müsste auch etwas bis zu Pompeo durchgedrungen sein.

Kürzlich sagte er, die Vorwürfe gegen Biden müssten untersucht werden. Jetzt sagt er, er sei "unglücklich" mit der Rolle, die Giuliani eingenommen habe. Pompeo stritt zunächst ab, dass er den Inhalt des Gespräches zwischen Trump und Selenskij kenne, muss später aber einräumen, das Telefonat mitgehört zu haben.

William Barr

Der Justizminister der USA ist der oberste Hüter des Rechts. Idealerweise bleibt er unabhängig und lässt sich auch vom Präsidenten nichts sagen. William Barr, der seit Jahresbeginn im Amt ist, bewies, dass er sich nicht als Anwalt des Volkes, sondern in erster Linie als Anwalt des Präsidenten versteht.

Laut dem Whistleblower ist Barr verstrickt in die Ukraine-Affäre. Im Telefonat empfiehlt Trump Selenskij, gerne auf Barrs Hilfe zurückzugreifen, wenn Selenskij gegen Biden ermitteln lasse.

Im Justizministerium laufen auf Trumps Wunsch zudem Ermittlungen, um die Rolle der CIA und des FBI in der Russland-Affäre zu beleuchten. Darin wurde Trump bezichtigt, mit Russland kollaboriert zu haben, um die Wahl 2016 zu gewinnen. Sonderermittler Robert Mueller fand dafür keine eindeutigen Beweise.

Jüngst soll Trump den australischen Premierminister gebeten haben, sich mit Barr in der Sache zu unterhalten. Australische Quellen wiesen das FBI Mitte 2016 darauf hin, dass Russland der Trump-Kampagne möglicherweise belastende Informationen über Hillary Clinton angeboten habe.

Barr sei "Vertuscher der Vertuschung", meint die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Sein Justizministerium entschied zunächst, dass die Beschwerde des Whistleblowers nicht - wie vom Gesetz verlangt - umgehend an den Kongress weitergeleitet wurde. Es befand zudem, dass Trump sich keines Vergehens schuldig gemacht habe und deswegen keine weiteren Schritte nötig seien. Das alles macht Barr möglicherweise zu Trumps Komplizen. Er weist allerdings alles zurück: Er habe nie mit Trump über die Ukraine oder Biden gesprochen.

Mick Mulvaney

Als geschäftsführender Stabschef im Weißen Haus ist Mulvaney Trumps rechte Hand. Als Chef des Budget-Büros im Weißen Haus muss er zusätzlich sicherstellen, dass das Geld der Regierung an die vorgesehenen Stellen fließt.

Darunter auch etwa jene knapp 400 Millionen Dollar Militärhilfe für die Ukraine, deren Auszahlung das Weiße Haus überraschend blockierte, um, wie Zeugen berichten, Selenskij zu Ermittlungen gegen die Bidens zu bewegen. Dass es ein derartiges Gegengeschäft gab, räumte Mulvaney im Oktober unumwunden ein - um es kurz darauf zurückzunehmen.

John Bolton

Bolton gilt als harter Hund, als Falke, der lieber einen Krieg zu viel anfangen würde als einen zu wenig. Viele waren erleichtert, als er im September im Streit mit Trump seinen Posten als Nationaler Sicherheitsberater verlassen musste.

Die Ukraine-Affäre macht deutlich, dass selbst einer wie Bolton Grenzen akzeptiert. Dass sich Trump mit der Erpressung der ukrainischen Regierung einen Vorteil im Präsidentschaftswahlkampf verschaffen wollte, durchschaute Bolton schnell. Intern soll er laut Zeugenaussagen Giuliani als "Handgranate" bezeichnet habe, der alles in die Luft sprengen könnte. Er soll Mitarbeiter angewiesen haben, den Drahtziehern mitzuteilen: "Ich werde nicht mitmachen bei welcher Art von Drogendeal auch immer, den Giuliani und Mulvaney sich gerade zusammenbrauen."

Alexander Vindman

Der hochdekorierte Offizier, Sohn ukrainischer Einwanderer, ist der Direktor für europäische Angelegenheiten im Nationalen Sicherheitsrat. Als solcher hörte er das Telefonat zwischen Trump und Selenskij am 25. Juli mit. Dass der Präsident die Ukraine aufforderte, gegen Joe und Hunter Biden zu ermitteln, beunruhigte ihn. "Derartige Ermittlungen einzufordern hat nichts mit nationaler Sicherheit zu tun", sagte er vor dem Kongress aus. Er hatte seine Bedenken gegenüber höheren Stellen äußern wollen. John Eisenberg, ein Justiziar im Weißen Haus, wies ihn jedoch an, die Sache für sich zu behalten.

Nach seiner Aussage sah sich Vindman, der im Irakkrieg verwundet wurde, ehrabschneidender Kritik rechter Medien ausgesetzt. Manche bezweifelten, dass Vindman sein Land liebe und spekulierten, er könnte ein Spion der ukrainischen Regierung sein. Trump bezeichnete ihn als eindeutigen Gegner, als "Never Trump Witness".

Rick Perry

Die Rolle des Energieministers ist nicht ganz klar. Trump schickte ihn anstelle von Vizepräsident Mike Pence zur Amtseinführung Selenskijs nach Kiew. Als Energieminister hatte Perry zuvor schon Kontakte in die Ukraine. Offenbar war er überrascht, als er erfuhr, dass der Präsident ihn dafür verantwortlich machte, dass es überhaupt zu dem Telefonat zwischen Trump und Selenskij kam. "Nicht viele Leute wissen das, aber ich wollte den Anruf gar nicht machen", soll Trump vertrauten Republikanern im Kongress am Telefon gesagt haben. "Der einzige Grund, warum ich den Anruf doch gemacht habe, ist, weil Rick mich darum gebeten hat." Angeblich wegen einer Gasverflüssigungsanlage.

Perry räumt ein, dass er Trump tatsächlich mehrmals gebeten habe, mit Selenskij endlich persönlich zu reden. Dabei sei es aber sicher nicht um Ermittlungen gegen die Bidens gegangen. Perry wird zum Jahresende auf eigenen Wunsch die Trump-Regierung verlassen.

Michael Atkinson

Michael Atkinson hatte als Generalinspekteur der Geheimdienste die Beschwerde des Whistleblowers als Erster auf dem Tisch. Er kam zu einem klaren Ergebnis. Die Darstellungen des Whistleblowers seien "glaubwürdig" und zudem von "hoher Dringlichkeit". Er empfahl, die Beschwerde umgehend dem Kongress zugänglich zu machen, wie es das Gesetz für solche Fälle vorsieht. Sein Chef, Geheimdienst-Direktor Joseph Maguire, überstimmte ihn. Die Beschwerde erreichte zunächst nur das Weiße Haus und das Justizministerium. Sie wurde dem Kongress erst nach öffentlichem Druck übergeben und kurz danach öffentlich zugänglich gemacht. An Atkinson beißen sich Trumps Verteidiger die Zähne aus. Dabei wurde er von Trump selbst für das Amt nominiert.

Joseph Maguire

Als geschäftsführender oberster Koordinator der US-Nachrichtendienste landete die Beschwerde des Whistleblowers auch auf seinem Schreibtisch. Dorthin hatte sie eben Atkinson geleitet, der als Generalinspekteur der Geheimdienste die erste Anlaufstelle des Whistleblowers war. Maguire, erst seit Mitte August im Amt, sah sich in einem Konflikt. Es ging schließlich um eine sogenannte "privilegierte Konversation" zwischen dem US-Präsidenten und einer ausländischen Regierung.

Maguire leitete die Beschwerde deshalb statt direkt an den Kongress erst mal zur weiteren Prüfung an die Büros genau jener Personen weiter, die in der Beschwerde des Whistleblowers als verdächtig auftauchten: an das Weiße Haus und das Justizministerium. Er habe keine andere Wahl gehabt, sagte er in einer Anhörung vor dem Kongress. Er glaube aber: "Der Whistleblower hat das Richtige getan."

Bill Taylor

Der Top-Diplomat an der US-Botschaft in Kiew war schon unter George W. Bush Botschafter in der Ukraine und übernahm den jetzigen Posten, weil Botschafterin Marie Yovanovitch entlassen worden war. Er brachte in mehreren Textnachrichten seine Sorge zum Ausdruck, dass Trump das Wohlwollen der USA gegenüber der Ukraine von bestimmten "Ermittlungen" abhängig machen wolle. Besonders deutlich wurde er in einer SMS an den US-Botschafter in Brüssel, Gordon Sondland. Er schrieb sie, nachdem Trump Ende August kurzfristig eine Reise nach Polen abgesagt hatte, wo ein erstes Treffen zwischen Trump und Selenskij geplant gewesen war: "Sagen wir jetzt, dass unsere Sicherheitshilfe und ein Treffen von Ermittlungen abhängig gemacht werden?"

In einer weiteren Textnachricht an Sondland schrieb er Anfang September, dass die Ankündigung, Militärhilfe für die Ukraine zu blockieren, den Glauben der Ukraine in die USA "erschüttert" habe. Das sei sein "Albtraum-Szenario". Sicherheitshilfen zurückzuhalten, um einer politischen Wahlkampagne zu helfen, das sei "verrückt", schreibt Taylor.

Gordon Sondland

Sondland wurde US-Botschafter bei der EU in Brüssel, weil er im Wahlkampf 2016 großzügig gespendet hatte. Ansonsten qualifiziert den erfolgreichen Hotel-Manager kaum etwas für den Posten, den er seit Juli 2018 innehat.

Der Whistleblower zählte ihn neben Kurt Volker zu jenen, die versucht hätten, Giuliani davon abzuhalten, größeren Schaden für die nationale Sicherheit anzurichten. Er habe zusammen mit Volker der neuen ukrainischen Regierung geholfen, mit den unterschiedlichen Botschaften umzugehen, die einerseits von Giuliani, andererseits aus dem Außenministerium gekommen seien.

Vor dem Kongress sagte er aus, dass er enttäuscht gewesen sei von Trumps Anweisung, in allen Ukraine-Fragen mit Giuliani zusammenarbeiten zu müssen. Er sagte auch, dass Trump ausdrücklich kein Gegengeschäft verlangt habe. Diese Aussage korrigierte Sondland in der Abschrift seiner Zeugenvernehmung. Giuliani habe ihm klargemacht, dass der Präsident ein öffentliches Statement von Selenskij verlangt habe, gegen Korruption vorzugehen. Giuliani habe zwar die Namen Joe und Hunter Biden nicht erwähnt, wohl aber den Gaskonzern Burisma, für den Hunter Biden gearbeitet hatte.

Er habe dann Trump angerufen und um Aufklärung gebeten. Dieser habe ihm gesagt, er wolle nichts von der Ukraine. "Kein Quidproquo." Der Präsident sei in dem Telefonat "sehr schlechter Stimmung" gewesen, erinnert sich Sondland.

Trump sagte über Sondland, er kenne "den Gentleman kaum". Dabei soll Sondland es gewesen sein, der Selenskij und dessen engem Mitarbeiter Andrij Jermak eine heikle Botschaft zu überbringen hatte: Die Chance, dass die Militärhilfe ausgezahlt werden würde, sei gering, sollte Selenskij sich nicht zu einem öffentlichen Bekenntnis zu Ermittlungen durchringen.

Marie "Masha" Yovanovitch

Yovanovitch war US-Botschafterin in der Ukraine und wurde im Mai frühzeitig von ihrem Posten zurückbeordert. Eingesetzt wurde sie noch von der Regierung von Präsident Barack Obama. Trump hatte Yovanovitch in seinem Telefonat mit Selenskij als "schlechte Nachricht" beschrieben. Rudy Giuliani hatte Trump eingeflüstert, sie sei Trump gegenüber illoyal.

Offenbar wurde versucht, ihr zu unterstellen, die Familie Biden vor dem Zugriff ukrainischer Behörden geschützt zu haben. Der Verdacht hat sich nicht bestätigt. Vor dem Kongress sagte sie, dass sie wegen "unbegründeter und falscher" Behauptungen über sich gefeuert worden sei. Das State Department werde attackiert und ausgehöhlt.

Kurt Volker

Volker war bis zu seinem Rücktritt Ende September US-Sonderbeauftragter für die Ukraine mit mehr als 30-jähriger Erfahrung in der Region. Er brachte Trumps Anwalt Giuliani und Andrij Jermak, einen Vertrauten Selenskijs, zusammen. Es kam zu mindestens einem gemeinsamen Telefongespräch unter sechs Augen. Auch sein Name taucht in der Beschwerde des Whistleblowers auf.

Offen ist: Bat Volker Giuliani, Kontakt mit ukrainischen Offiziellen aufzunehmen? Das behauptet Giuliani. Oder war es Giuliani, der mit Rückendeckung von Trump und möglicherweise Pompeo Volker dazu brachte, seine Zugänge zu Selenskij mit Giuliani zu teilen? In der Beschwerde heißt es, Volker habe versucht, den Schaden für die nationale Sicherheit einzudämmen, den Giuliani sich anschickte anzurichten.

Vor dem Kongress sagte Volker aus, ihm sei zu keinem Zeitpunkt bewusst gewesen, dass es Giuliani und Trump darum gegangen sei, die Ukraine zur Ermittlungen gegen die Bidens zu bewegen. Allerdings schrieb er selbst in einer SMS: Falls Selenskij Trump davon überzeuge, dass er Ermittlungen aufnehmen werde, werde man ein Datum festsetzen für einen Besuch Selenskijs in Washington.

Lev Parnas und Igor Fruman

Die beiden US-Bürger sind Geschäftspartner von Giuliani. Parnas wurde in der Ukraine geboren, Fruman in Weißrussland. Angeblich sollen sie Giuliani geholfen haben, den Verschwörungstheorien gegen die Bidens in der Ukraine nachzugehen. Gegen beide wird wegen angeblicher illegaler Wahlkampffinanzierung ermittelt. Sie spendeten der Trump-Unterstützungsorganisation "America First Action" 325 000 Dollar, die größte Einzelsumme, die dort je eingegangen ist. Trump sagt, er kenne beide nicht und habe sie nie getroffen. Es gibt allerdings Fotos, auf denen er mit ihnen zu sehen ist. Beide waren zu einem Dinner mit Trump ins Weiße Haus eingeladen.

George P. Kent

Kent ist der stellvertretende Leiter des Büros für Europa und Eurasien im US-Außenministerium. Zu seinem Job gehört, die US-Politik gegenüber der Ukraine zu steuern. Er hatte die Aufgabe zu erklären, warum die USA kurz vor Trumps Telefonat mit Selenskij 390 Millionen Dollar an Militärhilfe für die Ukraine eingefroren hatten. Kent sagte, es habe Probleme mit den Budget-Prozessen auf US-Seite gegeben. Der Vorgang gilt als Indiz dafür, dass Trump mit Verweis auf die ausstehenden Hilfszahlungen womöglich den Druck auf Selenskij erhöht hätte, wenn dieser sich geweigert hätte, Ermittlungen gegen Biden anzustoßen.

T. Ulrich Brechbuhl

Brechbuhl ist ein strategischer Berater des US-Außenministeriums. Er soll zu den wenigen Personen gehören, die das Telefonat zwischen Trump und Selenskij mitgehört haben, schreibt der Whistleblower in seiner Beschwerde.

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