Röttgen-Rauswurf – Franz Josef Jung

Die Karriere

Seit jeher gilt der 1949 geborene Jung auf bundespolitischer Ebene als Verlegenheitslösung. Als Mainzer Jurastudent zieht er für die CDU 1972 in den Kreistag des Rheingau-Taunus-Kreises ein, ab 1983 ist er Mitglied des hessischen Landtags. Unter Ministerpräsident Roland Koch wird Jung im April 1999 Europa-Minister und Chef der Staatskanzlei. Zu Beginn von Kochs Regierung schwappt die Spendenaffäre der Bundes-CDU nach Hessen über. Jung tritt als Chef der Staatskanzlei zurück - und nimmt so seinen Freund Roland Koch aus der Schusslinie. Koch ist Jung nun etwas schuldig - und schafft es, den kaum bekannten Landespolitiker bei Kanzlerin Angela Merkel 2005 als Verteidigungsminister durchzudrücken. Doch auch in diesem Amt bleibt Jung glücklos: Er wirkt meist unsicher und uninformiert.

Die Gründe für den Rücktritt

Im September 2009 hatte Jung als Verteidigungsminister den Luftangriff auf zwei Tanklaster im nordafghanischen Kundus zu verantworten, bei dem zahlreiche Zivilisten verletzt wurden und starben. Jung behauptete zunächst, nur Taliban seien bei dem Angriff getötet worden - eine Informationspolitik, die ihm zum Verhängnis wird. Nach der Bundestagswahl im Oktober 2009 wird er Bundesarbeitsminister - nachdem dann jedoch die wahren Umstände des Kundus-Angriffs bekannt werden, tritt er nach nur 33 Tagen im Amt zurück.

Was macht er heute?

Jung ist weiterhin Bundestagsabgeordneter. Er ist weiter als Rechtsanwalt in seiner Eltviller Kanzlei tätig. 

Bild: ddp 16. Mai 2012, 18:362012-05-16 18:36:00 © sueddeutsche.de/aho/ehr