Youtube:Lost wie Laschet

Lesezeit: 2 min

YouTuber Rezo

Die breite Masse kennt Rezo wohl seit 2019, als er mit dem Video "Zerstörung der CDU" viel Aufmerksamkeit erregt hatte.

(Foto: dpa)

Rezo kritisiert in einem neuen Video die Politiker fast aller Parteien. Doch vor allem an einem Kandidaten arbeitet sich der Videoblogger ab.

Von Thorsten Schmitz

Und wieder Rezo: Auch jetzt klagt der Blogger an und ... regt sich in einem neuen Video vorwiegend über Politikerinnen und Politiker der Unionsparteien auf, vor allen über Kanzlerkandidat Armin Laschet und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. In einer Sprache, die Lichtjahre entfernt ist vom oft emotionslosen, abwägenden Politikersprech, klagt Rezo an die alte Garde der Politiker an - und "wer verkackt hat". Im typisch atemlosen Rezo-Stakkato zählt der Videoblogger die Verfehlungen von Politikerinnen und Politikern auf, deren "Respektlosigkeiten und klare Unwahrheiten der Bevölkerung gegenüber" und wie "illegale Aktivitäten von Politikern nicht bekämpft, sondern geschützt" würden.

Zwei Jahre nach dem Aufsehen erregenden Video von Rezo "Die Zerstörung der CDU" hat der 29-Jährige mit der knallblauen Mähne am Wochenende erneut ein Aufreger-Video veröffentlicht. Titel diesmal: "Zerstörung Teil 1: Inkompetenz". Schon nach wenigen Stunden hatte der neueste Clip von Rezo, der Samstagabend viral ging, bereits mehr als 700 000 Aufrufe.

"So lost kann man gar nicht sein" wie Laschet

Vor allem Kanzlerkandidat und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bekommt eins drauf. Rezo zeigt einen lächelnden Laschet während einer Pressekonferenz zur Hochwasserkatastrophe und sagt, so ein Lachen sei "inakzeptabel", kritisiert er, wie auch andere Kommentatoren zuvor. "So lost kann man gar nicht sein", sagt Rezo, und zitiert Laschets widersprüchliche Aussagen zu Steuerentlastungen von Unternehmen. Ob der Kanzlerkandidat nur falsch gebrieft werde oder unehrlich sei - für Rezo ist beides genauso schlimm.

Auch an Julia Klöckner, der "Königin der PR-Fails" lässt er kein gutes Haar. Wie Rezo sich da so in Rage redet, wirkt er sehr authentisch, nie floskelhaft. Nur wenige Wochen vor der Bundestagswahl peitscht er Themen wie Glasfaserausbau, Urheberrechtsreform, Steuerentlastung und Kohleausstieg durch, fast immer sind CDU-Politiker sein Angriffsziel, aber auch vor den Grünen macht er nicht halt. Er blendet das Gruppenfoto von Annalena Baerbock inmitten vieler grüner Berliner Mitkämpferinnen ein. Das Bild sollte die Frauenpower der Partei illustrieren, hinterher wurde bekannt, dass man die Männer aus dem Foto wegkopiert hatte. "Why?" fragt Rezo verzweifelt in die Kamera.

Sein Anklageclip fällt in eine Zeit, in der sich Politiker aller Couleur für Fehltritte, Respektlosigkeiten, Irrtümer und auch bewusst in Kauf genommenes Fehlverhalten rechtfertigen müssen. Da hat er ziemlich leichtes Spiel. Aber spätestens, wenn man an seine Zielgruppe, junge Leute wie ihn, denkt, wird auch die Relevanz deutlich. Oder in Rezos Worten: "Es geht um Entscheidungen, die darüber bestimmen, ob wir in Zukunft noch sinnvolle Lebensgrundlagen haben."

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