Reparationen für Nazi-Gräuel Wo die Nazis besonders wüteten, soll Geld in die Infrastruktur fließen

Völkerrechtlich hat Griechenland kaum Aussichten auf Zahlungen. Zur "Wiedergutmachung" für NS-Unrecht schloss die Bundesrepublik Ende der Fünfzigerjahre "Globalentschädigungsabkommen" mit zwölf westlichen Ländern ab, mit Griechenland einen Vertrag 1960.

Die Londoner Schuldenkonferenz hatte das Thema deutscher Reparationszahlungen im Jahr 1953 auf die Zeit nach einem Friedensabkommen verschoben. An dessen Stelle trat dann 1990 der Zwei-plus-Vier-Vertrag zur deutschen Wiedervereinigung, darin spielten Reparationen keine Rolle mehr. Auf dieser Basis lehnt die Bundesregierung sie kategorisch ab.

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So antwortete auch Gauck seinem 85-jährigen griechischen Kollegen Karolos Papoulias auf den Wunsch, endlich über Reparationen und die alte Anleihe zu reden, eindeutig, wenn auch darum bemüht, nicht zu harsch zu klingen: "Ich kann darauf nur antworten, dass ich meine, der Rechtsweg dazu ist ausgeschlossen."

Der Zukunftsfonds ist schon wieder Geschichte

Sollte sich Gauck vor dem Besuch durch alte Akten gelesen haben, dürfte ihm aufgefallen sein, wie über die Jahre hinweg Bitten aus Athen in der Sache teils recht brüsk abgewiesen wurden. Nur einmal zahlte Deutschland bislang an Griechenland: In den 60er Jahren, 115 Millionen DM, im Rahmen eines Abkommens mit westlichen Staaten, für individuelle Entschädigungen, vor allem für jüdische Opfer.

Gauck hatte nach Athen aber doch etwas mitgebracht: die Idee eines deutsch-griechischen Zukunftsfonds. Mit einer Million pro Jahr ausgestattet, sollen vier Jahre lang "wissenschaftliche und gesellschaftliche Aktivitäten zur historischen Aufarbeitung der Weltkriegsereignisse" gefördert werden, als "Signal des Miteinanders und Füreinanders". In einigen Gemeinden, in denen die Nazis besonders schlimm gewütet hatten, wie in Kalavryta, soll es Zuschüsse für Infrastrukturprojekte geben.

Hagen Fleischer hat auch ein Projekt für den Zukunftsfonds. Eines, bei dem man sich nun beeilen müsste: ein Zeitzeugenarchiv. Gauck nannte dies eine wichtige Initiative bei seinem Auftritt im Präsidentenpalast in Athen. "Wir wollten 100 Menschen befragen", sagt Fleischer, nicht nur aus den Massaker-Dörfern, sondern auch Griechen, die nach dem Krieg die deutsch-griechischen Beziehungen wieder aufbauten.

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Aber ausgerechnet dieses Projekt ist "irgendwo in der Bürokratie" verschwunden, wohl weil das Geld nicht reichte. 1,2 Millionen Euro sollte es kosten, das Auswärtige Amt hatte 700 000 Euro zugesagt, eine griechische Stiftung 100 000. "Jetzt sind leider schon die ersten, die auf unserer Interview-Liste standen, gestorben", sagt Fleischer.

Immerhin bewegt sich etwas bei einem weiteren Projekt, das auch auf Gauck zurückgeht: Das Familienministerium von Manuela Schwesig (SPD) erarbeitet zusammen mit den Griechen Pläne für ein gemeinsames Jugendwerk, für "Theater- oder Musikprojekte, Sport, Gedenkstättenarbeit, Umweltprojekte, schulischen Austausch oder Praktika". Wie die neue Regierung in Athen das Projekt betrachtet, ist noch ungewiss.

Die deutsche Seite will dennoch Tempo machen, so heißt es aus dem Ministerium: "Nach den bisherigen Planungen ist die Errichtung des Jugendwerks für das Jahr 2016 vorgesehen."

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