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Presseschau:Frauke Petry - "Eine grinst, viele gruselt's"

Deutschland sei "geschockt" vom AfD-Erfolg. Das Ergebnis sei ein "Erdbeben, das dauerhafte Folgen haben wird". Was die Presse zu den Wahlen schreibt.

Von Julia Ley

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"Berliner Kurier": "Brutalisierung der politischen und gesellschaftlichen Diskussion"

BLK Landtagswahlen

Quelle: Berliner Kurier

"Das Parteiensystem hat sich weiter aufgefächert. Die Zeiten der CDU/SPD-Dominanz sind endgültig vorbei. Fünf- oder Sechs-Parteien-Parlamente zwingen zu ungewöhnlichen Koalitionen. Warum auch nicht? Kompromisse unter Demokraten sind ein Kern der Demokratie. Was allerdings nach diesen Wahlkämpfen bleibt, ist die menschenfeindliche Brutalisierung der politischen und gesellschaftlichen Diskussion. Daran wird das Land noch lange zu leiden haben."

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"taz": "ein kurioses Missverständnis"

Landtagswahlen März 2016

Quelle: taz

"Die Rechtspopulisten sind zwischen Bitterfeld und Magdeburg eher eine Luftbuchung, die durch rhetorische Ausfälligkeiten aufgefallen ist, wenn überhaupt. Doch aus dem Stand haben nahezu so viele Menschen die Rechtsalternativen gewählt wie Linkspartei und SPD zusammen. Es erscheint als geradezu kurioses Missverständnis, dass fast die Hälfte der AfD-Wähler sich von den Rechten mehr soziale Gerechtigkeit erhofft - von einer Partei, die Hartz IV und den Spitzensteuersatz senken und den Mindestlohn gleich ganz abschaffen will."

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"Handelsblatt": "Ein Weiter-so ist keine Option"

Landtagswahlen

Quelle: HB

"CDU und SPD müssen diese Wahlen als Weckruf begreifen. Als Warnsignal einer zutiefst verunsicherten und von der Politik enttäuschten Gesellschaft. Ein Weiter-so ist keine Option. Längst spüren die Bürger, dass nicht nur die Integration von einer Million Flüchtlingen eine große Belastungsprobe wird. Die neuen Herausforderungen haben in breiten Schichten der Bevölkerung eine gefährliche Zukunftsangst entstehen lassen, nicht nur am unteren Rand der Gesellschaft. Die Angst vor der Überforderung."

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"Berliner Morgenpost": Angela Merkel ist die Verliererin dieser Wahlen

Landtagswahlen

Quelle: Morgenpost

"Ganz offensichtlich hat das Chaos um die Flüchtlinge die Volksparteien gewaltig unter Druck gesetzt. Und dabei hat es die Kanzlerin ganz besonders erwischt. Angela Merkel ist die Verliererin dieser Wahlen. Dass es die sogenannte Alternative für Deutschland jetzt in alle drei Parlamente geschafft hat, mag man zu Recht beklagen. Der Untergang des Abendlandes wird daraus sicher nicht folgen."

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"Bild": Lange hat kein Kanzler gegen die eigene Partei regieren können

Landtagswahlen März 2016

Quelle: BILD

"Als Partei-Chefin hat Merkel an diesem Super-Qual-Sonntag eine krachende Niederlage erlitten. Doch ihre Haltung in der Flüchtlingskrise wurde nicht abgestraft. Loyal auf Kurs waren Malu Dreyer (SPD) und Winfried Kretschmann (Grüne) - und haben gewonnen. Merkel wird bei ihrer Linie bleiben. Der Preis: eine tief gespaltene Union. Dort lauert für Merkel die eigentliche Gefahr: Lange hat noch kein Kanzler in Deutschland gegen die eigene Partei regieren können."

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"Rhein-Zeitung": "Zwei Worte: Malu Dreyer"

Landtagswahlen

Quelle: Rhein-Zeitung

"Das Programm der SPD hatte zwar 50 Punkte, letztlich verdichtete sie es aber auf zwei Worte: Malu Dreyer. Julia Klöckner hingegen wird sich Kritik gefallen lassen müssen. Im Wahlkampf trat sie elfmal gemeinsam mit der Kanzlerin auf - in den Medien aber setzte sie sich bei der Flüchtlingspolitik merklich von Merkel ab. Dafür oder dagegen oder von beidem etwas? Wähler wollen Klarheit."

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"Berliner Zeitung": Erstaunlich viel Kontinuität

Landtagswahlen März 2016

Quelle: BLZ

"Neben der Erschütterung durch die AfD geht aus diesen Wahlen doch erstaunlich viel Kontinuität hervor. Der Grüne Winfried Kretschmann bleibt Ministerpräsident. Die SPD regiert weiter in Rheinland-Pfalz und der CDU-Mann Haselhoff in Sachsen-Anhalt. Und die Kanzlerin? Alle Wahlsieger haben ihre Flüchtlingspolitik unterstützt. Sie - und aus eigenem Verschulden nicht ihre Partei - hat bei diesen Wahlen gewonnen."

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"FAZ": "Menetekel für die Sozialdemokratie"

Landtagswahlen März 2016

Quelle: FAZ

"In Baden-Württemberg, das neben Bayern die Rolle Nordrhein-Westfalens als industrielles Herz Deutschlands übernommen hat, auf nur knapp mehr als zehn Prozent zu kommen, ist für die Zukunftsaussichten der Sozialdemokratie ein Menetekel.

Zwar war sie im Südwesten noch nie sehr stark, musste die CSU-ähnliche Dominanz der CDU ertragen und wirkte deshalb ähnlich sektiererisch wie in Bayern. In dieser langen Zeit der Opposition ist es ihr aber offenbar nicht gelungen, eine andere, ebenfalls als sektiererischer Club gestartete Kraft, die Grünen, daran zu hindern, ihr die Rolle der zweiten Volkspartei streitig zu machen.

Will die SPD im Bund wieder etwas werden, wird sie die Lehren daraus ziehen müssen, dass sie in Baden-Württemberg auf eine 'verlorene Generation' zurückblickt, sowohl im Parteiapparat als auch unter den Wählern."

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"El País": "Eine schlechte Nachricht für Europa"

Landtagswahlen

Quelle: El Pais

Zum Ausgang der Landtagswahlen schreibt die linksliberale spanische Zeitung El País:

"Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde von den Wählern abgestraft. Der Vormarsch der ausländerfeindlichen und euroskeptischen AfD bedeutet ein politisches Erdbeben, das durch die Flüchtlingskrise ausgelöst wurde. Für Deutschland und das übrige Europa sind die Wahlergebnisse eine sehr schlechte Nachricht."

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"Rossijskaja Gaseta": Über das Recht auf nationale Identität abgestimmt

Rossijskaja Gaseta Landtagswahlen März 2016

Quelle: Rossijskaja Gaseta

Die russische Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta schreibt:

"Die Deutschen haben über Ehrlichkeit oder Prinzipienlosigkeit in der Politik abgestimmt, über das Recht auf nationale Identität, darüber, dass Deutschland ein 'ehrlicher Makler' in Europa ist und nicht am 'Rockzipfel der USA' hängt, wie es manche Kritiker behaupten.

Sie hatten die Wahl zwischen Politikern, die in Bezug auf die Migranten mit gesundem Menschenverstand auftreten, und solchen, die aus humanistischen Idealen bereit sind, ihr eigenes Land zu zerstören und die eigene Bevölkerung zu Bedienungspersonal für Millionen Migranten zu machen."

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"Tages-Anzeiger": "Eine historische Zäsur"

Landtagswahlen

Quelle: Tagesanzeiger

Zum Wahlerfolg der AfD heißt es im Schweizer Tages-Anzeiger:

"Der Erfolg der AfD bringt eine historische Zäsur. Das Trauma der Nazivergangenheit hatte zur Folge, dass rassistische und nationalistische Kräfte in Deutschland während sechs Jahrzehnten erfolgreich stigmatisiert wurden. Die Eliten unternahmen alles, um zu verhindern, dass sie sich in einer großen Partei am rechten Rand organisieren. Dieses Tabu ist Geschichte."

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"Dagens Nyheter": "Erdbeben, das dauerhafte Folgen haben wird"

Dagens Nyheter Landtagswahlen

Quelle: Dagens Nyheter

Die liberale schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter schreibt zum Erfolg der Alternative für Deutschland bei den Landtagswahlen:

"Die Deutschen sind am Montagmorgen in einem Land aufgewacht, das nach den drei Landtagswahlen am Sonntag nicht mehr dasselbe ist. Der Wahlsieg für die Alternative für Deutschland gleicht einem Erdbeben, das dauerhafte Folgen haben wird."

© SZ.de/dpa/fued
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