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Mögliche Wulff-Nachfolger:Bundespräsident verzweifelt gesucht

Integer sollte er sein, um verlorenes Vertrauen in das Amt wiederzugewinnen. Er sollte über ein staatsmännisches Auftreten verfügen und in wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen Stellung beziehen - und am besten auch noch weiblich sein. Doch wer erfüllt die hohen Ansprüche an das Amt des Bundespräsidenten?

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Bundespräsident Wulff zurückgetreten

Quelle: dpa

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Integer sollte er sein, um verlorenes Vertrauen in das Amt wiederzugewinnen. Er sollte über ein staatsmännisches Auftreten verfügen und in wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen Stellung beziehen. Doch wer erfüllt die hohen Ansprüche an das Amt des Bundespräsidenten?

Es ist der 17. Februar 2012, kurz nach elf Uhr, Christian Wulff tritt in Schloss Bellevue vor die Presse und verkündet seinen Rücktritt. Das Amt des Bundespräsidenten ist nun vakant - doch mögliche Nachfolger sind bereits im Gespräch. Stimmen Sie ab: Welcher der Kandidaten ist am besten geeignet als deutsches Staatsoberhaupt?

Frank-Walter Steinmeier SPD

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Mögliche Wulff-Nachfolger:Frank-Walter Steinmeier

2009 unterlag er als Kanzlerkandidat der SPD noch Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) - mittlerweile kennt Frank-Walter Steinmeier nur noch eine Blickrichtung: nach oben. Für die Bundestagswahl 2013 wird der Franktionsvorsitzende der Sozialdemokraten erneut als Spitzenkandidat seiner Partei gehandelt. Doch warum sich damit zufrieden geben, die Nummer zwei werden zu können, wenn derzeit das höchste Amt im Staat frei ist? Repräsentative Pflichten hat der 55-Jährige bereits als Außenminister der großen Koalition wahrgenommen - und der SPD-Mann zählt aktuell zu den beliebtesten Politikern des Landes.

De Maiziere in den USA

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Mögliche Wulff-Nachfolger:Thomas de Maizière

Wer so lässig durch den heißen Wüstensand schlendert - und das im schwarzen Anzug - den bringen auch die Pflichten eines Bundespräsidenten nicht ins Schwitzen. Oder? Verteidigungsminister Thomas de Maizière müsste dafür nur den Bendlerblock gegen Schloss Bellevue tauschen. Bereits zum Jahreswechsel - als die Kritik an Christian Wulff nicht abreißen wollte - wurde der CDU-Politiker als nächstes Staatsoberhaupt gehandelt. Der 58-Jährige gilt als untadelig - vielleicht hat er auch deshalb zu den Karrieregerüchten bislang geschwiegen. Es gehört sich schließlich nicht, einem angeschlagenen Parteifreund in den Rücken zu fallen.

Statement zu 'Neue Finanzmarktarchitektur'

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Mögliche Wulff-Nachfolger:Wolfgang Schäuble

Gemeinsam mit Angela Merkel hat er Deutschland vergleichsweise unbeschadet durch die Krise manövriert: Finanzminister Wolfgang Schäuble. Der 69-Jährige bewegt sich seit Jahrzehnten in höchsten politischen Kreisen, war bereits vor der Wende mit einem Ministeramt betraut. Selbst die CDU-Spendenaffäre, bei der Schäuble eine zentrale Rolle spielte, konnte ihm nicht nachhaltig schaden. Warum also nicht, wird sich der gebürtige Freiburger vielleicht denken, eine erfolgreiche Polit-Karriere in Schloss Bellevue ausklingen lassen? Nur die FDP, die fände die Idee eher nicht so lustig. Schäuble haben es die Liberalen zu verdanken, dass aus den Steuersenkungen nie etwas wurde.

IdeenExpo 2011

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Mögliche Wulff-Nachfolger:Ursula von der Leyen

Mittlerweile steht sie dem Arbeitsministerium vor, doch Ursula von der Leyen ist vor allem als Familienministerin im Gedächtnis geblieben: In diesem Amt hat sie viel bewegt, unter anderem das Elterngeld trägt ihre Handschrift. Während Kristina Schröder noch immer damit kämpft, die Fußstapfen ihrer Vorgängerin zu füllen, könnte diese schon zum nächsten Sprung ansetzen. Womöglich braucht es eine Frau, um das höchste Staatsamt in Deutschland zu rehabilitieren: Doch ist diese Frau Ursula von der Leyen? Bereits nach dem Rücktritt von Horst Köhler war die CDU-Politikerin als Nachfolgerin im Gespräch - am Ende zog Christian Wulff an ihr vorbei. Vor allem deshalb, weil sie sich in ihren Ministerämtern viele Gegner gemacht hat. Zu viele, als dass sich Merkel sicher sein konnte, von der Leyen in der Bundesversammlung spätestens  im dritten Wahlgang durchzubekommen.

Newly sworn-in German President  Wulff,  his wife Bettina,  Joachim Gauck and his partner Daniela Schadt attend the summer reception at the presidential residence Bellevue palac in Berlin

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Mögliche Wulff-Nachfolger:Joachim Gauck

Rechts im Bild: der zehnte Bundespräsident Christian Wulff nebst Gattin Bettina. Links daneben: der elfte Bundespräsident Joachim Gauck und die neue Bundespräsidentengattin Daniela Schadt? Bereits 2010 bewarb sich der Namensgeber der Gauck-Behörde um das höchste Staatsamt - und bereitete Wulff bei der Abstimmung in der Bundesversammlung größere Probleme als mancher Beobachter vermutet hätte: Erst im dritten Wahlgang konnte sich der Merkel-Kandidat die nötige Mehrheit der Stimmen sichern. Danach galt Gauck als Bundespräsident der Herzen. Eher unwahrscheinlich, dass Merkel ihn als Kandidaten akzeptieren kann.

Karneval im Bundestag

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Mögliche Wulff-Nachfolger:Norbert Lammert

Ein Küsschen für die Karnevalsprinzessin: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) ist ein Politiker, der es offenkundig versteht, öffentliche Auftritte zu zelebrieren. Und reden kann er wie kein Zweiter. In seinem aktuellen Amt hat er auch ernste Situationen mit einer gewissen Prise Humor gemeistert. Seine Integrität steht außer Zweifel. Einziges Handicap: Sein Amt versteht er strikt überparteilich. Er rügt auch Parteifreunde, wenn die sich im Bundestag daneben benehmen. Auch Kritik an der CDU war von ihm schon deutlich zu vernehmen. Das dürfte bei einigen die Freude über eine mögliche Kandidatur Lammerts erheblich dämpfen. 

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Quelle: AFP

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Mögliche Wulff-Nachfolger:Klaus Töpfer

Die SPD soll ihn schon nach dem überraschenden Rücktritt von Horst Köhler 2010 gefragt haben, ob er als Bundespräsident zur Verfügung stünde: Klaus Töpfer, CDU-Politiker, soll damals nicht abgeneigt gewesen sein, machte aber wohl die Zustimmung der Kanzlerin zur Voraussetzung für eine Kandidatur. Doch Angela Merkel schwieg sich aus und so wurde es wieder ruhig um den Christdemokraten. Die Referenzen des 73-Jährigen? Er war Bundesumweltminister im Kabinett von Helmut Kohl und danach lange Jahre Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Er gehört zu den wenigen CDU-Männern, die auch von den Grünen akzeptiert werden könnten.

© Süddeutsche.de/jobr/rus
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