Midterms in den USA:Klare Entscheidung in Pennsylvania

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Midterms 2022: John Fetterman, Gouverneur von Pennsylvania

Neu zum Senator der Demokraten gewählt: John Fetterman.

(Foto: Jeff Swensen/AFP)

John Fetterman siegt, und mit ihm können die Demokraten einen Platz im Senat dazugewinnen. Ist für Bidens Regierung doch noch nicht alles verloren?

Von Nicolas Freund

Was die Senatswahl angeht, ist Pennsylvania ein sogenannter Flip-State, also ein Bundesstaat, in dem ein Wechsel stattgefunden hat. Schon im Vorfeld sahen die beiden Kandidaten so aus, als hätten sie die Rollen getauscht: Der ehemalige Bürgermeister und Kandidat der Demokraten, John Fetterman, erinnert mit seinem struppigen Kinnbart, den tätowierten Unterarmen und den zu großen Kapuzenpullovern an die Anhänger der Republikaner, die im Januar 2021 versucht hatten, das Kapitol in Washington zu stürmen.

Er trat gegen den Fernseharzt Mehmet Oz an, Kind türkischer Einwanderer mit doppelter Staatsbürgerschaft und Abschlüssen aus Harvard sowie von der ebenfalls sehr angesehenen University of Pennsylvania - ein Lebenslauf, der auch gut zu einem demokratischen Kandidaten passen würde.

Beide bewarben sich um die Nachfolge des republikanischen Senators Patrick Toomey und gegen halb zwei Uhr nachts Ortszeit war klar, dass sich der Demokrat Fetterman mit 2,5 Prozentpunkten Vorsprung klar durchgesetzt hatte.

Das ist eine kleine Sensation, denn damit geht ein neuer Sitz im Senat an die Demokraten - prognostiziert waren eher Zugewinne für die Republikaner. Zuletzt waren die 100 Sitze im Senat genau zur Hälfte zwischen Demokraten und Republikanern verteilt gewesen, wobei die entscheidende Stimme der Vizepräsidentin Kamala Harris zufiel, womit die Demokraten praktisch eine hauchdünne Mehrheit hatten. Es könnte sein, dass sie diese nun sogar noch festigen konnten anstatt sie an die Republikaner zu verlieren. In vier weiteren Staaten werden derzeit noch die Stimmen ausgezählt, in zwei liegt der demokratische Kandidat vorne, in zwei der republikanische.

USA: Republikaner Mehmet Oz

Der republikanische Kandidat und TV-Arzt Mehmet Oz hat das Kopf-an-Kopf-Rennen verloren.

(Foto: Matt Rourke/AP)

Der Wahlkampf und die Prognosen in Pennsylvania hatten zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Kandidaten vorhergesagt. Noch im September führte Fetterman in den Umfragen deutlich, zuletzt hatte Oz aber stark aufgeholt. Auch deshalb kamen US-Präsident Joe Biden und Ex-Präsident Barack Obama im Wahlkampf eigens nach Pennsylvania, um Fetterman zu unterstützen.

Ein Kandidat erlitt einen Schlaganfall, der andere ist mit fragwürdigen Covid-19-Empfehlungen aufgefallen

Im Vorfeld war das Rennen zwischen den beiden dann etwas dreckig geworden, als Oz Fetterman wegen eines Schlaganfalls, den dieser erlitten hatte, die Eignung für das Amt absprach. Umgekehrt wurde Oz von Fettermans Kampagne vorgeworfen, bis 2020 gar nicht in Pennsylvania, sondern in New Jersey gelebt zu haben.

Wegen der besonderen Vorgeschichten der beiden war unter anderem die Medizin im Wahlkampf ein großes Thema. Oz fiel während der Corona-Pandemie mit fragwürdigen Empfehlung zum Umgang mit Covid-19 auf, was ihm unter anderem die Aufmerksamkeit von Donald Trump einbrachte.

Auch schon vorher waren ihm wegen Werbung für eine angebliche Diät-Pille und anderer unbelegter Aussagen in seiner Fernsehshow Unwissenschaftlichkeit und falsche Behauptungen vorgeworfen worden. Fetterman dagegen sagte in der Nacht, nachdem sein Sieg bekannt geworden war, wegen seiner eigenen Vorgeschichte wolle er sich für einen Zugang zu medizinischer Versorgung als Grundrecht einsetzen. Auch das Recht auf Abtreibung wolle er schützen.

Der Sieg Fettermans über Oz ist bemerkenswert, weil Oz trotz mancher wilden Aussagen in vielerlei Hinsicht gemäßigte republikanische Positionen vertritt oder teilweise sogar solche, die man eher den Demokraten zuschlagen würde. Dass Fetterman sich trotzdem gegen den favorisierten Republikaner durchsetzen konnte, kann auch als Signal verstanden werden, dass viele Wähler in Pennsylvania grundsätzlich eine demokratische Ausrichtung der amerikanischen Politik wollen - auch wenn ihnen die Position des republikanischen Kandidaten womöglich ebenfalls zusagen würden.

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