Terrorverdacht:Weihnachten unter Polizeischutz im Kölner Dom

Terrorverdacht: Rund um den Kölner Dom bringen sich an Weihnachten Polizisten in Stellung.

Rund um den Kölner Dom bringen sich an Weihnachten Polizisten in Stellung.

(Foto: Christoph Hardt/Imago/Panama Pictures)

Alles friedlich und ruhig: Nach den Terrordrohungen gibt es bei den Gottesdiensten bislang keine besonderen Vorkommnisse. Zuvor war die Polizei mit Bomben-Spürhunden im Einsatz.

Nach Hinweisen auf mögliche Anschlagspläne haben die Menschen im Kölner Dom Heiligabend und Weihnachten unter Polizeischutz gefeiert. Bisher sei alles friedlich und ruhig verlaufen, sagte ein Polizeisprecher am Vormittag des ersten Feiertags. Die Kontrollen von Besucherinnen und Besuchern der Festmessen fänden vor dem Einlass in die Kathedrale weiterhin statt.

Die Sicherheitsbehörden hatten Hinweise auf einen möglichen Anschlagsplan auf den Dom sowie eine Kirche in Wien erhalten. Nach Angaben der Kölner Polizei bezogen sich die Terrorhinweise auf Silvester. Die Polizei hatte die Sicherheitsvorkehrungen an dem Wahrzeichen am Rhein seit Samstagabend massiv erhöht. In der Nacht zu Sonntag durchsuchten Einsatzkräfte den Dom fünf Stunden lang mit Bomben-Spürhunden, stießen jedoch nicht auf Sprengstoff. In die Ermittlungen einbezogen wurde der Staatsschutz, der auf politisch motivierte Kriminalität spezialisiert ist.

Terrorverdacht: Polizisten laufen während des Gottesdienstes durch den Kölner Dom.

Polizisten laufen während des Gottesdienstes durch den Kölner Dom.

(Foto: Sascha Thelen/dpa)

Die möglichen Anschlagspläne sollen aus einer islamistischen Gruppe stammen. Sie könnte der Nachrichtenagentur dpa zufolge Verbindungen zu einem Ableger des Terrornetzwerks Islamischer Staat (IS) haben, der sich Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) nennt und in Afghanistan schon seit einigen Jahren einen bewaffneten Konflikt mit den militant-islamistischen Taliban austrägt. Wie konkret die Anschlagspläne waren, ist bisher unklar. Im Saarland ist nach Medienberichten ein Mann festgenommen worden. Er sei den Behörden schon lange als Extremist bekannt und könne in Verbindung mit der Extremistengruppe ISPK stehen, berichtete die ARD ohne Angaben von Quellen. Die Hinweise auf seine mögliche Beteiligung an einer Straftat sind aber vage.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, die Terrorgefahr sei so hoch wie lange nicht mehr, und christliche Feiertagsrituale seien auch ein Ziel von islamistischen Terroristen. "Aber wir sind nicht schutzlos. Unsere Behörden nutzen alle Erkenntnisse, um uns bestmöglich zu schützen. Das zeigen jetzt die Maßnahmen in Köln." Reul rief dazu auf, in die Kirche zu gehen und Weihnachten zu feiern. "Angst ist die Währung von Terroristen. Wir dürfen sie nicht zusätzlich aufwerten."

"Den Dom gewissermaßen auf den Kopf gestellt"

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki dankte in der Christmette in der Heiligen Nacht den Sicherheitskräften für ihren Einsatz. Die Polizistinnen und Polizisten hätten in den vergangenen zwei Tagen "den Dom gewissermaßen auf den Kopf gestellt" und so die Gottesdienstfeiern dort ermöglicht. Viele von ihnen hätten wahrscheinlich freigehabt, so Woelki. Es tue ihm von Herzen leid, dass sie die Tage nicht mit ihren Familien verbringen könnten. Auch den Teilnehmenden der Christmette bekundete Woelki seinen Dank, dass "Sie sich nicht haben erschrecken lassen, sondern mutig hergekommen sind" zum Dom. An Weihnachten werde gefeiert, dass Gott seinen Sohn als Heiland und Retter in die Welt gesandt habe, um allen Hass, Krieg und Terror zu besiegen.

Auch in Wien hatte die Polizei zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Weihnachtsmessen an Heiligabend gingen dort ohne Zwischenfälle über die Bühne. In Österreich waren bei Ermittlungen gegen ein islamistisches Netzwerk vier Personen festgenommen worden. Am Montag ordneten die Behörden Untersuchungshaft gegen zwei Männer und eine Frau an.

Gegen die drei wird wegen Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung in Verbindung mit terroristischen Straftaten ermittelt. Bei einer Durchsuchung waren Datenträger wie Mobiltelefone sichergestellt worden, die nun ausgewertet werden. Die drei hätten sich "nicht geständig" gezeigt, sagte eine Gerichtssprecherin. Beim Zugriff der Polizei kurz vor Weihnachten in einer Flüchtlingsunterkunft war zudem eine vierte zufällig anwesende Person festgenommen worden. Es wird noch untersucht, ob sie mit möglichen geplanten Straftaten der drei anderen zu tun hatte.

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