Golfregion:Ein Zwischenfall jagt den nächsten

Womöglich Schiff vor Emiraten entführt

Die heutige "Asphalt Princess" im Hafen von Montreal, im September 2015 - damals hieß sie noch "Thalassa Desgagnes".

(Foto: Hasenpusch/dpa)

Bewaffnete kidnappen ein Schiff im Golf von Oman. Iran bestreitet jede Beteiligung. Die USA und Israel aber bezichtigen die Revolutionsgarden eines Drohnenangriffs mit zwei Toten.

Von Paul-Anton Krüger, München

Die Asphalt Princess war Dienstag im Golf von Oman unterwegs, als neun bewaffnete Männer an Bord gingen - viel mehr ist noch nicht gesichert über die offenbar geplante Entführung des 45 Jahre alten Bitumen-Tankers. Eine mit der Sicherheit der Schifffahrt befasste Stelle des britischen Verteidigungsministeriums (UKMTO) hatte den Vorfall vor der Küste des Emirats Fujiarah gemeldet, Piraterie aber ausgeschlossen. Oman bestätigte am Mittwoch, es habe sich "um einen Entführungsvorfall in internationalen Gewässern" gehandelt, die Luftwaffe und die Marine patrouillierten in dem Seegebiet. Die Bewaffneten gingen am Mittwochmorgen wieder von Bord.

Schnell gerieten die iranischen Revolutionsgarden in Verdacht, die in der Vergangenheit wiederholt Schiffe in der Straße von Hormus aufgebracht hatten. Die Bewaffneten sollen die Asphalt Princess zudem in Richtung iranischer Hoheitsgewässer kommandiert haben. Das Schiff gehört der in Dubai ansässigen Firma Prime Tankers. Im Juli 2019 hatten Schnellboote der Revolutionsgarden den Tanker Riah festgesetzt, der ebenfalls Prime Tankers gehörte. Iran warf der zwölfköpfigen ausländischen Mannschaft damals vor, sie habe sich am Schmuggel von Treibstoff für Schiffe beteiligt.

Diesmal aber kamen gleich mehrere Dementi aus Teheran. Der Sprecher des Außenministeriums, Said Khatibzadeh, sagte, sein Land habe nichts mit dem Vorfall zu tun, den er "sehr verdächtig" nannte. Militärsprecher Abolfazl Schekarchi sprach von "einer Art psychologischer Kriegsführung". Die Revolutionsgarden bestritten jede Beteiligung; der Vorfall solle einen Vorwand für "feindliches Vorgehen" gegen Iran liefern, hieß es in einer Erklärung weiter.

Ebenso bestreitet Iran jegliche Beteiligung an dem Angriff auf den Tanker Mercer Street, bei dem am Donnerstag vergangener Woche der aus Rumänien stammende Kapitän des Schiffes und ein britischer Sicherheitsmann getötet worden waren. Das Schiff gehört einer japanischen Reederei, war aber von der in London ansässigen Firma Zodiac Maritime des israelischen Milliardärs Eyal Ofer gemanagt worden. Laut der US-Marine wurde das Schiff im Bereich der Brücke mit einer Drohne attackiert, die einen Sprengsatz trug.

London und Bukarest bestellten Teherans Botschafter ein

Der Angriff war die schwerste Eskalation in einem Schattenkrieg zwischen Iran und Israel, bei dem beide Seiten Schiffe sabotiert haben. Allerdings waren dabei bislang keine Menschen ums Leben gekommen. Die USA, Israel, Großbritannien und Rumänien machten gemeinsam die Islamische Republik für die Attacke verantwortlich. London und Bukarest bestellten Teherans Botschafter ein; Iran reagierte auf dieselbe Weise, um sich gegen die Anschuldigungen zu verwahren.

Am Mittwoch unterrichteten Israels Verteidigungsminister Benny Gantz und Außenminister Jair Lapid die Botschafter der im UN-Sicherheitsrat vertretenen Staaten über Erkenntnisse zu der Attacke. "Niemand hat Zweifel, wer hinter dem Vorfall steckt, aber wir haben zur Sicherheit harte Beweise geliefert", sagte Premier Naftali Bennett. Gantz forderte eine entschlossene Reaktion der internationalen Gemeinschaft. "Es ist Zeit für Taten - Worte reichen nicht aus", sagte er. Es ist Zeit für diplomatische, wirtschaftliche und sogar militärische Taten, sonst werden die Angriffe weitergehen."

Gantz machte konkret den Befehlshaber der Luftwaffe der Revolutionsgarden, Brigadegeneral Amir Ali Hajizadeh, und den Kommandeur der Drohneneinheit, Said Aghajani, für den Angriff verantwortlich. Dieser soll auch schon an einem Angriff mit Drohnen und Marschflugkörpern auf Ölanlagen Saudi-Arabiens im September 2019 beteiligt gewesen sein. Die Regierung in Teheran hatte gewarnt, sie werde jede Bedrohung der Sicherheit Irans abwehren.

Während die Spannungen in der Golfregion so hoch sind wie nach der Tötung des Revolutionsgarden-Generals Qassem Soleimani durch einen vom damaligen US-Präsident Donald Trump befohlenen Drohnenangriff Anfang 2020, legt an diesem Donnerstag Irans neuer Präsident Ebrahim Raisi seinen Amtseid vor dem Parlament ab. Offen ist, ob es unter seiner Führung zu einer Wiederbelebung des Atomabkommens mit den USA kommt.

© SZ/toz
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