Golf von Oman:Tödliche Eskalation

Golf von Oman: Eskorte im Arabischen Meer: Nach dem Beschuss erhielt die MT Mercer Street Hilfe von der US-Marine.

Eskorte im Arabischen Meer: Nach dem Beschuss erhielt die MT Mercer Street Hilfe von der US-Marine.

(Foto: US Navy/AFP)

Zwei Menschen sterben bei einem Drohnenangriff auf ein mit Israel verbundenes Schiff. Premier Bennett macht den Erzfeind Iran für die Attacke verantwortlich - sie dürfte nicht ohne Folgen bleiben.

Von Paul-Anton Krüger und Peter Münch, Tel Aviv

Die erste Mitteilung der in London ansässigen Schiffsmanagementfirma Zodiac Maritime am Freitag hörte sich nicht sonderlich spektakulär an. An Bord des Tankschiffs MT Mercer Street habe es im nördlichen Indischen Ozean einen Piraterie-Vorfall gegeben. Doch schnell stellte sich am Wochenende heraus, dass es der schwerste Zwischenfall im maritimen Schattenkrieg zwischen Iran und Israel war, seit die wechselseitigen Angriffe auf Schiffe im Jahr 2019 begonnen haben.

Sowohl die israelische Regierung als auch die US-Marine sprechen inzwischen von einem Angriff mit mehreren Kamikaze-Drohnen auf das 183 Meter lange Schiff. Als mindestens einer der Flugkörper an der Brücke des unter liberianischer Flagge fahrenden und in japanischen Besitz befindlichen Schiffes explodierte, wurden zwei Mitglieder der Mannschaft getötet. Dabei handelt es sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen um den aus Rumänien stammenden Kapitän sowie einen britischen Sicherheitsmann. Die US-Marine eskortierte die Mercer Street nach der Attacke und flog ein Team von Entschärfern und technischen Experten an Bord.

Zwar sind in dem Schlagabtausch immer wieder Schiffe beschädigt worden, Tote hatte es bislang dabei aber nicht gegeben. Zum Ziel geworden war die Mercer Street auf dem Weg von Daressalam nach Fujairah offenbar, weil der Betreiber Zodiac Maritime dem israelischen Milliardär Eyal Ofer gehört. Erst Anfang Juli war das Containerschiff CSAV Tyndall in der Straße von Hormus mit einer Rakete attackiert worden - das Schiff war im Besitz von Ofers Zodiac Maritime, allerdings wenige Monate zuvor verkauft worden.

Israel Premier Naftali Bennett sagte am Sonntag: "Ich möchte unmissverständlich klarstellen, dass Iran das Schiff angegriffen hat." Er reagierte damit auf ein vorheriges Dementi des iranischen Außenministeriums. Dessen Sprecher Saeed Khatibzadeh sagte, Israel sei für "Unsicherheit, Terror und Gewalt" verantwortlich. Teheran verurteile die Anschuldigungen.

Versucht Iran, die neue Regierung in Israel zu testen?

Allerdings berichtete der arabischsprachige iranische Staatssender Al-Alam, die Attacke sei als Vergeltung für israelische Luftangriffe auf Ziele in Syrien von "Kräften des Widerstands" ausgeführt worden. US-Außenminister Antony Blinken verurteilte den Angriff scharf und sagte, die US-Regierung sei überzeugt, dass Iran hinter der Attacke stecke. Der britische Außenminister Dominic Raab sagte, es sei "sehr wahrscheinlich", dass der Iran das Schiff angegriffen habe.

Bennett sagte, seine Regierung erwarte, dass die internationale Gemeinschaft dem iranischen Regime klarmache, dass es "einen schrecklichen Fehler" begangen habe. "Wir haben unsere eigenen Möglichkeiten, Iran die Botschaft zu übermitteln", fügte er hinzu. In Israel wird der Vorfall als ernste Eskalation gesehen und als Versuch Irans, die erst seit Juni amtierende Regierung zu testen. Bennett hatte früher als Verteidigungsminister und danach in der Opposition stets einen harten Kurs gegenüber Teheran gefordert.

Mögliche militärische Optionen der Vergeltung dürften Bennett, Verteidigungsminister Benny Gantz und die Armeeführung bereits bei einem kurzfristig anberaumten Krisengespräch erörtert haben. Schmerzhaft ist der Angriff auf die Mercer Street auch, weil er Israels Verwundbarkeit auf den für das Land wichtigen Seehandelswegen zeigt. Diplomatisch wird Jerusalem den Vorgang nutzen wollen, um Iran bei den Atomverhandlungen mit den Europäern und den USA in die Defensive zu bringen.

Außenminister Jair Lapid erklärte, "Iran ist nicht nur ein israelisches Problem, sondern ein Exporteur von Terror, Zerstörung und Instabilität, der die ganze Welt bedroht." Lapid sprach mit seinem US-Kollegen Tony Blinken, zuvor hatte er schon die Außenminister Großbritanniens und Rumäniens kontaktiert. Dabei sei es um "gemeinsame Aktivitäten gegen den iranischen Terrorismus sowie um eine substantielle und effektvolle internationale Antwort" gegangen, erklärte er.

Dier USA erwägen laut dem Wall Street Journal ohnehin neue Sanktionen gegen Iran, mit denen sie auf zunehmende Angriffe mit Drohnen und Lenkflugkörpern auf US-Truppen in Irak und Syrien reagieren wollen. Das würde zweifellos die seit dem Sieg des Hardliners Ebrahim Raisi bei der Präsidentenwahl stockenden Gespräche über eine Rückkehr zum Atomabkommen von 2015 weiter erschweren.

© SZ/vgr
Zur SZ-Startseite
Freitagsgebet in der Imam-Ali-Moschee

Hamburg
:Teherans geheimer Außenposten

Offiziell steht das "Islamische Zentrum Hamburg" für Dialog und Freundschaft. Verfassungsschützer sehen das ganz anders.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB