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Große Koalition:So tickt die Merkel-Ministerriege

Zwei Saarländer, viele Frauen und einen EZB-Direktor: Das Kabinett Merkel hält durchaus Überraschungen bereit. Einige Minister hätten wohl einst selbst nicht geglaubt, dass sie einmal am Tisch der schwarz-roten Regierung sitzen werden. Ein Überblick über den Werdegang von Merkels Mannschaft.

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Koalitionsvertrag

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Bündnis für vier Jahre? Die große Koalition aus CDU/CSU und SPD kann nun ihre Arbeit aufnehmen. Die letzten Kabinettsposten sind vergeben - und bei einigen Entscheidungen überraschte die Auswahl doch. Wie die Minister wurden, was sie sind.

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Landesvertreterversammlung der SPD Rheinland-Pfalz

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Wirtschafts- und Energiewendeminister: Sigmar Gabriel (SPD)

Wenn die große Koalition endgültig steht, befindet sich SPD-Chef Sigmar Gabriel auf dem Höhepunkt seiner Macht. Auch wenn er auf das prestigeträchtigere Außenamt oder das einflussreiche Finanzministerium verzichtet hat: Mit dem um die Verantwortung für die Energiewende erweiterten Wirtschaftsressort darf er sich ein bisschen Super-Minister nennen.

Der gelernte Erzieher besitzt als einstiger Ministerpräsident von Niedersachsen (1999 bis 2003) und Bundesumweltminister (2005 bis 2009) reichlich Kabinettserfahrung. Die mageren 25,7 Prozent bei der Bundestagswahl 2013 sind beinahe vergessen, als SPD-Chef (seit 2009) ist er unangefochten.

Koalitionsverhandlungen

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Verteidigungsministerin: Ursula von der Leyen (CDU)

Sie galt als Aktivposten in Merkels schwarz-gelbem Kabinett - nur Arbeitsministerin konnte sie nicht bleiben, die SPD bestand auf den Posten. Kein Wunder, dass es Spekulationen gab: Als Ärztin wäre sie prädestiniert für das Gesundheitsministerium.

Nun aber kommt alles ganz anders. Von der Leyen wird Thomas de Maizière im Verteidigungsministerium beerben. Sie übernimmt damit nach dem Familien- und dem Arbeitsressort bereits das dritte Ministerium.

Koalitionsverhandlungen

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Außenminister: Frank-Walter Steinmeier (SPD):

Die deutsche Außenpolitik müsse wieder "wahrnehmbarer und selbstbewusster" werden, sagt Steinmeier gerne. Nun kann er seinen Worten Taten folgen lassen. Erfahrung besitzt der 57-Jährige: Von 2005 bis 2009 war er bereits Außenminister, jenseits der Affäre um den Guantánamo-Häftling Murat Kurnaz musste er keine größeren politischen Krisen überstehen.

Merkels einstiger Konkurrent um das Kanzleramt gehört zu den SPD-Politikern mit der längsten Regierungserfahrung. Von 1999 bis 2005 leitete er das Bundeskanzleramt unter Gerhard Schröder.

Führungstreffen der Süddeutschen Zeitung

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Finanzminister: Wolfgang Schäuble (CDU)

Seit 40 Jahren sitzt Schäuble, geboren 1942, im Bundestag. Er ist der dienstälteste Minister. Als Bundesinnenminister (2005-2009) stieß sein Ruf nach schärferen Sicherheitsgesetzen im Kampf gegen Terrorismus auf Widerstand. In Merkels zweitem Kabinett übernahm er das Amt des Finanzministers von Peer Steinbrück.

Er wird es behalten dürfen, auch wenn er und Merkel in der Euro-Krise manchmal durchaus unterschiedliche Signale aussandten. Schäuble steht für eine unnachgiebige Schuldenabbau-Politik in den Krisenländern - das dürfte vielen in Europa nicht gefallen.

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Innenminister: Thomas de Maizière (CDU)

Er war Kanzleramtsminister der großen Koalition von 2005 bis 2009 und galt als möglicher Nachfolger von Kanzlerin Merkel. Unter Schwarz-Gelb wechselte de Maizière zunächst ins Innenministerium, dann ab 2011 ins Verteidigungsressort, wo ihm die teure Fehlentwicklung der Drohne Euro Hawk fast zum Verhängnis wurde. Nun darf er aber erneut das Innenministerium leiten.

De Maizière, 1954 in Bonn geboren, ist der Cousin des letzten und einzig frei gewählten Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maizière.

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Kanzleramtsminister: Peter Altmaier (CDU)

Der Saarländer war unter Schwarz-Gelb zunächst Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag. Dort machte er sich als Mehrheitsbeschaffer einen Namen - und bei Kanzlerin Merkel beliebt.

Die beförderte den 55-Jährigen im Mai 2012 zum Umweltminister, nachdem sein Vorgänger Norbert Röttgen als Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen bei der Landtagswahl blamable 26,3 Prozent zu verantworten hatte. Nun folgt er dem umstrittenen Ronald Pofalla im "Höllenjob" nach.

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Gesundheitsministerium: Hermann Gröhe (CDU)

Hermann Gröhe war von 2009 an CDU-Generalsekretär, nun erhält er als Belohnung seinen ersten Posten als Bundesminister. Der Jurist aus Nordrhein-Westfalen soll das Gesundheitsministerium übernehmen.

Gröhe wurde 1961 in Uedem im Rheinland geboren und sitzt seit 1994 im Bundestag. Ab Oktober 2008 war er ein Jahr Staatsminister in Merkels Kanzleramt, er gilt als enger Vertrauter.

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Arbeits- und Sozialministerin: Andrea Nahles (SPD)

Nahles, geboren 1970, organisierte als Generalsekretärin maßgeblich den SPD-Wahlkampf 2013. In der Partei war sie lange umstritten, doch spätestens in den Koalitionsverhandlungen hat sie sich als Ministerin empfohlen.

Weil sich die Sozialdemokraten das Arbeitsministerium traditionell nicht nehmen lassen, muss die bisherige Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) weichen. Als Alternative zum Ministerposten war Nahles auch für den Fraktionsvorsitz im Gespräch - sie wäre die erste Frau im Amt gewesen.

Heiko Maas

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Justiz- und Verbraucherschutzminister: Heiko Maas (SPD)

Erfahrung hat er dank seines Amtes im Saarland: Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Energie sowie stellvertretender Ministerpräsident in einer großen Koalition. Das war der 47-Jährige in seiner Heimat. Nun wechselt der Jurist nach Berlin ins Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz.

Seine Berufung ins Bundeskabinett kommt durchaus überraschend. Der einstige Lafontaine-Zögling führt seit 2001 die SPD im Saarland an, konnte aber als Spitzenkandidat auch in mehreren Anläufen die CDU-Mehrheit nicht brechen.

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Bildungsministerin: Johanna Wanka (CDU)

Nach Annette Schavans Rücktritt als Konsequenz aus einer Plagiatsaffäre übernahm Johanna Wanka, geboren 1951, im Februar 2013 den Posten der Bundesbildungsministerin. Nun darf sie die Aufgabe auch in der neuen Legislaturperiode ausüben.

Wie Merkel hat auch Wanka einen naturwissenschaftlichen Hintergrund. Sie promovierte in Mathematik zum Thema "Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potential-theoretischen Mitteln".

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Umweltministerin: Barbara Hendricks (SPD)

Dass Barbara Hendricks auf diesem Foto vom Betrachter aus rechts neben NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft steht, ist kein Zufall. Die 1952 geborene Sozialwissenschaftlerin gilt als die Vertreterin des starken SPD-Landesverbands Nordrhein-Westfalen im Kabinett.

Die Bundestagsabgeordnete ist seit 2007 Schatzmeisterin der SPD. Zuvor war sie von 1998 bis 2007 Parlamentarische Staatssekretärin im Finanzministerium und arbeitete als solche unter Oskar Lafontaine, Hans Eichel und Peer Steinbrück. In der großen Koalition leitet sie das Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

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Familienministerin: Manuela Schwesig (SPD)

An ihrer Berufung gab es wenig Zweifel. Als Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern empfahl sich Manuela Schwesig, geboren 1974, für einen Platz in der schwarz-roten Regierungsmannschaft.

Bereits vor der Ernennung profilierte sie sich im Bereich der Familienpolitik. Im Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück war die junge Mutter als Expertin zum Thema gesetzt. Schwesig gilt in der SPD als wahlkampferprobte Nachwuchshoffnung.

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Landwirtschaftsminister: Hans-Peter Friedrich (CSU)

Hatte als Innenminister unter Schwarz-Gelb keine vergnügliche Zeit. Das langjährige Versagen der Sicherheitsbehörden bei der Suche nach dem rechten Terror-Trio des "Nationalsozialistischen Untergrunds" beschäftigte ihn ebenso wie die NSA-Affäre. In beiden Fällen machte der Jurist aus Franken, Geburtsjahr 1957, keine allzu gute Figur.

Im Gegensatz zu seinem CSU-Kabinettskollegen Peter Ramsauer darf Friedrich jedoch weitermachen. Als Minister eines verkleinerten Landwirtschaftsministerium, das seine Kompetenzen für den Verbraucherschutz an das Justizressort abgeben musste.

Coalition Talks Reach Final Phase

Quelle: Getty Images

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Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur: Alexander Dobrindt (CSU)

Für den bisherigen CSU-Generalsekretär ist es sein erstes Ministeramt und er bekommt sofort ein Doppel-Ressort. Als Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur muss Dobrindt allerdings auf die Zuständigkeit für Bauangelegenheiten verzichten - die ist ins SPD-geführte Umweltministerium gewandert.

Bereits im Wahlkampf hatte CSU-Chef Horst Seehofer dem 43-Jährigen eine Jobgarantie als Minister gegeben. Egal für was auch immer.

Gerd Müller

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Entwicklungsminister: Gerd Müller (CSU)

Eine überraschende Wahl: Der bisherige Parlamentarische Staatssekretär im Agrarministerium, Gerd Müller, übernimmt den Posten des Entwicklungsministers. Der 58-Jährige war von 1989 bis 1994 Mitglied des Europaparlaments, Mitglied des Bundestags ist er seit 1994.

Da er bereits unter Horst Seehofer Staatssekretär war, ergibt seine Berufung aus Sicht des CSU-Chefs Sinn: Seehofer weiß, dass Müller loyal ist und seine Wünsche umsetzen kann.

Executive Board Member of the European Central Bank (ECB, Jorg Asmussen speaks during the annual meeting of the German business newspaper Handelsblatt in Frankfurt

Quelle: Ralph Orlowski/Reuters

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Staatssekretär im Arbeitsministerium: Jörg Asmussen (SPD)

Sein Wechsel ist nichts anderes als eine Sensation: Jörg Asmussen, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, wird unter Andrea Nahles Staatssekretär im Arbeitsministerium.

Vor allem mit Finanzminister Wolfgang Schäuble war sich Asmussen in der Vergangenheit uneins, wie mit Pleite-Banken umgegangen werden soll. Die finale Entscheidung, ob eine Bank abgewickelt wird oder nicht, wollte Asmussen der Europäischen Kommission überlassen - Schäuble aber sperrte sich dagegen und sah die Verantwortung in dieser Frage bei den Mitgliedsstaaten.

Maria Böhmer

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Große Koalition:Maria Böhmer

Staatsministerin im Auswärtigen Amt: Maria Böhmer (CDU)

Seit 2005 war Maria Böhmer Integrationsbeauftragte, nun wird sie Staatsministerin im Auswärtigen Amt - unter einem SPD-Chef. Die 63-Jährige ist seit zwölf Jahren Vorsitzende der Frauen-Union und seit 1994 Mitglied im Bundesvorstand. Sie soll offiziell die Kulturpolitik im Auswärtigen Amt stärken. Allerdings dürfte es ihr nicht geschadet haben, eine Vertraute von Angela Merkel zu sein.

Aydan Özoguz

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Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration: Aydan Özoguz (SPD)

Die Hamburgerin Aydan Özoguz wird neue Staatsministerin. Özoguz wurde 1967 in Hamburg geboren und ist Tochter türkischer Eltern. Bereits 1989 ließ sie sich einbürgern. In der Hamburger Bürgerschaft machte sie sich von 2001 bis 2008 als Integrationspolitikerin einen Namen, seit 2009 sitzt sie im Bundestag, wo sie Beauftragte der SPD für das Thema ist.

Monika Grütters

Quelle: picture alliance / dpa

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Staatsministerin für Kultur: Monika Grütters (CDU)

Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien wird zur Kulturministerin und folgt damit ihrem Parteikollegen Bernd Neumann nach. Grütters ist stellvertretende Berliner CDU-Landesvorsitzende. Die 51-Jährige war mehr als zehn Jahre im Berliner Abgeordnetenhaus, 2009 wurde sie in den Bundestag gewählt.

German Chancellor Merkel and head of CSU Horst Seehofer arrive for coalition talks with Social Democratic Party in Berlin

Quelle: REUTERS

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Bundeskanzlerin: Angela Merkel (CDU)

Die Chefin des neuen Kabinetts steht natürlich längst fest: Am 17. Dezember soll Angela Merkel zum dritten Mal nach 2005 und 2009 vom Bundestag zur Kanzlerin gewählt werden. Ihre Minister-Karriere begann Merkel, geboren 1954, als Bundesministerin für Frauen und Jugend. Von 1994 bis 1998 hielt sie im Umweltministerium die Fäden in der Hand. Mit sieben Ministerinnen erreichte Merkel mit ihrer Regierungsmannschaft 2008 den höchsten Frauenanteil.

Mit den Sozialdemokraten hatte sie bereits von 2005 bis 2009 regiert.

© Süddeutsche.de/joku/mati/leja

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