Kniefall Brandts und andere GestenMehr als tausend Worte

Zahlreiche Politiker haben symbolische Zeichen gesetzt und die deutsche Geschichte beeinflusst. Historische Momente im Überblick.

Brandts Kniefall ist die bekannteste politische Geste in Deutschlands Nachkriegsgeschichte, jedoch nicht die einzige. Zahlreiche Politiker haben Zeichen gesetzt und dadurch den Gang der Geschichte beeinflusst - durch berühmte Sätze, einen Händedruck im richtigen Moment oder die Art ihres Auftritts. Ein Überblick.

Eine symbolische Geste an einem symbolischen Ort: Im Élysée-Palast von Versailles umarmen sich Konrad Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle nach der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags am 22. Januar 1963. Der deutsch-französische Freundschaftsvertrag wird die besondere Verbindung beider Länder begründen. Der Élysée-Palast ist der Ort, wo zuvor die Erbfeindschaft beider Völker ihren Ausdruck gefunden hatte: Im Spiegelsaal wurde dort nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 das Deutsche Reich proklamiert.

Nach dem Ersten Weltkrieg revanchierten sich die Franzosen für diese Demütigung, indem sie die besiegten Deutschen für die Unterzeichnung des Friedensvertrags ebenfalls in den Spiegelsaal bestellten. Vielleicht liegt es an dieser Vergangenheit, dass die Umarmung der beiden Staatsoberhäupter etwas unbeholfen ausfällt. Anstatt sich zu umarmen, ergreifen sie einander an den Unterarmen. Sie scheinen beide etwas verlegen zu sein, schauen in unterschiedliche Richtungen. Das tut der Freundschaft aber keinen Abbruch: Mit dem Vertrag sind die besonderen deutsch-französischen Beziehungen besiegelt.

Bild: DPA 7. Dezember 2010, 13:032010-12-07 13:03:50 © sueddeutsche.de/jul/hild/odg