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Coronavirus weltweit:Trump rechtfertigt seinen Widerstand gegen Wissenschaftler

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Außerdem macht sich der US-Präsident über das Corona-Programm von Herausforderer Biden lustig. Italiens Ministerpräsident Conte ruft wegen steigender Zahlen zu "maximaler Vorsicht" auf.

US-Präsident Donald Trump hat seinen Widerstand gegen den Rat von Wissenschaftlern in der Corona-Pandemie verteidigt. "Hätte ich komplett auf die Wissenschaftler gehört, hätten wir jetzt ein Land, das in einer massiven Depression wäre", sagte Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Carson City im US-Bundesstaat Nevada. "Stattdessen sind wir wie ein Raketenschiff."

Trump machte sich auch über seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden lustig - dieser hat versprochen, sich im Kampf gegen das Coronavirus am Rat von Wissenschaftlern zu orientieren. Trump warf Biden vor, einen "unwissenschaftlichen Lockdown" zur Eindämmung des Coronavirus zu verhängen, wenn er gewählt werde. Bei der Wahl am 3. November hätten die Amerikaner die Wahl zwischen einer "Trump-Super-Erholung" der Wirtschaft und einer "Biden-Depression", sagte Trump.

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Die Pandemie ist in den USA nach wie vor außer Kontrolle. Mehr als 8,1 Millionen Ansteckungen wurden seit Beginn nachgewiesen, fast 220 000 Menschen starben nach einer Infektion. Derzeit ist wieder ein Anstieg bei den Corona-Neuinfektionen pro Tag zu erkennen. Ungeachtet dessen rief Trump die Bundesstaaten am Sonntag zur vollständigen Öffnung auf.

Der prominente US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci sagte in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem Sender CBS: "Ich glaube, im tiefsten Inneren glaubt der Präsident an die Wissenschaft. Wenn er es nicht täte, hätte er seine Gesundheit nicht den sehr kompetenten Ärzten im Walter-Reed-Militärkrankenhaus anvertraut." Trump war Anfang Oktober positiv auf das Coronavirus getestet und anschließend für drei Tage im Krankenhaus behandelt worden.

Italiens Ministerpräsident ruft zu "maximaler Vorsicht" auf

Italien verschärft zum dritten Mal innerhalb von weniger als zwei Wochen die Vorschriften zum Corona-Schutz für die etwa 60 Millionen Bürger. Wegen steil steigender Ansteckungskurven schränkt die Regierung in Rom die Gastronomie weiter ein. Auch Sporttreiben gilt als risikoreich. Ministerpräsident Giuseppe Conte rief die Italiener zu "maximaler Vorsicht" auf, um sich und ihre Mitmenschen vor einer Ansteckung zu schützen. Er sprach am Sonntagabend im Fernsehen von einer "kritischen Lage".

Nach den neuen Vorschriften dürfen in Lokalen höchstens sechs Menschen am Tisch sitzen, wie Conte sagte. Die Sperrstunde für Restaurants und Bars mit Tischservice bleibe bei Mitternacht. Lokale ohne Sitzplätze müssten jedoch nach 18 Uhr den Service einstellen. Bürgermeister werden ermuntert, beliebte Plätze abends zu schließen, auf denen sich viele Leute treffen. Büros sollen die Arbeit zu Hause forcieren. Sportwettbewerbe von Amateuren sollen eingeschränkt werden. Außerdem gab Conte den Sportstudios eine Woche Zeit für schärfere Anti-Corona-Maßnahmen. Ansonsten drohe eine Schließung. Das Dekret selbst werde in Kürze präsentiert.

Am 7. Oktober hatte Rom eine nationale Maskenpflicht beschlossen, die auch im Freien gilt. Wenig später folgten ein Party-Verbot und die Sperrstunde um Mitternacht. Im Laufe des Oktobers hatte sich der Anstieg der Infektionszahlen drastisch beschleunigt. Aus rund 2500 Fällen täglich Anfang Oktober sind bis Sonntag fast 12 000 Ansteckungen in 24 Stunden geworden. Laut Gesundheitsministerium lag der Vergleichswert, der Ansteckungen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen erfasst, Mitte Oktober in Italien bei 46,8 Fällen.

Rekordwerte in mehreren europäischen Ländern

Nicht nur in Deutschland sind mit 7840 Fällen die bestätigten Neuinfektionen binnen 24 Stunden so hoch wie noch nie. Weltweit steigen die Infektionszahlen in der Corona-Pandemie steil an. Auch am Samstag meldeten wieder gleich mehrere Länder Höchststände.

In Italien hat das Gesundheitsministerium 10 925 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert - so viele wie nie zuvor. Zudem seien 47 weitere Menschen in Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Als Reaktion auf die neuen Zahlen teilte der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte mit, am Sonntag weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus zu verkünden.

Auch Frankreich meldet einen Rekord bei den Neuinfektionen. Am Samstag habe es 32 427 neue Fälle gegeben, gibt das Gesundheitsministerium bekannt. Die Zahl der Toten steigt auf 33 392.

Die Niederlande haben 8114 Neuinfektionen innerhalb eines Tages registriert. Das ist erneut ein Rekordwert, wie Daten des Nationalen Instituts für öffentliche Gesundheit zeigen. Auch Polen meldet einen Rekordanstieg von 9622 Corona-Neuinfektionen. In Österreich sind es am Samstag 1747 neue Fälle. Dabei lag der vorherige Rekordwert vom Donnerstag bei 1552. Die Ukraine verzeichnet mit 6410 Corona-Neuinfektionen über 400 Fälle mehr als am Freitag, als das Land seine letzten Rekordzahlen meldete. Besonders schlimm ist die Lage in Tschechien: Dort hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen erstmals die Marke von 11 000 knapp überschritten. Die Gesamtzahl der Fälle liegt damit bei mehr als 160 000. Tschechien war zuletzt das Land in Europa, in dem die Fallzahlen in Relation zur Bevölkerungsgröße am stärksten stiegen.

Weltweit insgesamt fast 40 Millionen Infektionen registriert

Weltweit haben sich mehr als 39,29 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt. Das ergibt eine Reuters-Erhebung auf Basis offizieller Daten. Mehr als 1,1 Millionen Menschen starben demnach mit oder an dem Virus. Bei den Infektionen sind die USA mit mehr als acht Millionen nach wie vor am stärksten betroffen, gefolgt von Indien (7,4 Millionen), Brasilien (5,2 Millionen) und Russland (1,4 Millionen).

Österreichs Außenminister und Belgiens Außenministerin mit Coronavirus infiziert

Der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Eine Sprecherin seines Ministeriums bestätigt, dass Schallenberg positiv getestet worden sei. Der Minister sei symptomfrei. Er habe am Mittwoch an der Kabinettssitzung teilgenommen. Alle Regierungsmitglieder hätten dabei Masken getragen, würden nun aber als Vorsichtsmaßnahme ebenfalls getestet. Es sei möglich, dass Schallenberg bereits am Montag infiziert gewesen sei. An dem Tag hatte er ebenso wie Bundesaußenminister Heiko Maas am EU-Außenministertreffen in Luxemburg teilgenommen.

Auch die belgische Außenministerin und Vize-Regierungschefin Sophie Wilmès ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Ansteckung sei vermutlich im Familienkreis erfolgt, teilte die Politikerin am Samstag mit. Grund für die Annahme seien die Vorsichtsmaßnahmen, die sie außerhalb des Haushaltes befolgt habe. Zu möglichen Symptomen äußerte sich Wilmès nicht. Die 45 Jahre alte Politikerin war zuletzt knapp ein Jahr sowohl geschäftsführende als auch ordentliche Premierministerin gewesen.

In Österreich ist die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen zuletzt stark angestiegen. Wie der Standard berichtet, weist die 19-köpfige Corona-Kommission vier Städte und Regionen als Hochrisikogebiet aus.

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EU-Gipfel in Berlin wegen Corona abgesagt

Die Europäische Union hat ihren für November geplanten Gipfel in Berlin zur China-Politik wegen der dramatisch steigenden Corona-Infektionszahlen abgesagt. "Im Sinne der Kontakte ist das glaube ich eine notwendige Botschaft", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Brüssel.

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union wollten sich am 16. November zu einem Sondergipfel zur China-Politik in Berlin treffen. Der Termin war erst beim letzten EU-Gipfel Anfang Oktober beschlossen worden. Ursprünglich war ein EU-China-Gipfel mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping im September in Leipzig geplant gewesen. Er wurde dann aber wegen der Corona-Pandemie auch schon vor längerer Zeit abgesagt. Stattdessen gab es nur eine Videokonferenz von Merkel und den Spitzen der EU mit dem chinesischen Präsidenten.

© SZ/dpa/Reuters/KNA/mcs/saul/gal/hij/jsa/bix/aner/gal/odg/mpu/munz

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