Südliches Afrika:Es ist so bitter!

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FILE PHOTO: COVID-19 vaccination in Houghton, Johannesburg

In Subsahara-Afrika sind erst etwas mehr als fünf Prozent der Menschen geimpft, in Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo noch nicht mal ein Prozent.

(Foto: Sumaya Hisham/REUTERS)

Reiche Staaten wie Deutschland horten Impfdosen, andere bekommen wenig bis nichts. Es ist kein Zufall, dass die neue Corona-Variante ausgerechnet im südlichen Afrika auftaucht, sondern ein großes Versagen.

Kommentar von Bernd Dörries

Es ist jetzt also genau das passiert, wovor so viele so lange und so oft gewarnt haben. In verschiedenen Ländern des südlichen Afrikas hat sich eine Mutation des Coronavirus entwickelt, die womöglich viel ansteckender ist als alle Varianten, die man bisher kennt. Die Politik reagiert mit Einreisebeschränkungen, was sicher richtig ist. Fest steht aber auch: Hätte man Afrika so schnell mit Impfstoff versorgt, wie man jetzt Einreiseverbote verhängt, wäre die Lage vielleicht eine andere, hätten mehr Geimpfte die Entstehung einer Mutante erschwert.

Seit Monaten redet der reiche Norden von globaler Solidarität, davon, dass die Pandemie erst vorbei sei, wenn sie überall besiegt ist. In Subsahara-Afrika sind aber nach wie vor erst wenig mehr als fünf Prozent der Menschen geimpft, in Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo noch nicht mal ein Prozent. Das hat verschiedene Ursachen: korrupte und unfähige Regierungen, koloniale Erfahrungen mit einem Gesundheitssystem, das Afrikaner oft als Versuchskaninchen missbraucht hat. Fake News und Aberglauben. Südafrika hat mittlerweile deutlich mehr Impfstoffe, aber keine kompetente Regierung, die ihn verteilt.

Aber vor allem liegt die niedrige Impfquote eben daran, dass die reichen Länder die Dosen lange gehortet haben, und die armen wenig bis nichts abbekamen. Und wenn doch, dann die Impfstoffe, auf die Amerikaner und Europäer keine Lust haben. Es ist ein moralisches Versagen von Gesellschaften, die anderen so oft schulmeisterlich sagen, was sie falsch machen. Hätte Südafrika früher genug Impfstoffe bekommen, wäre die Mutante möglicherweise nicht entstanden.

Die Folgen sind brutal. Gerade kamen die ersten Touristen zurück nach Südafrika

Für die deutsche Politik scheint die Entdeckung der Variante eine willkommene Gelegenheit zu sein, Tatkraft zu simulieren. Jens Spahn meldet sich kraftvoll zu Wort und verhängt ein Einreiseverbot aus dem südlichen Afrika. Das mag nicht falsch sein. Aber man sollte sich vergegenwärtigen, dass da ein Land mit fast 70 000 neuen Fällen pro Tag Südafrika auf die rote Liste setzt, obwohl es dort nur circa 3000 neue Infektionen pro Tag gibt. Gleichzeitig werden die Einreisebeschränkungen fleißig umgangen. Direktflüge wurden eingeschränkt, aber jeder Reisende kann weitgehend unkontrolliert über Äthiopien, Dubai, Istanbul oder Katar einfliegen. Warum es nicht gleich richtig machen? Mit Hotelquarantäne?

Vorsicht ist besser, weil die neue Omikron-Variante beunruhigende Mutationen aufweist. In Deutschland und Europa redet man aber nur darüber, was das für die Menschen hier bedeutet. Nicht für das südliche Afrika. Südafrika wird letztlich dafür bestraft, dass es unfassbar gute und idealistische Wissenschaftler hat, die in einem schwierigen Umfeld forschen und den Rest der Welt zeitnah und transparent darauf hingewiesen haben, was vor sich geht. Die Folgen sind brutal. Gerade kamen die ersten Touristen zurück in dieses fantastische Land, jetzt ist schon wieder alles vorbei. Hunderttausende Jobs gehen verloren, kaum einer in Deutschland redet darüber. Wo ist die Solidarität? Warum gibt es keinen Fonds für arme Länder?

Deutschland schottet sich ab - und feiert Karneval

In Deutschland redet man lieber über die so genannte Freiheit, man diskutiert darüber, dass man Menschen nicht dazu zwingen kann, sich impfen zu lassen. Das würde die Gesellschaft spalten. Im Ergebnis hat man nicht nur eine gespaltene deutsche Gesellschaft, sondern eine globale dazu.

Deutschland schottet sich von einem großen Teil der Welt ab, für den das katastrophale Folgen hat - gleichzeitig feiern hierzulande Hunderttausende Karneval. Die Fußball-Millionäre wie Joshua Kimmich dürfen ihren Schwurbel-Irrsinn ausleben und ihre körpernahe Tätigkeit maskenlos ausüben, weil ja sonst die Freiheit bedroht wäre. Wer schon mal in der tendenziell unterbezahlten deutschen Gastronomie gearbeitet hat, weiß, dass man dafür ein Gesundheitszeugnis braucht, was viele Jahre eine sehr unschöne Prozedur zur Folge hatte. Man musste da ein Stückchen Kot in ein Röhrchen stecken. Seltsamerweise hat dieser Eingriff in die private Freiheit nicht zur Entstehung von irgendwelchen Querdenker-Bewegungen geführt.

Es ist dann halt so, Härte und Tatkraft zeigt die deutsche Politik in der Corona-Frage vor allem, wenn die Folgen andere betreffen, außerhalb des eigenen Wahlkreises. Deutschland hortet Impfstoffe und gibt nichts ab. Deutschland feiert Karneval und zerstört den Tourismus im südlichen Afrika. Es ist so bitter.

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