Coronavirus in Deutschland:Bundesweite Inzidenz steigt auf 375,7

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Das Robert-Koch-Institut registriert 25 255 Neuinfektionen binnen eines Tages. Gesundheitsminister Lauterbach hält weitere Einschränkungen im Kampf gegen Omikron für unvermeidbar.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat erneut einen Anstieg der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche am Montagmorgen mit 375,7 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 362,7 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 232,4 (Vormonat: 389,2).

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 25 255 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es 18 518 Ansteckungen, wobei es im Zuge der Feiertage Lücken bei Tests und Meldungen gegeben hatte. Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 52 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 68 Todesfälle.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 3,15 (Donnerstag: 3,26) an. Am Wochenende wird der Wert nicht gemeldet. (10.01.2021)

Coronavirus in Deutschland - Lauterbach hält weitere Einschränkungen für unvermeidbar

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hält weitere Einschränkungen im Kampf gegen die Omikron-Variante für unausweichlich. Die am Freitag von Bund und Ländern getroffenen Beschlüsse seien zwar "ein ganz wichtiger Schritt nach vorne", sagt der SPD-Politiker in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Aber: "Das wird nicht reichen, Omikron zu besiegen", sagt Lauterbach. "Daher werden weitere Maßnahmen noch notwendig werden zu gegebener Zeit." Vor allem gebe es Grund zur Annahme, dass Ungeimpfte mit Omikron schwerer erkranken könnten. Der Minister fügt hinzu: "Eine Durchseuchung wäre viel zu riskant."

Er gehe davon aus, dass die neuen Corona-Quarantäneregeln schnell gültig werden. Die Regeln würden von den Bundesländern umgesetzt. "Das wird von Land zu Land etwas unterschiedlich sein, aber es wird sehr schnell gelten." Es wird erwartet, dass die Omikron-Variante des Coronavirus zu hohen Infektionszahlen führt und viele Menschen als Kontaktpersonen in Quarantäne müssen. Damit das öffentliche Leben nicht zusammenbricht, hatten Bund und Länder am Freitag vereinbart, die Quarantäne und die Isolierung von Infizierten und Kontaktpersonen zu verkürzen.

Lauterbach erklärte, dass noch unklar sei, wie zuverlässig die gängigen Tests bei der Omikron-Variante sind. "Wir wissen nicht genau, wie gut diese Tests für Omikron wirken", sagt der SPD-Politiker der ARD. Dies werde nun genau geprüft, in den kommenden Wochen werde ein Ergebnis vorliegen. Klar sei aber, die "Alternative, gar nicht zu testen, ... wäre viel zu gefährlich". Aus Studien sei bisher bekannt, dass die Tests am Anfang einer Omikron-Infektion nicht so zuverlässig seien, am Ende aber sehr wohl. Daher sei es relativ sicher, sich aus der Quarantäne nach der vorgegebenen Frist freizutesten. (09.01.2022)

SPD und Grüne dämpfen Erwartungen an schnelle Impfpflicht

Politiker von SPD und Grünen haben Erwartungen an einen raschen Beschluss des Bundestages zu einer allgemeinen Impfpflicht gedämpft. SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese sagte dem Berliner Tagesspiegel: "Die Beratungen im Bundestag sollten wir im ersten Quartal zum Abschluss bringen." Das sei ein anspruchsvoller Zeitplan. Mit Blick auf mögliche Verzögerungen betonte Wiese, die Impfpflicht wirke ohnehin nicht kurzfristig, sondern sei "perspektivisch eine Vorsorge für den kommenden Herbst und Winter".

Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Britta Haßelmann, betonte: "Das ist keine einfache Entscheidung, das bedeutet einen tiefen Eingriff." In den Fraktionen müsse zunächst diskutiert werden, welche Vorstellungen es gebe. "Und dann können wir Ende Januar die öffentliche Debatte im Bundestag darüber führen", sagte Haßelmann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Frage sei "so relevant und weitgehend", dass es eine "fundierte und sehr sorgfältige Beratung" brauche. Haßelmann selbst sprach sich für eine Impfpflicht aus.

Bundesjustizminister Marco Buschmann von der FDP forderte eine rasche Entscheidung zu dem Thema. "Der Bundestag sollte schnell entscheiden, ob eine Impfpflicht eingeführt wird. Und wenn ja, für wen", sagte er der Bild am Sonntag. Die Abgeordneten müssten sich aber auch die Zeit für eine sorgfältige Abwägung dieser schwierigen Frage nehmen.

Geplant ist eine Abstimmung ohne Fraktionsvorgaben. Im Gespräch ist zunächst eine "Orientierungsdebatte" im Januar. Die SPD strebt den Abschluss eines Gesetzgebungsprozesses "im ersten Quartal" an, also bis Ende März. Die dann folgende nächste reguläre Sitzung des Bundesrates stünde am 8. April an.

Eine Mehrheit der Deutschen spricht sich für eine allgemeine Impfpflicht aus. Laut einer repräsentativen Insa-Umfrage für die Bild am Sonntag sind 61 Prozent dafür, 32 Prozent dagegen, sieben Prozent machen keine Angabe. Die meisten Befürworter gibt es mit 79 Prozent bei den Grünen-Wählern, dicht gefolgt von den SPD-Anhängern mit 78 Prozent Zustimmung. 74 Prozent der AfD-Anhänger lehnen dagegen die Impfpflicht ab. (09.01.2022)

Ärzteverband: Auch Normalstationen droht die Überlastung

Der Ärzteverband Marburger Bund warnt vor einer Überlastung der Normalstationen in Krankenhäusern. "Es wäre ein Fehler, bei der Omikron-Welle nur auf die Auslastung der Intensivstationen zu schauen", sagte die Vorsitzende des Verbands, Susanne Johna, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Großteil der milder verlaufenden Fälle müsse in den Notaufnahmen und auf den Normalstationen behandelt werden. Der Marburger Bund rechne mit insgesamt deutlich mehr Krankenhauseinweisungen als bei der Delta-Variante.

"Es besteht die Gefahr, dass viele Menschen ihre Corona-Infektion gar nicht als solche wahrnehmen und lediglich von einer Erkältung ausgehen", sagte Johna weiter. So träten Geruchs- und Geschmacksstörungen bei einer Omikron-Infektion gar nicht mehr auf. Johna riet daher, auch bei ganz leichten Symptomen einen Antigen-Schnelltest zu machen. "Wer einen Schnupfen hat, hustet oder sich unwohl fühlt, sollte sich vorsorglich testen und isolieren und im Zweifelsfall am zweiten Tag erneut einen Antigentest machen." (09.01.2022)

Schüler können nach Meinung ihrer Lehrer Corona-Versäumnisse im Schuljahr nicht aufholen

64 Prozent der Lehrer an Gymnasien und zum Abitur führenden Schulen gehen davon aus, dass ihre Schüler die Versäumnisse durch die Corona-Pandemie bis zum Ende des Schuljahres nicht mehr nachholen können. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Philologenverbandes unter etwa 7000 Lehrkräften an diesen Schulen im Bundesgebiet vom November 2021 hervor, welche der Bild am Sonntag nach eigenen Angaben vorliegt.

"Die Kultusminister müssen das Bildungssystem langfristig personell und materiell qualitätsorientiert stärken", sagte Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Verbandes, der Zeitung. 49 Prozent der befragten Lehrerinnen und Lehrer hatten angegeben, dass an ihrer Schule nicht ausreichend Fachlehrkräfte für den regulären Unterricht eingestellt worden seien. (09.01.2022)

Demos und Gegendemos

Mehrere Tausend Impfgegner und Zweifler von Corona-Schutzmaßnahmen sind wieder in Deutschland auf die Straßen gegangen. Eine der größten Veranstaltungen gab es am Samstagnachmittag in Hamburg. Dort sprach die Polizei von etwa 13 700 Teilnehmern, und korrigierte damit erste Angaben von etwa 16 000. In Hamburg forderte der Veranstalter die Teilnehmer über Lautsprecher auf, die Masken- und Abstandspflicht einzuhalten. Dennoch waren viele Menschen ohne Masken und Abstand unterwegs. Gegen mindestens einen Demo-Teilnehmer, der einen Davidstern mit der Aufschrift "ungeimpft" an der Kleidung trug, hat die Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet.

Größere Demonstrationen gab es auch in Magdeburg (Sachsen-Anhalt), Freiburg (Baden-Württemberg) und Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern). In Frankfurt am Main demonstrierten nach Polizeiangaben bis zu 8000 Menschen bei einer angemeldeten Veranstaltung gegen Corona-Maßnahmen. In Düsseldorf waren es laut Polizei mehrere Tausend, die Veranstalter sprachen von rund 4000. In Freiburg versammelten sich zu einem angemeldeten Protest nach Polizeiangaben bis zu 6000 Menschen. Knapp 2000 waren es im hessischen Wetzlar und rund 1250 in Trier. In Berlin demonstrierten Dutzende Menschen bei einem Auto- und Fahrradkorso. Die Polizei zählte mehr als 70 Autos, 100 Fahrräder und insgesamt etwa 200 Teilnehmer. Auch in Bayern wurde am Samstag an mehreren Orten gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert.

In Minden in Ostwestfalen gingen allerdings auch rund 2500 Menschen auf die Straße, um sich gegen "Querdenker" zu positionieren. Sie brachten ihren Unmut über Corona-Leugner, Impfskeptiker und Rechtsradikale zum Ausdruck. "Ja zu Meinungsfreiheit und Miteinander - entschieden nein zu Hass, Drohungen und Gewalt", hieß es etwa auf einem Plakat.

Auch in Dresden haben Hunderte ein Zeichen gegen gewaltsame Corona-Proteste und für Solidarität gesetzt. Vor der Dresdner Frauenkirche wurden dazu Kerzen abgestellt, um an die Todesopfer der Corona-Pandemie zu erinnern. In Dresden sind bisher rund 1400 Menschen an und mit Covid-19 gestorben. Zur Kerzenaktion auf dem Neumarkt hatte die Initiative "Haltung zeigen" aufgerufen. Sie stand unter dem Motto "Mit Abstand und Anstand optimistisch ins neue Jahr". Bis zum späten Nachmittag waren rund 300 Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, dem Aufruf gefolgt. Auf der Plattform www.haltung-zeigen.com hatten bis Samstagabend mehr als 10 000 Menschen einen Aufruf zum solidarischen Miteinander der Initiative unterzeichnet.

Bundesjustizminister Marco Buschmann ruft dazu auf, Gewalt gegen Polizisten oder Journalisten bei Corona-Demonstrationen unter keinen Umständen hinzunehmen. "Wenn systematisch gegen Regeln verstoßen wird oder es sogar zu gewalttätigen Angriffen kommt, müssen Versammlungen als Ultima Ratio notfalls auch aufgelöst werden", sagte der FDP-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. (09.01.2022)

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