Bundeswehr:Waffenbauer Haenel zieht für Sturmgewehr-Auftrag vor Gericht

Sturmgewehre, die diesem Modell von Haenel entsprechen, will die Firma an die Bundeswehr verkaufen.

Sturmgewehre, die diesem Modell von Haenel entsprechen, will die Firma an die Bundeswehr verkaufen.

(Foto: Wolf von Dewitz/dpa)

Der Hersteller kämpft um eine Großbestellung und sieht sich zu Unrecht vom Vergabeverfahren ausgeschlossen. Nun sollen Richter entscheiden. Die Produktion rückt damit in noch weitere Ferne.

Im Ringen um einen Sturmgewehr-Großauftrag des Bundes will der Waffenhersteller C.G.Haenel nicht klein beigeben. Nach einer für die Firma negativen Entscheidung des Bundeskartellamts habe man Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt, sagte Haenels Finanzchef Swen Lahl in Suhl. "Wir haben nichts falsch gemacht und sind weiterhin absolut überzeugt, in dem Vergabeverfahren das beste und wirtschaftlichste Angebot abgegeben zu haben." Das Bundesverteidigungsministerium hatte Haenel im März wegen möglicher Patentrechtsverletzungen von dem Vergabeverfahren ausgeschlossen. Haenel hält die Vorwürfe für unbegründet.

Es geht um 120 000 Sturmgewehre für die Truppe - ein prestigeträchtiger Auftrag, der im Werben um andere Kunden zum Aushängeschild werden könnte. Statt Haenel soll der große Konkurrent Heckler & Koch aus Baden-Württemberg den Zuschlag bekommen. Haenel ging gegen den Ausschluss aus dem Verfahren vor, zog vor der Vergabekammer des Bundeskartellamts unlängst aber den Kürzeren. Vor dem OLG Düsseldorf geht es nun in die nächste Instanz.

Haenel gehört letztlich einem Staatskonzern der Vereinigten Arabischen Emirate

Bis die Richter den Rechtsstreit abschließen, wird es dauern. Das Gericht plant den Verhandlungstermin für den 2. März 2022. "Mit einer Entscheidung des Gerichts rechne ich erst im zweiten Quartal 2022", sagt Finanzchef Lahl. Bis zur finalen Entscheidung des Bundes und der Bewilligung der Haushaltsmittel dürfte es Ende 2022 werden, schätzt Lahl. Anschließend würden zunächst 400 Erprobungswaffen hergestellt und von der Bundeswehr getestet. "Wer auch immer den Zuschlag bekommt, die Serienproduktion dürfte erst 2024 beginnen", so Lahl. Das wäre etwa zwei Jahre später als ursprünglich gedacht.

Haenel ist eine Tochterfirma des Jagdwaffen-Unternehmens Merkel, beide Firmen nutzen dasselbe Werk. Laut Bundesanzeiger hat Haenel nur neun Mitarbeiter. Auf die Frage, ob die Firma nicht viel zu klein sei für einen Bundeswehr-Großauftrag, sagt Firmenchef Olaf Sauer: "Haenel und Merkel arbeiten Hand in Hand, insgesamt haben wir 135 Mitarbeiter." Pro Jahr stelle man etwa 25 000 Rohre für Gewehre her. "Käme der Bundeswehr-Auftrag, so liefe der über sieben Jahre - also rund 17 000 Rohre pro Jahr zusätzlich", sagt Sauer. "Das wäre gut machbar."

Haenel beliefert zum Beispiel das Kommando Spezialkräfte (KSK) mit Scharfschützengewehren, die Stückzahlen sind aber gering. Der Sturmgewehr-Auftrag wäre der größte in der Firmengeschichte. Merkel inklusive Haenel gehörte früher zu Heckler & Koch und wurde 2007 an den Waffenhersteller Caracal verkauft, der wiederum zu einem Staatskonzern der Vereinigten Arabischen Emirate gehört.

© SZ/dpa/skle
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