Unwetter:"Die Katastrophengebiete werden auch wieder betroffen sein"

Unwetter in Deutschland: Gewitter, Blitze und Strakregen bei Görlitz

Die Schönwetterphase ist schon wieder vorbei, fürs Wochenende sind Gewitter angesagt.

(Foto: Florian Gaertner/imago/photothek)

Am Wochenende droht wieder Starkregen. Meteorologe Martin Jonas erwartet zwar, dass die Unwetter diesmal weniger heftig werden, dennoch sei Vorsicht geboten.

Interview von Sophie Kobel

Für die kommenden Tage werden erneut Starkregen und Gewitter in Nordrhein-Westfalen und Bayern vorhergesagt. Martin Jonas von der Vorhersage- und Beratungszentrale des Deutschen Wetterdienstes rechnet zwar damit, dass sie weniger heftig ausfallen als die Unwetter in den vergangenen zwei Wochen. Grund zur Sorge gebe es aber trotzdem.

SZ: Herr Jonas, wurden für die Unwetter am Wochenende Warnungen ausgesprochen?

Martin Jonas: Aktuell laufen noch keine Warnungen, die können erst kurzfristig ausgegeben werden. In den kommenden Tagen haben wir es vor allem mit Gewittern zu tun. Dabei steht der Starkregen im Fokus, also Regen, der in besonders kurzen Zeitintervallen fällt. Die Schwelle für Unwetter liegt für uns bei 25 Litern pro Quadratmeter in der Stunde, ab 40 Litern reden wir dann von extremen Unwettern.

Ist Starkregen denn kein Grund für Warnungen?

Doch, allerdings muss man unterscheiden zwischen Starkregen und Dauerregen. Der Charakter dieser Unwetter ist nicht vergleichbar mit denen der vergangenen Woche. Was wir vor allem in Westdeutschland erlebt haben, war Dauerregen. Dabei kamen über zwei bis drei Tage bis zu 200 Liter pro Quadratmeter runter. Jetzt kommt ein kräftiger lokaler Schütt, salopp gesagt.

Diese Gewitter werden also zu nicht viel mehr Schaden führen?

Schadenspotenzial hat Starkregen leider auch. Aber eben nicht flächendeckend. Es sind eher einzelne Ortschaften oder Flussläufe betroffen. Allerdings sind viele Regionen nach der letzten Woche natürlich viel verletzlicher als sonst. Wo eine Straße schon fast unterspült ist, reicht ein starkes Gewitter, damit sie ganz weg ist. Da wird die Arbeit der Helfer von drei Tagen schnell zunichte gemacht.

Unwetter: Den Diplom-Meteorologen Martin Jonas, 51, wurmt es, dass er und seine Kolleginnen und Kollegen zwar recht genau vorhersagen können, an welchen Orten wie viel Niederschlag fällt, aber trotzdem nicht wissen, was genau der Regen anrichtet.

Den Diplom-Meteorologen Martin Jonas, 51, wurmt es, dass er und seine Kolleginnen und Kollegen zwar recht genau vorhersagen können, an welchen Orten wie viel Niederschlag fällt, aber trotzdem nicht wissen, was genau der Regen anrichtet.

(Foto: privat)

Wie gut kann man Probleme für diese einzelnen Regionen gerade vorhersagen?

Schlecht, leider. Wenn es darum geht, Gewitter präzise vorherzusagen, bewegen wir uns im Bereich von wenigen Stunden. Erst einmal muss sich das Gewitter entwickelt haben, erst dann kann man gut prognostizieren. Wir können derzeit nur sagen, dass die Katastrophengebiete auch wieder betroffen sein werden - aber eben nicht das ganze Gebiet. Und was die Unwetter letztendlich anrichten, können wir ebenfalls nicht sagen.

Das klingt alles sehr schwammig.

Ja, das ist das Problem von uns Meteorologen. Wir versuchen zwar, möglichst präzise zu sagen, was das Wetter, also die Atmosphäre macht. Was dann aber am Boden passiert, dafür fehlen uns die Informationen. Was für Bewuchs, Hangneigung, Vegetation liegt vor? Diese Fakten spielen eine große Rolle bei der Vorhersage von Hochwasser oder Sturzfluten. In vielen Regionen sind zudem die Böden diesen Sommer bereits gesättigt und nehmen nichts mehr auf.

Lag hier auch das Problem in den vergangenen zwei Wochen?

Ja. Wir vom DWD haben sehr präzise mit Vorlauf von zwei bis drei Tagen Warnungen ausgesprochen. Auch die Mengen haben gut gepasst. Trotzdem konnte ich persönlich mir nicht vorstellen, was für eine Katastrophe das Unwetter letztendlich angerichtet hat. Das nagt an meinen Kollegen und mir. Nicht weil wir uns Vorwürfe machen, sondern weil es uns so trifft.

© SZ/nas
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