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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Pflanzen statt tanzen

(Foto: Imago / Aurora)

In England gehen die Twens lieber in den Garten als in den Club. Warum Hibiskus hipper als Hip-Hop ist.

Von Titus Arnu

"Du Lauch!", das ist kein Kompliment unter Jugendlichen. Auch "Kartoffel!" und "Gurke!" sind nicht wertschätzend gemeint. Vegetarische Beleidigungen sind derzeit populär. Bestimmte Gemüsesorten haben für bestimmte Menschensorten einen so hohen Bäh-Faktor, dass sie nicht nur für Blähungen, sondern auch für Schmähungen sorgen.

Dabei sind viele Leute während der Pandemie selbst irgendwie zu Gemüse mutiert. Extremgammeln auf dem Sofa, Vegetieren vor dem Smartphone, Wachstum ohne Bewegung - der Lockdown hat vormals aktive humane Lebensformen in passive Couch-Potatoes verwandelt. Anstatt in Clubs zu gehen oder Freunde zu treffen, hingen Teenies und junge Erwachsene zwangsweise zu Hause rum, als wären sie dort festgewachsen.

Kein Wunder, dass die Beziehung zu pflanzlichen Lebensformen während dieser quasi pflanzlichen Lebensphase gewachsen ist. Der britische Gartengerätehersteller Draper Tools hat eine Umfrage unter 2000 Menschen zwischen 18 und 34 Jahren in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie gartenaffin junge Leute sind. Ergebnis: Covid-19 hat bei ihnen angeblich "eine Wiederbelebung der Pflanzenpflege" ausgelöst. Mehr als die Hälfte der Befragten sagen, dass Gartenarbeit sie während der Quarantäne auf Trab gehalten hat. Acht von zehn jungen Erwachsenen finden Garteln "cool". Mehr als die Hälfte würde lieber in den Garten gehen als in einen Club.

Wächst da eine neue Generation von Gärtnern heran? Ist Hibiskus bald hipper als Hip-Hop? Hauspflanzen statt Housemusic? Kommt bald die Ära Flower-Power 2.0? Schöner Gedanke. Gesät, gekeimt, gedüngt, gegossen und gewartet wurde ja lange genug, eigentlich müsste jetzt alles prächtig gedeihen. Auch der Lauch.

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© SZ/nas
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