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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Higher geht's nicht

Riesen Natterkopf
(Foto: mauritius/Alamy/Flora)

Ein englischer Pflanzenfreund rettet eine Staude aus dem Biomüll, pflanzt sie in seinen Garten - und sie wächst und wächst. Was tun mit einem fünf Meter hohen "Starren Hansl"?

Von Martin Zips

Ach, wenn dieser arme Darren Wilson nur wüsste, was er sich da in seinen Garten geholt hat. Nicht umsonst wird die Unterart jener Pflanze, welche der sympathisch tätowierte Gärtner aus dem südenglischen Saltash kürzlich vor dem Tod in der Biotonne bewahrt hat, auch als "Starrer Hansl" bezeichnet. Das Gewächs gehört zur Familie der Natternköpfe, normalerweise eines dieser steifstängeligen, kleinen Büschel, über die der deutsche Rentner fluchend bei seiner jährlichen Winterwanderung auf La Gomera stolpert. Ein bisschen sehen die Büschel so aus wie die Frisur des britischen Premierministers. Die Blätter sind gespalten wie Schlangenzungen, was den Mitteleuropäer nur noch mehr erschreckt.

Doch in Saltash, Cornwall, ist alles anders. Die Pflanze, die sich Herr Wilson da in seinen Garten geholt hat, wächst mittlerweile fünfeinhalb Meter hoch. Rekord. Ja, der Riesenbüschel überragt sogar Wilsons Haus, worauf dieser mit einem gewissen Stolz hinweist. Ob hier, für England wäre das natürlich keine Überraschung, vielleicht Drogen mit im Spiel sind? Oder ist etwas Radioaktives in der königlich-britischen Marinewerft in Plymouth ausgelaufen? Plymouth liegt ja gleich neben Saltash.

Dem Plymouth Herald hat Gärtner Wilson gerade erklärt, seine Riesenpflanze stoße bald Abertausende Samen aus. Das sei ganz normal, bevor sie sterbe. Nicht auszudenken, würde der Wind diese Horrorsamen bis auf die Kanarischen Inseln tragen und dem armen deutschen Rentner mit einem durch die britische Massenbefruchtung entstandenen Hain voller "Starrer Hansl" in seinem geliebten immergrünen Nebelwald auf La Gomera nun vollends die Orientierung rauben.

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© SZ/nas
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