CSU plus Freie Wähler Die Papaya-Formel

Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident, und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger: Landespolitik, symbolhaft dargestellt.

(Foto: dpa, imago/Sammy Minkoff, Mauritius)

Ein Bündnis aus CSU und Freien Wählern könnte einfach "schwarz-orange" heißen. Stattdessen schält sich "Papaya-Koalition" heraus. Warum braucht der Mensch seltsame Vergleiche, um sich politisch zurechtzufinden?

Von Martin Zips

Nein, hier wird sich Hubert Aiwanger nicht durchsetzen. Am liebsten sei ihm die Bezeichnung "christlich-freie Koalition", hat der Landesvorsitzende der Freien Wähler gerade in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk gesagt. Aber da machten für die schwarz-orange Koalition, auf die es im Freistaat ja gegenwärtig hinauszulaufen scheint, schon ganz andere, natürlich viel originellere Bezeichnungen die Runde.

Wie wäre es zum Beispiel mit "SpeziKoalition" (Deutsche Presse-Agentur: "2,3 Prozent Orangensaft und die schwarze Lebensmittelfarbe Ammoniumsulfat-Couleur E 150d im Mix")? Oder mit, hihi, Bündnis des schwarz-orangenen "asiatischen Harlekin-Marienkäfers" (Ebenda: "zur biologischen Schädlingsbekämpfung nach Europa geholt")? Am häufigsten aber fiel der Name "Papaya"-Koalition (erstmals erwähnt am 15. Oktober vom Straubinger Tagblatt).

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Und Papaya, das könnte sich schon durchsetzen. Nicht nur bayerisch-kulinarisch. Obwohl der Vergleich politisch ein bisschen hinkt, denn bei dem Melonenbaumgewächs sind zwar das Fruchtfleisch orange und die Kerne schwarz, aber die Schale leuchtet eher gelbgrünbraun. Außerdem, das hat Herr Aiwanger freimütig zugegeben, habe er selbst noch nie eine Papaya probiert. Höchstens sei "irgendwann mal eine druntergemischt" gewesen. Deshalb finde er den Begriff auch "sperrig". Verständlich.

Doch der gemeine Mensch liebt es seit jeher, in Farben zu denken. So kämpften bereits im Florenz des 13. Jahrhunderts die Bianchi (die Weißen, die sich für die Autonomie der Stadt gegenüber dem Papst einsetzten) gegen die papsttreuen Neri. In Deutschland hingegen gibt es seit einigen Jahren den etwas dämlichen Trend zu beobachten, politische Bündnisse vor allem nach Ländern zu benennen, in deren Flaggen sich die gesuchten politischen Farben finden.

Papaya-Koalition klingt vernünftiger als Halloween-Pakt

Schuld daran ist, man muss es leider so sagen, ein Mann namens Hans-Bernd Schmitz. Der ehemalige Redaktionsleiter des Dormagener Anzeigenblattes Schaufenster hatte im Jahr 1994 im Zusammenhang mit einem denkbaren Bündnis im Dormagener Stadtrat erstmals von einer "Jamaika-Koalition" geschrieben. Eine recht dürftige Komposition, denn was schon hat Dormagen mit Jamaika zu tun?

Doch zur Bundestagswahl 2005 und dem sogenannten "Saarmaika"-Bündnis 2009 bescherte genau dieses Wortspiel den Bewohnern des karibischen Inselstaats allerlei heitere Anrufe deutscher Medienmacher ("What do you think about a Jamaican-coalition in Germany, hihi?"). Und natürlich: So etwas lässt sich immer gut ausbauen. Plötzlich war also von "Senegal" die Rede, wenn Rot-Gelb-Grün gemeint war, von "Afghanistan" oder "Kenia" bei Schwarz-Rot-Grün und von "Tansania", wenn man bei "Jamaika" noch das Bayerischblau der CSU hinzuaddierte. Übertroffen in seiner Originalität wurde derlei allerhöchstens durch die Hinzuziehung exotischer Früchte ("Kiwi" für Schwarz-Grün) sowie landestypischer Kleidung ("Dirndl" für ÖVP, Grüne und Neos in Österreich).

Jetzt also "Papaya", ein Begriff, der erstmals deutlich hörbar auf der Münchner Wahlparty der Freien Wähler im 11,6-prozentigen Bierdunst auftauchte, bevor er dann über die sozialen Netzwerke ins Straubinger Tagblatt gelangte. Und es stimmt schon: Geht es allein um die politische Farbenlehre, so klingt Papaya-Koalition für ein schwarz-orangenes Bündnis natürlich wesentlich vernünftiger als, sagen wir, Halloween-Pakt, Gefahrgut-Gruppe oder Basketball-Bande.